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SiegburgAufzüge, Rolltreppen, Türen: Es klemmt und knirscht im ICE-Bahnhof

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Mittlerweile professionell mit rot-weißem Flatterband als unpassierbar markiert ist eine der beiden elektrischen Schiebetüren zum Haupteingang des ICE-Bahnhofs in Siegburg. Sie ist seit mindestens drei Wochen (Stand 29.9.26) defekt.

Mittlerweile professionell mit rot-weißem Flatterband als unpassierbar markiert ist eine der beiden elektrischen Schiebetüren zum Haupteingang des ICE-Bahnhofs in Siegburg. Sie ist seit mindestens drei Wochen (Stand 29.9.26) defekt. 

Die Zuständigkeiten sind jedoch unterschiedlich und die Suche nach Auskunft oftmals kompliziert.

Wer aus der großen weiten Welt, aus New York, Rio, Tokyo, ins Rheinland kommt, um den UN-Campus, die Telekom oder DHL in Bonn oder die Fachhochschule Bonn/Rhein-Sieg aufzusuchen, der wird wegen diverser Ozeane dazwischen eher nicht im Auto anreisen, sondern etwa nach Frankfurt fliegen, in den Schnellzug wechseln und dann im ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn in die Stadtbahnlinie 66 einsteigen.

Wenn die reisende Person dabei auf einen Rollstuhl angewiesen ist, einen Kinderwagen schiebt oder schweres Gepäck transportiert, wird die Freude, dass die 66 überhaupt wieder und dann auch noch in Doppeltraktion fährt, schnell durch andere Dinge überschattet. Denn es klemmt und knirscht im ICE-Bahnhof. Aktuell gibt es diverse Sperrungen am Bahnof.

Häufung von kleinen und großen Widrigkeiten

Mit Stand Dienstag, 29. September, gibt es folgende Sammlung an Defekten:

  1. der Aufzug zu Gleis sechs ist gesperrt, weil er noch einen Monat lang erneuert  wird;
  2. der Aufzug zu den Gleisen 2 und 3 folgt anschließend;
  3. die Rolltreppe abwärts ist seit Ewigkeiten außer Betrieb;
  4. die Rolltreppe aufwärts kriecht oftmals und gönnt ihren Nutzerinnen und Nutzern damit laaange Sekunden der Entschleunigung;
  5. schließlich ist auch eine der beiden elektrischen Haupteingangstüren seit Wochen „defkt“.

Die Häufung dieser kleinen und großen Widrigkeiten dürfte die Mütter und Väter des Siegburger ICE-Bahnhofs, allen voran den verstorbenen Ehrenlandrat und CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Franz Möller, erschaudern lassen. Möller und seine Mitstreiter hatten sich im vergangenen Jahrtausend erfolgreich dafür stark gemacht, dass die neue ICE-Strecke von Köln nach Frankfurt über Siegburg führte und hier einen Haltepunkt bekam, und es war der vor sechs Jahren ebenfalls verstorbene Siegburger Stadt-Architekt Hartmut de Corné, der dafür sorgte, dass aus dem hiesigen Tor zur Welt „kein Bahnhof von der Stange“, sondern „eine Visitenkarte für Siegburg“, wurde, wie es bei der Eröffnung im Jahre 2004 hieß.

Gut 20 Jahre nach der großen Feier herrschen Klein-Klein und Kompetenz-Wirrwarr. Die Zustände am Bahnhof haben wiederholt für Schlagzeilen gesorgt. Unvergessen die Nacht vor drei Jahren, als die Feuerwehr mit vier Mann ausrückte, um zwei auf dem Bahnsteig der Gleise 2 und 3 gestrandete Rollstuhlfahrerinnen die Treppe hinunterzutragen. Der Aufzug war da schon seit Wochen kaputt, die Alternative Treppe war und ist für Rolli-Fahrende keine, und die Servicenummer der Deutschen Bahn war nach Angaben der Gestrandeten eine Viertelstunde lang nicht zu erreichen.

Im Sommer 2024 steckten gleich acht Personen im "Fahrstuhl des Grauens" fest

Ein knappes Jahr später, im Hochsommer 2024, steckten gleich acht Personen im „Fahrstuhl des Grauens“ zu Gleis 2/3 fest. Erneut musste die Feuerwehr helfen. Der Siegburger Stadtsprecher Jan Gerull damals: „Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Aufzüge an einem so wichtigen Bahnhof funktionieren müssen.“ Seit Februar habe die Feuerwehr zu vier Einsätzen an den Bahnhofsaufzügen ausrücken müssen. „Das ist entschieden zu viel.“

Seit Wochen gesperrt ist der Aufzug zum Gleis 6, wo die ICE nach Frankfurt abfahren. Inzwischen passiert etwas: Hinter einem neu eingezogenen Sichtschutz montieren Mitarbeiter eines kroatischen Spezialunternehmens einen neuen Lift.

Seit Wochen gesperrt ist der Aufzug zum Gleis 6, wo die ICE nach Frankfurt abfahren. Inzwischen passiert etwas: Hinter einem neu eingezogenen Sichtschutz montieren Mitarbeiter eines kroatischen Spezialunternehmens einen neuen Lift.

Eine SWB-Sprecherin kündigte 2024 an, eine „komplette Erneuerung“ der Aufzüge im ersten Quartal 2025 sei „angedacht“. Daraus wurde nichts, weil, so die SWB jetzt auf Anfrage, die ursprünglich beauftragte Firma in die Insolvenz ging und der Auftrag für die beiden SWB/SSB-eigenen Aufzüge 2/3 und 6 neu ausgeschrieben werden musste.

