Die Journalistin flüchtete aus der DDR, arbeitete als Lektorin, war Feministin und Mitbegründerin der deutschen Sektion von Amnesty International.
150 aus 150Carola Stern war die erste Frau in der Politik-Abteilung des WDR

Carola Stern während ihrer Ansprache zur Eröffnung der 4. Jahreskonferenz der deutschen Sektion von Amnesty International im April 1969.
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 26. Teil der Serie geht es um die Journalistin und Publizistin Carola Stern.
Bedeutung
Carola Stern war eine Frau mit vielen Identitäten: BDM-Führerin in der NS-Zeit, Spionin in der DDR für den USA-Armeegeheimdienst CIC, Lehrerin, SED-Mitglied, Dozentin an der SED-Hochschule „Karl Marx“, Lektorin, Publizistin, Feministin und Menschenrechtsaktivistin. Als sie in der DDR aufflog, flüchtete sie nach West-Berlin und veröffentlichte neben dem Studium erste Beiträge über das DDR-Unrechtssystem. Diese führte zu zwei Entführungsversuchen durch die Stasi, weshalb sie ihr Pseudonym annahm.
1960 begann sie beim Verlag Kiepenheuer & Witsch in Köln als Lektorin für das politische Buch. Zehn Jahre später wechselte sie zum WDR als Redakteurin und begann, sich für die Gleichberechtigung der Frauen einzusetzen. 1971 war sie eine der 28 Frauen, die mit ihrem Bild auf dem Titel des „Stern“ unter dem Motto „Wir haben abgetrieben“ gegen den Paragrafen 218 protestierten. Carola Stern war die erste Redakteurin in der Hauptabteilung Politik beim von Männern dominierten WDR, später wurde sie Leiterin der Programmgruppe Kommentare und Feature.

Carola Stern im September 2004 in Köln.
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Sie diente vielen Frauen als Vorbild, den Weg zum Journalismus einzuschlagen. Mit Heinrich Böll und Günther Grass gründete sie 1976 die Literaturzeitschrift „L 76“, in der auch verfolgte ost-europäische Schriftstellerinnen und Schriftsteller veröffentlichten. Sechs Jahre später war sie Mitgründerin der Gustav-Heinemann-Initiative für Menschenrechte und Frieden.
Carola Stern (Pseudonym für Erika Assmus)
Geboren: 14. November 1925 in Ahlbeck
Gestorben: 19. Januar 2006 in Berlin
Wirken in Köln
Im Juni 1961 fand in Köln das Sommerfest des Kongresses für die Freiheit der Kultur statt. Gemeinsam mit anderen anwesenden Schriftstellern und Journalistinnen, die sich für Meinungsfreiheit und für die Menschenrechte einsetzen wollten, gründete Carola Stern die deutsche Sektion von Amnesty International.
Bemerkenswert
1966 heiratete sie den DDR-Dissidenten Heinz Zöger. Als eine der ersten ihrer Generation äußerte sie sich in ihrer Autobiographie offen über ihr Verhalten in der NS-Zeit. Sie veröffentlichte Doppelbiografien über Helene Weigel und Bertolt Brecht sowie Marianne Hoppe und Gustaf Gründgens.
Spuren in der Stadt
2011 wurde ein Weg nach ihr in Sürth benannt.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
