Aufgrund seiner Beziehungen zum englischen Königshaus wurde der Bankier „Windsor-Cassel“ genannt.
150 aus 150Ernst Cassel war Mitbegründer der GAG

Ernst Cassel. (Archivfoto)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 59. Teil der Serie geht es um den Bankier und Philantropen Ernst Cassel.
Bedeutung
Ernst Cassel absolvierte eine Ausbildung beim Bankhaus Gebr. Eltzbacher. Schon als 16-Jähriger ging er nach England. Nach einem Zwischenstopp in Paris machte er bei der Londoner Bank Bischoffsheim & Goldschmidt Karriere und legte den Grundstock seines später riesigen Vermögens. Als unabhängiger Kapitalgeber finanzierte er ausländische Regierungen, förderte den Eisenbahnbau, betrieb die Gründung der Bank von Ägypten und den Bau des ersten Assuan-Staudamms.
1899 zum Ritter geschlagen, trug er fortan den Titel „Sir“. Cassel, der seinen Vornamen in Ernest änderte, nahm bei seiner Heirat mit Annette Maxwell die britische Staatsangehörigkeit an und konvertierte ihr zuliebe zum Katholizismus, blieb aber seiner jüdischen Herkunft verbunden. Er lernte den britischen Kronprinzen kennen, der als König Edward VII. nach seiner Thronbesteigung 1901 den gebürtigen Kölner zum persönlichen Finanzberater machte.
Der Philanthrop spendete für zahlreiche Einrichtungen, so für Polikliniken in Ägypten, für die Erforschung des Radiums und für Deutsche, die in England in Not gerieten, wie auch umgekehrt. 1913 erhielt er von Kaiser Wilhelm II. den Roter-Adler-Orden I. Klasse mit Brillanten, eine äußerst seltene Auszeichnung.
Ernst Cassel
Geboren: 3. März 1852 in Köln
Gestorben: 21. September 1921 in London
Wirken in Köln
Cassel unterstützte Kölner Einrichtungen, so 1901 mit 300.000 Mark einen Neubau des Israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache. 1913 richtete er mit einer Million Mark eine Stiftung für Ferienkolonien und zur Unterstützung hilfloser Frauen und Kinder ein. Im selben Jahr gab er für die Förderung des Kleinwohnungsbaus eine Zuwendung von 200.000 Mark zur Gründung der Gemeinnützigen Aktiengesellschaft für Wohnungsbau, so dass er neben der Stadt Köln Mitgründer der GAG war. Seine Anteile überführte er in eine gleichnamige Stiftung.
Bemerkenswert
Cassel war Gründer eines Gestüts, das an Derbyrennen teilnahm. Seine Enkelin Edwina Ashley heiratete als „reichste Braut Englands“ 1922 Lord Louis Mountbatten, der 1979 von der IRA ermordet wurde.
Spuren in der Stadt
In Holweide erinnert seit 1994 eine Straße an den Banker. Die Ernst-Cassel-Stiftung vergibt heute jährlich Hilfen an notleidende Mieterinnen und Mieter der GAG.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