Im September 2026 passiert nach Beobachtungen dieser Zeitung am Aufzug zu Gleis 6 tatsächlich etwas: Ein schon vor Wochen aufgestellter Bauzaun wurde mit einem Sichtschutz versehen, ein neuer Lift angeliefert.  Er wird von Spezialisten einer Fachfirma aus Kroatien montiert.

Geplant ist, den neuen Aufzug am Freitag, 23. Oktober, in Betrieb zu nehmen.
Sprecher der Stadtwerke Bonn zum Aufzug zum Bahnsteig 6

Ein SWB-Sprecher aktuell: „Geplant ist, den neuen Aufzug am Freitag, 23. Oktober, in Betrieb zu nehmen.“ Ausweislich des aushängenden Bauschildes folgt danach der Aufzug zum Bahnsteig der Gleise 2 und 3. An Gleis 2 halten die Regionalzüge von Köln nach Hennef/Siegen, an Gleis 3 die IC von Frankfurt nach Köln. Die dortigen „Alt gegen neu“-Arbeiten sollen laut Schild vom 26. Oktober bis voraussichtlich 3. Dezember dauern.  Die Festtreppe bleibe zugänglich, „alternative Erreichbarkeiten von Gleis 2/3 entnehmen Sie bitte den Informationen der Deutschen Bahn“.

Entsprechend der alten Luftfahrt-Weisheit „Runter kommen sie immer“ ist die Abwärts-Rolltreppe vom Bahnhofs-Foyer zur Stadtbahn-Ebene seit vielen Wochen gesperrt. Die Fotos zeigen die defekte „Fahrtreppe“ einmal von oben und einmal von unten. Als Alternativen stehen den Passanten eine Treppe und der aktuell nicht defekte Aufzug zu Gleis 1 zur Verfügung.

Entsprechend der alten Luftfahrt-Weisheit "Runter kommen sie immer" ist die Abwärts-Rolltreppe vom Bahnhofs-Foyer zur Stadtbahn-Ebene seit vielen Wochen gesperrt. Die Fotos zeigen die defekte "Fahrtreppe" einmal von oben und einmal von unten. Als Alternativen stehen den Passanten eine Treppe und der aktuell nicht defekte Aufzug zu Gleis 1 zur Verfügung.

Den Hinweis auf die DB bekräftigt ein SWB-Sprecher auf Nachfrage: „Leider gibt es für die Dauer der Arbeiten keine barrierefreie Alternative. Wir bitten mobilitätseingeschränkte Fahrgäste, die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen und sich vor Antritt ihrer Reise beim Mobilitätsservice der DB zu erkundigen.“

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Antwort der Deutschen Bahn auf Frage nach Plänen für Reisende an den Bahnsteigen 2 und 3

Indes gibt sich auf Nachfrage die Deutsche Bahn einsilbig. Eine Anfrage, gerichtet an die Konzern-Mutter aller Bahn-Töchter in Berlin, wird nach Düsseldorf weitergereicht. Wem der Bahnhof eigentlich gehört?  „Eigentümer des Siegburger ICE-Bahnhofsgebäudes ist eine Eigentümergemeinschaft aus SEG und DB InfraGO AG, die DB ist Minderheitseigentümer.“ Mit SEG sei die Stadtentwicklungsgesellschaft – eine „Enkelin“ der Stadt Siegburg – gemeint. Deren Adresse will die Bahn übrigens aus „Datenschutzgründen“ nicht weitergeben.

Die ist aber auch nicht so entscheidend. Viel wichtiger ist die Frage, was denn mit den Fahrgästen an den Gleisen 2 und 3 geschieht, wenn der Aufzug erneuert wird. Antwort der Bahn: „Wie vorhin schon telefonisch mitgeteilt, können wir derzeit nur einige Ihrer Fragen beantworten.“ Eine Antwort auf die Frage nach den Fahrgästen gibt es leider nicht. Unkonkret bleibt die Bahn auch bei weiteren Antworten. Immerhin so viel: Für die Rolltreppen sei die Tochter DB InfraGo zuständig, für die elektrischen Schiebetüren die Eigentümergemeinschaft, für die Aufzüge nach Bahnsteig 2/3 und 6 die SWB und für den Aufzug nach Gleis 1 die Deutsche Bahn.

Sicherheit und Sauberkeit funktionieren, anderes weniger

Weitere Frage an beide Verkehrsunternehmen: „Hat sich die offenbar gemischte Zuständigkeit von Bahn und SWB am Siegburger Bahnhof aus Ihrer Sicht bewährt?“

Mutter Bahn: „Aus Sicht der DB haben sich die Zuständigkeiten bewährt.“ Etwas weniger knapp antworten die Stadtwerke: „Die Zusammenarbeit hat sich bewährt. Zu allen Themen rund um den Bahnhof Siegburg findet ein regelmäßiger Austausch auf Initiative der Stadt Siegburg statt. Teilnehmende sind neben der Stadt Siegburg die DB, die SSB/SWBV und Anlieger.“

Ein differenziertes Bild zeichnet auf Anfrage der Siegburger Stadtsprecher Jan Gerull. Zwar werde die Stadt ähnlich von Funktionsstörungen überrascht wie die Passanten. Andererseits gebe es in Sachen „Sicherheit und Sauberkeit“ eine gut funktionierende Zusammenarbeit der verschiedenen Institutionen.