Die Querverbindung im Niehler Industriegebiet soll saniert werden und bis zu fünf Spuren bekommen. Die BV Nippes ist jedoch skeptisch.
Fusion CologneGeestemünder Straße soll für Millionenprojekt ausgebaut werden

Blick auf die Geestemünder Straße, von der Brücke Industriestraße aus gesehen. Dieser Abschnitt soll fünfspurig ausgebaut werden.
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Ein großes Straßenbauprojekt bahnt sich im Niehler Industriegebiet an: Die Geestemünder Straße, die rund 1,8 Kilometer lange Ost-West-Verbindung zwischen St.-Leonardus-Straße und Neusser Landstraße, soll ab kommendem Jahr generalsaniert und auf bis zu fünf Fahrspuren ausgebaut werden. An der Einmündung zur Neusser Landstraße soll ein Kreisverkehr die derzeitige Ampel ersetzen, auf beiden Seiten der Meile würde ein 3,25 Meter breiter Fuß- und Radweg entstehen. Baustart für das insgesamt knapp 18 Millionen Euro teure Projekt soll im Juni oder Juli 2027 sein, es ist eine Gesamtbauzeit von rund 25 Monaten angedacht. Derzeit ist die Straße in schlechtem Zustand.
Im ersten Bauabschnitt zwischen Neusser Landstraße und Industriestraße soll die Geestemünder Straße, die am zukünftigen Kreisel zweispurig beginnt, auf drei, und im weiteren Verlauf – ab der Franz-Greiß-Straße – auf fünf Fahrspuren erweitert werden. Im zweiten Bauabschnitt zwischen Industriestraße und Emdener Straße wird die Geestemünder Straße vierspurig, ab der östlichen Auf- und Abfahrt der Industriestraße dreispurig. Geplant ist, sechs Bäume zu fällen und 19 neue im Mittelstreifen nahe der Neusser Landstraße zu pflanzen. Für bis zu 70 Prozent der Baukosten ist eine Förderung vom Land möglich.
„Fusion Cologne“: Nachhaltiges 55-Hektar-Quartier soll bis zu 2000 Jobs schaffen
Hauptmotiv für die geplante Erweiterung ist das von einer Tochterfirma der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK) initiierte Projekt „Fusion Cologne“, laut Angaben der Entwickler die größte zusammenhängende Industrie-Entwicklungsfläche auf Kölner Stadtgebiet. Auf ehemaligem Esso-Raffineriegelände soll ein modernes, auf Nachhaltigkeit und erneuerbare Energien setzendes Quartier für Leichtindustrie, Gewerbe, Logistik, Forschung und Entwicklung entstehen. Auf einer Fläche von 55 Hektar, damit etwas größer als Mauenheim, könnten bis zu 2.000 Arbeitsplätze entstehen. Weitere bedeutende Anlieger der Geestemünder Straße sind die Müllverbrennungsanlage der AVG Köln, der Chemiepark von Carbosulf sowie Remondis; auch eine Werkshalle von Ford befindet sich hier. Final über das Projekt entscheiden soll im Dezember der Rat.

Ein Plakat weist an der Ecke Geestemünder Straße / Johann-Maria-Farina-Straße auf das Fusion-Cologne-Entwicklungsprojekt hin.
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Doch für das Projekt gibt es zunächst politischen Gegenwind aus Nippes: Teile der Bezirksvertretung waren alles andere als „begeistert“ von den Planungen. Grüne, Linke und Volt hielten die Ausbaupläne in diesen Dimensionen für nicht mehr zeitgemäß und bemängelten, dass die HGK als Hauptnutznießer nicht finanziell beteiligt würde. „Die Begründung, dass die HGK kein direkter Anlieger der Straße sind, ist abenteuerlich“, so Michael Breiman (Grüne). Außerdem bindet das Großprojekt planerische Ressourcen an anderer Stelle, etwa dem Radwegebau, wie Joanna Dommnich (Linke) anmerkte.
Tim Queitsch vom Amt für Straßen und Radwegebau trat auf der Sitzung den Einwendungen entgegen. „Der Ausbau ist zwingend erforderlich, wir erzeugen sonst ein Verkehrschaos“, warnte er. Eine Verzögerung der Planungen könne Investoren abschrecken. Die Ausgleichsmaßnahmen für die Eingriffe ins Grün überkompensierten die Fällungen. Zudem gebe es keine Auswirkungen auf den Radwegebau. „Die hierfür zuständigen Kollegen befassen sich ausschließlich damit und mit nichts anderem“, stellte er klar. Eine Kostenbeteiligung der HGK sei geprüft worden, aber rechtlich nicht möglich; sie könne nur freiwillig erfolgen.
Per Änderungsantrag von Grünen, Linken und Volt sprach sich die BV dafür aus, das Ausbauprojekt noch einmal zu überdenken. Zu prüfen sei unter anderem der Verzicht auf die Fünfspurigkeit, den Kreisel und neue Parkplätze. Der Baumbestand sei zu sichern, eine Beteiligung der HGK neu zu verhandeln. Der Beschluss fiel einstimmig, bei Enthaltung von SPD und CDU. „Wir hätten der ursprünglichen Vorlage zustimmen können, einem derart verhunzten Beschluss aber nicht“, so SPD-Fraktionschef Ulrich Müller. Er hofft, dass Ausschüsse und Rat das Ergebnis noch korrigierten.
