Der Schriftsteller war Teilnehmer der Gruppe 47 und verfasste vor allem Lyrik. Köln ist in seinen Texten dauerpräsent.
150 aus 150Jürgen Becker prägte die Kölner Literaturszene

Der Schriftsteller Jürgen Becker 2022 bei einem Empfang im Kölner Rathaus. (Archivfoto)
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Zum 150. Geburtstag des Kölner Stadt-Anzeiger stellen wir jeden Tag eine bedeutende Kölner Persönlichkeit vor. Im 52. Teil der Serie geht es um den Schriftsteller Jürgen Becker.
Bedeutung
Jürgen Becker war ein bedeutender deutscher Schriftsteller. Die ersten sieben Lebensjahre verbrachte er in Dellbrück, bevor die Familie nach Erfurt umzog. Nach dem Krieg lebte er im Oberbergischen, seit 1950 wieder in Köln. Nach drei Semestern brach er ein Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte ab. Ab 1959 war er freier Mitarbeiter beim WDR und von 1964 bis 1966 Lektor beim Rowohlt-Verlag in Reinbek. Ein Stipendium ermöglichte ihm einen zweijährigen Aufenthalt in Rom.
1973 übernahm Becker für ein Jahr die Leitung des Suhrkamp Theaterverlags in Frankfurt. Danach leitete er bis 1993 die Hörspielredaktion beim Deutschlandfunk. Ab 1960 war Becker Teilnehmer an den Treffen der Gruppe 47, deren Preis er beim letzten Treffen 1967 gewann. 1968 erschien seine erste Erzählung „Felder“. Es folgten weitere Erzählungen, Hörspiele und bis an sein Lebensende Gedichte. Anfangs war er stark von der bildenden Kunst beeinflusst. Sein erstes Buch veröffentlichte er 1960 mit dem Fluxus-Pionier Wolf Vostell.
Mit der Malerin Rango Bohne war er in zweiter Ehe verheiratet, mit ihr publizierte er mehrere Bücher. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, so 2014 den renommierten Georg-Büchner-Preis. Anfangs schrieb er stark experimentell. Landschaften spielten eine wichtige Rolle in seinen Werken. Er nahm Bezug zur Gegenwart und ließ sich durch Alltagserfahrungen stimulieren. Ein Kritiker urteilte: „Jürgen Becker wurde im Laufe seines Werkes immer jünger.“
Jürgen Becker
Geboren: 10. Juni 1932 in Köln
Gestorben: 7. November 2024 in Köln
Wirken in Köln
Seine Heimatstadt spiegelte sich in seinen Werken. Die „Stadt erzählt sich in den Sätzen von mir“ schrieb er 1964. 2009 wählten Literaturhaus Köln und „Kölner Stadt-Anzeiger“ den Roman „Schnee in den Ardennen“ für die Lese-Aktion „Ein Buch für die Stadt“. Zuletzt wohnte er in Brück.
Bemerkenswert
Beckers Sohn aus erster Ehe mit Mare ist der Fotograf Boris Becker. Dieser veröffentlichte 2012 Fotografien, die sein Vater 1972 bei einem New-York-Besuch gemacht hatte. Nach Jahrzehnten fanden sich die Aufnahmen in einem Wäschekorb auf dem Dachboden.
Spuren in der Stadt
1968 erhielt Becker den Literaturpreis der Stadt Köln und 1995 den Heinrich-Böll-Preis für Literatur der Stadt Köln.
Der Autor der 150 Kölner Persönlichkeiten ist Dr. Ulrich S. Soénius. Der Historiker und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln (RWWA) hat als Mitherausgeber des Kölner Personenlexikons (2008) über 630 Biographien für das Standardwerk zur Kölner Geschichte verfasst.
