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Pilgern in NRWDiese Wallfahrtsorte rund um Köln sind einen Ausflug wert

Lesezeit 6 Minuten
Kreuzbergkirche mit Heiliger Stiege in Bonn

Kreuzbergkirche mit Heiliger Stiege in Bonn

Pilgern ist angesagt - nicht nur auf dem Jakobsweg. In NRW gibt es über 50 Wallfahrtsorte. 6 Tipps für einen besinnlichen Ausflug.

Insgesamt 438.323 Menschen aus der ganzen Welt pilgerten 2022 auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Galicien zum angeblichen Grab des Apostels Jakobus. Damit hat der wohl berühmteste Pilgerweg im vergangenen Jahr erneut alle Rekorde gebrochen. 

Auch das Rheinland ist reich an jahrhundertealten Pilgerorten. Über 50 Wallfahrtsorte zählt NRW. Seit Anfang Mai läuft hier die Pilgersaison 2023. Wir haben uns umgesehen und stellen sechs unterschiedliche Wallfahrtsorte vor - von der meistbesuchten Wallfahrtsstadt Kevelaer am Niederrhein bis nach Marienheide im Oberbergischen Land.

Kevelaer, Niederrhein: Zweitgrößter Pilgerort in Deutschland

Mit rund 800.000 Pilgern im Jahr ist Kevelaer der zweitgrößte Marienwallfahrtsort in Deutschland und trägt es sogar im Namen: „Wallfahrtsstadt Kevelaer“.  Ihre Geschichte geht zurück auf den Händler Hendrick Busmann, der Weihnachten 1641 mehrfach eine geheimnisvolle Stimme gehört haben soll, die ihm sagte: „An dieser Stelle sollst du mir ein Kapellchen bauen!“. Und er baute. Ein Jahr später wurde das Bild der Gottesmutter Maria in die Gnadenkapelle eingesetzt. Seitdem pilgern fast eine Million Gläubige jedes Jahr nach Kevelaer, um das Gnadenbild der „Trösterin der Betrübten“ zu sehen. Religiöses Herzstück der Stadt ist der Kapellenplatz mit seiner 1864 fertiggestellten Marienbasilika. Eindrucksvoll neben den prächtigen Malereien im Innenraum die Orgel der Basilika: Mit 135 Registern ist sie die größte deutsch-romantische Orgel der Welt. Die älteste Kirche am Platz ist die Kerzenkapelle, auch die St. Antonius-Kirche ist ein Besuch wert.

Alles zum Thema Wandern in der Region

Sehenswert: Gnadenkapelle, Marienbasilika, Kerzenkapelle und St. Antonius-Kirche in Kevelaer. Direkt am Kapellenplatz gibt es einen kleinen barrierefreien Kreuzweg. Außerdem: Der „Große Kreuzweg“, ein 1874 eingeweihter 1,2 km langer Weg, führt an 15 Kreuzwegstationen vorbei. Die Stadt liegt zudem am Jakobsweg 3, zwischen Rhein und Maas. Beliebt ist aber auch das Radpilgern: Die Radstrecke „Jozef Maria Route“ verbindet das niederländische Dörfchen Smakt mit Kevelaer.

www.wallfahrt-kevelaer.de

Altenberger Dom, Bergisches Land: Himmlischer Ort

Unterwegs auf dem Bergischen Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela in Spanien, machten die Pilger schon im Mittelalter Rast im Kloster Altenberg und besuchten den Reliquienschatz. Seit dem 13. Jahrhundert erhebt sich der Altenberger Dom mit seiner beeindruckenden barocken Klosterpforte majestätisch über Wiesen und Wälder im Tal der Dhünn. Das um 1400 entstandene Westfenster, von dem es heißt, es ist mit achtmal 18 Metern das größte Kirchenfenster nördlich der Alpen, zeigt das himmlische Jerusalem. Über dem Altar hängt eine doppelseitig geschnitzte „Altenberger Madonna“ aus dem Jahr 1530. Der „Bergische Dom“, wie die Kirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Altenberg liebevoll genannt wird, ist auch Grablege der Grafen von Berg, den Namensgebern des Bergischen Landes. Seit 1857 wird er auch von Evangelischen Christen in einem ökumenischen Miteinander genutzt. 

