Der Wirtschaftswissenschaftler wurde bei der Gründung der Kölner Universität 1919 Direktor des neu geschaffenen Betriebswirtschaftlichen Seminars.
150 aus 150Eugen Schmalenbach gilt als Erfinder der Betriebswirtschaftslehre

Einige Schriften von Eugen Schmalenbach wurden in mehrere Sprachen übersetzt.
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 25. Teil der Serie geht es um den Wirtschaftswissenschaftler Eugen Schmalenbach.
Bedeutung
Eugen Schmalenbach gilt als Erfinder der Betriebswirtschaftslehre. Ohne Abitur studierte er an der Handelshochschule in Leipzig und habilitierte sich 1903 ohne Promotion an der Handelshochschule Köln. Dort wurde er 1906 zum Professor für Privatwirtschaftslehre berufen. Zeitgleich gründete er die „Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung“, für die er anfangs die meisten Beiträge selbst schrieb. Bei Gründung der Kölner Universität 1919 wurde er Direktor des neu geschaffenen Betriebswirtschaftlichen Seminars, seit 1926 Seminar für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsprüfung.
Schmalenbachs Bilanzlehre diente der Überprüfung der innerbetrieblichen Wirtschaftlichkeit. Einige seiner Schriften, darunter „Dynamische Bilanz“, wurden in mehrere Sprachen übersetzt. In den 1920er Jahren war er als Gutachter für die Regierung, als Berater für Unternehmen und als Unternehmer tätig. Viele seiner Schüler wurden Wirtschaftsprüfer. Schmalenbach sah seine Lehre stets im Dienst der Wirtschaft. Aufgrund seiner Ehe mit einer Jüdin drohte ihm 1933 der Rauswurf aus der Uni, dem er durch Emeritierung zuvorkam. Nach dem Krieg lehrte er wieder in Köln und äußerte sich in Vorträgen und Radioansprachen zu Wirtschaftsfragen.
Eugen Schmalenbach
Geboren: 20. August 1873 in Halver-Schmalenbach
Gestorben: 20. Februar 1955 in Köln
Wirken in Köln
Schmalenbach war zweimal – 1920/21 und 1924/25 – Dekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät. Auf seinem Wirken beruht die besondere BWL-Tradition der Universität.
Bemerkenswert
Schmalenbach galt als temperamentvoll, der gerne Kritik austeilte, aber auch einstecken konnte. Insgesamt erhielt er sechs Ehrendoktor-Würden. In der NS-Zeit bewahrte Schmalenbach seine jüdische Frau vor der Deportation und versteckte sich mit ihr von 1944 bis zum Kriegsende bei Freunden in Bonn.
Spuren in der Stadt
Das Wirtschaftsarchiv an der Universität zu Köln, von Schmalenbach 1904 zur Sammlung von betriebswirtschaftlichen Daten gegründet, existiert heute noch. Die Schmalenbach-Gesellschaft mit Sitz in Köln und Berlin widmet sich betriebswirtschaftlichen Fragen, die Schmalenbach-Stiftung vergibt jährlich einen nach dem Hochschullehrer benannten Preis für wissenschaftliche Arbeiten.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
