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Euskirchener DialogIn der Marienschule trifft Medizin auf Philosophie

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Michael Mombaur (l.), Dr. Ulrike Bardt und Dr. Hubertus Rüber sitzen auf einem Sofa.

Organisieren den Euskirchener Dialog in der Marienschule: Schulleiter Michael Mombaur (v.l.), Dr. Ulrike Bardt und Dr. Hubertus Rüber.

Wissenschaftler diskutieren in Euskirchen über gesellschaftliche Krisen und  psychische Belastungen – aber alles andere als abgehoben.

Wie verletzlich ist unsere Gesellschaft geworden – und wie widerstandsfähig müsste sie eigentlich sein? Mit diesen Fragen beschäftigt sich der 28. Euskirchener Dialog am Mittwoch, 27. Mai, in der Marienschule. Unter dem Titel „Die vulnerable Gesellschaft in Resilienz fordernder Zeit“ diskutieren Wissenschaftlerinnen aus Medizin, Philosophie und Rechtswissenschaft über gesellschaftliche Krisen, psychische Belastungen und die Fähigkeit zum offenen Diskurs.

Beginn der Veranstaltung ist um 19 Uhr, das Ende ist für 21 Uhr geplant. Eingeladen sind ausdrücklich nicht nur Fachleute, sondern auch interessierte Bürgerinnen und Bürger, Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte.

Dr. Hubertus Rüber aus Euskirchen initiierte die Veranstaltung

Im Mittelpunkt steht die Beobachtung, dass moderne Gesellschaften zunehmend sensibel und verletzlich erscheinen – gleichzeitig aber vor immer größeren Herausforderungen stehen: globale Krisen, wirtschaftliche Unsicherheiten, Klimawandel und gesellschaftliche Polarisierung. Die Veranstalter fragen deshalb bewusst provokant: Überfordern die gegenwärtigen Krisen unsere Resilienz – oder sind wir als Gesellschaft inzwischen eher unterfordert?

„Eine rein naturwissenschaftlich orientierte Medizin verpasst den Menschen“, sagt Initiator Dr. Hubertus Rüber, Facharzt für Neurologie und Psychiatrie/Psychotherapie aus Euskirchen. „Deshalb wollen wir Medizin mit Philosophie, Soziologie und gesellschaftlichen Fragen in einen offenen Dialog bringen.“

Diskussion mit Frauke Rostalski und Franziska Geiser in Euskirchen

Zu den Referentinnen gehört die Kölner Rechtswissenschaftlerin und Philosophin Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski, die sich in ihren Veröffentlichungen mit Freiheit, gesellschaftlicher Vulnerabilität und öffentlichem Diskurs beschäftigt. Ihr gegenüber steht mit Prof. Dr. Franziska Geiser die Direktorin der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Uniklinik Bonn, die insbesondere die gesundheitlichen und psychischen Auswirkungen gesellschaftlicher Krisen beleuchten wird.

Dabei soll es nicht bei theoretischen Überlegungen bleiben. Diskutiert werden Fragen nach Eigenverantwortung, Selbstermächtigung und gesellschaftlicher Debattenkultur. Themen wie Triggerwarnungen, Mikroaggressionen oder die Sorge vieler Menschen, ihre Meinung nicht mehr offen äußern zu können, sollen ausdrücklich zur Sprache kommen. Bezug genommen wird dabei unter anderem auf philosophische Konzepte von Jürgen Habermas, ebenso auch auf gesellschaftskritische Autoren wie Pascal Bruckner.

Der Euskirchener Dialog ist ein interdisziplinäres Format

Moderiert wird der Abend von PD Dr. Ulrike Bardt vom Institut für Philosophie der Universität Koblenz. Sie sieht in der Veranstaltung auch einen Beitrag gegen gesellschaftliche Sprachlosigkeit: „Der offene Diskurs ist eine Voraussetzung demokratischer Gesellschaften. Wenn Menschen aus Angst vor Verletzungen oder Konflikten nicht mehr miteinander sprechen, verlieren wir etwas Zentrales.“

Die Euskirchener Dialoge verstehen sich seit ihrer Gründung als bewusst interdisziplinäres Format zwischen Medizin, Philosophie und Gesellschaft. Neu ist diesmal ein stärkerer Fokus auf das Gespräch mit dem Publikum. Nach den Vorträgen soll es ausführlich Raum für Fragen und Diskussionen geben. „Wir möchten ausdrücklich keine Veranstaltung nur für Experten sein“, betont Bardt: „Gerade junge Menschen, Schülerinnen und Schüler oder interessierte Bürger sollen merken, dass diese Fragen ihr eigenes Leben unmittelbar betreffen.“

Schulleiter Michael Mombaur sagt: „Das ist eine herausfordernde, aber auch herausragende Schulveranstaltung.“ Musikalisch eröffnet wird der Abend von Barbara Luke und den „Mary’s Voices“. Im Anschluss besteht Gelegenheit zum informellen Austausch. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.