Sehenswert: Altenberger Dom, Eugen-Heinen-Platz 2, 51519 Odenthal. Häufig finden Konzerte im Dom statt. Außerdem gibt es in der Umgebung viele Wanderwege, ob Hexen- oder Denkmalroute, Grafen- und Mönchsweg oder Waldlehrpfad: Wanderer haben die Wahl. Kinder lieben den benachbarten Märchenwald und Wildpark Altenberg.

www.bergisches-wanderland.dewww.altenberg-info.de

Kreuzbergkirche, Bonn: Heilige Stiege

Das vielleicht pompöseste Wallfahrtsziel Deutschlands ist die 1627/1628 erbaute barocke Kreuzbergkirche in Bonn mit samt ihrer berühmten Heiligen Stiege von Balthasar Neumann. Es ist eine Nachbildung der berühmten „Scala Santa“ in Rom, der angeblich vom Palast des Pilatus stammenden Treppe, die Jesus vor seiner Verurteilung hinaufsteigen musste. An Karfreitag und -samstag erklimmen Pilger auf Knien die insgesamt 28 Stufen auf dem Kreuzberg, bis sie den Altar mit Jesus als Erlöser am Kreuz erreichen. Die zweigeschossige Fassade der Heiligen Stiege soll das Haus des römischen Christenverfolgers Pilatus darstellen. Auf dem Balkon über dem Eingang ist die Bibel-Szene dargestellt, in der Pilatus mit Jesus vor das Volk tritt. Der auf einer Anhöhe in der Nähe des Stadtzentrums inmitten eines Parks gelegene Kreuzberg ist ein beliebtes Ausflugsziel - sowohl für Meditation und religiöse Inspiration als auch für kulturellen Austausch. Mehrmals im Jahr finden hier Konzerte statt.

Sehenswert: Kreuzberg Bonn, Stationsweg 21 53127 Bonn, Heilige Stiege ist zu besichtigen von außen, ganzjährig täglich geöffnet 9 - 18 Uhr (Sommer), 9 – 17 Uhr (Winter), von innen nur Karfreitag, Karsamstag und am 14. September zum Patronatsfest

kreuzberg-bonn.de

Kloster Heisterbach, Königswinter: Trost suchen

Als Dank für ihre Genesung von einer doppelten Lungenentzündung pilgerte im Jahr 1921 eine gewisse Gertrud Finette aus Bad Godesberg das erste Mal nach Heisterbacherrott. Sie gilt damit als Begründerin der Wallfahrt in den heutigen Stadtteil von Königswinter. Seither kommen Pilger und Gläubige zur heutigen Wallfahrtskirche in Heisterbacherrott, um vor einem Ölgemälde des Patrons Judas Thaddäus Trost zu suchen. 1977 kamen in der Festoktav (heute Ende Oktober) rund 25.000 Pilger in den kleinen Ort am nördlichen Rand des Siebengebirges, der noch mehr zu bieten hat. Haus Schlesien, ein ehemaliger zisterziensischer Wirtschaftshof, gehört ebenso dazu wie die 1150 erbaute Nikolauskapelle an der Dollendorfer Straße. Zwischen Heisterbacherrot und Oberdollendorf liegt der Publikumsmagnet Kloster Heisterbach mit der berühmten Chorruine

Sehenswert: Klosterruine Heisterbach, Di - So 11.30 - 17.30 Uhr.  St. Judas-Thaddäus-Wallfahrtskirche, Dollendorfer Straße 365, Königswinter, Mo - Fr 9 - 17 Uhr, Sa - So 10 - 17 Uhr. Wanderungen im Naturpark Siebengebirge. Am Parkplatz des Klosters startet eine rund elf Kilometer lange „Rundwanderung Klosterlandschaft“. Haus Schlesien und Nikolauskapelle, Dollendorfer Str. Königswinter.

www.siebengebirge.com, www.abtei-heisterbach.de

Marienbaum, Xanten: „An gen Trappenboom“

Eine Legende und ein Kloster haben den Grundstein für das Dorf Marienbaum gelegt. Heute trägt es als Stadtteil von Xanten den Titel ältester aktiver Wallfahrtsort des Niederrheins. Nachdem um 1430 einem gelähmten Hirten eine Marienfigur in einem Baum begegnet sein soll, der treppenförmig gewachsen war, wurde er wieder gesund. Der Ort wurde fortan als „An gen Trappenboom“ bezeichnet und von Wallfahrern besucht, die sich Heilung versprachen. An gleicher Stelle wurde bald eine Kapelle gebaut, später zum „Marienkloster“ erweitert, bis im Zuge der Säkularisation Gebäude abgerissen oder umgewandelt wurden. Seine Bedeutung als Wallfahrtsort hat Marienbaum bis heute nicht verloren. Das Wallfahrtsmuseum zeigt den Werdegang des Dorfes und des Klosters. Die schöne Lage am Naturschutzgebiet Uedemer Hochwald macht Marienbaum zudem zum beliebten Ausflugsziel: 35 km Wanderwege führen durch den Staatswald. Ein Naturlernpfad informiert Kinder und Erwachsene über heimische Tiere und Pflanzen.

Sehenswert: Wallfahrtskirche St. Mariä Himmelfahrt, Klosterstraße 23, 46509 Xanten, Mo, Do, Fr 8 - 10.30 Uhr, Naturlehrpfad Marienbaum, LVR-Archäologischer Park Xanten ist nur 10 km entfernt.

Marienheide, Oberbergischer Kreis: Ein Bild für 30 Taler

Die über 1000 Jahre alte Heidenstraße, die von Leipzig nach Köln durch das oberbergische Land führt, wurde im Mittelalter von Pilgern auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela genutzt. Hier liegt auch der bis heute bedeutende Pilgerort Marienheide mit seiner um 1470 fertiggestellten Kloster- und Wallfahrtskirche. Die denkmalgeschützte Kirche St. Mariä Heimsuchung ist eine für das Rheinland ungewöhnliche dreischiffige spätgotische Hallenkirche. Innen dominieren drei Altäre von 1700, wovon der Gnadenaltar Heimat des mittelalterlichen Marienbildnisses ist. Der Legende nach soll der Einsiedler Henricus besagtes Heiligenbild, nach einer Vision, für 30 Taler in Köln erstanden haben. Auf dem Heimweg soll sich die Abbildung der Mutter Gottes als Wunder erwiesen haben. Die Nachricht sprach sich schnell herum und die Pilger strömten nach Marienheide. Mehrere Tausend kommen jedes Jahr, die meisten zur Oktav, der Festwoche der Wallfahrt, die alljährlich am ersten Wochenende im Juli stattfindet.

Sehenswert: Klosterkirche Marienheide, Klosterstraße 6. Vom Aussichtsturm auf dem Unnenberg lassen sich bei guter Witterung die Spitzen des Kölner Doms erkennen. Beliebt: Die Brucher- und Lingese-Talsperren. Wanderungen: Bergischer Streifzug #9, Fuhrmannsweg, (Länge 13,5 km), Etappe 6 des Bergischen Panoramasteigs führt von Wipperfürth nach Marienheide (Länge 20,2 km), Etappe 7 führt von Marienheide nach Bergneustadt (Länge 24,6 km)

www.marienheide.de

Waldkapelle Rheinbach

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