„Mord mit Aussicht“-TippeltourWanderung zum Bilderbuchdorf „ Hengasch“

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Der Weg führt an Wäldern und Wiesen vorbei.

Der Weg führt an Wäldern und Wiesen vorbei.

Nach Hengasch wandern? Liebernich! Man würde sich dabei zu leicht, wie man in Hengasch sagt, verfransen. Denn wo soll Hengasch sein, das Eifelörtchen aus der ARD-Kriminalklamotte „Mord mit Aussicht“? Nicht mal das Bundesland ist sicher. Zwar fährt die Polizei mit NRW-Kennzeichen herum, doch ihre vorgesetzte Dienststelle ist Koblenz, Rheinland-Pfalz. Ein Teil der Serie wurde in Liedberg gedreht, fern bei Neuss am Niederrhein. Der Gasthof „Aubach“ steht in Wirklichkeit jenseits des Rheins, selbst das bergische Bilderbuchdorf Kürten-Delling posierte schon als Hengasch.

Anders als Thomas Manns Lübeck ist Hengasch als geistige Lebensform in keinem Atlas aufzufinden, höchstens auf dem Globus des WDR. Eine Ansicht gibt es, immerhin. Kaum hübsch genug für eine Ansichtskarte: das Dorfbild aus dem Vorspann jeder Folge. Um das zu sehen, machen wir uns auf den Weg und staunen gleich zu Anfang: Hengasch hat seit 1867 einen Eisenbahnanschluss! In Scheven, kurz vor dem Tunnel nach Kall, bei Kilometer 49,7.

Halden des Bleibergbaus

Vom kleinen Parkplatz an der Ostseite der Unterführung wandern wir los und folgen dem Kaller Rundweg 1 am grünen Haus 33 entlang auf die Höhe der Trasse. Zur Linken sehen wir die beiden Wartehäuschen an der Bahn. Wir wandern weiter geradeaus, entlang einer Streuobstwiese. Dahinter wird das Land zur Rechten flacher, und wir entdecken über den Äckern die Abraumhalden des Mechernicher Bleibergbaus. Entlang an Feldgehölzen, über Querwege hinweg, kommen wir nach Kalenberg hinab. Gleich bei den ersten Häusern stößt das Zeichen „1“ hier auf die „Westschachtstraße“, wir folgen ihr halblinks, „Am Brotacker“ vorüber und im S-Verlauf hinunter zur Kalksteinkapelle von 1904. Hier beklagt ein großer Stein die Gefallenen und die Vermissten zweier Kriege.

Der Giebel der Kapelle weist uns rechts mit der „1“ durch die „Sternenbergstraße“, vorbei an schönem Fachwerk, aufwärts und zum Ort hinaus, wo der letzte Kalenberger auf der linken Seite alle Latten am Zaun hat, und zwar streng sortiert in den Farben von Borussia Mönchengladbach. Über den Querweg hinweg steigen wir durch die Feldflur bis an den eingezäunten Bereich des „Bergschadensgebiets“, das mit Totenschädeln vor sich selber warnt. Jahrhunderte hindurch, vermutlich seit den Römern bis 1958, wurde hier nach Blei gegraben. Der größte Erz-Zerkleinerungsbetrieb Europas lag in Mechernich. Da wächst kein Gras mehr auf dem kahlen Berg.

Weg „1“ folgt nun halbrechts der Schneise längs des Zauns, auf der Höhe finden wir ein Kreuz, dem der Gekreuzigte entrissen wurde. Noch ein paar Meter durch ein Birkenstück, dann stoßen wir auf einen kiesigen Weg, den wir halblinks und weiter sacht bergauf verfolgen („1“). Die Abraumhalden liegen hinter Feldgehölzen, dann sprießt ein Turmhelm vor uns aus dem Acker, dem alten Turm achteckig aufgesetzt im Jahre 1900: Das ist der Mittelpunkt von Kallmuth, also Hengasch, vor uns in der Senke. Der Weg knickt sacht nach links, wir wandern auf zwei große Windkrafträder zu und erreichen dann an einem Wegedreieck einen Auskunftspunkt zur „Agrippastraße“ mit Kruzifix und Info-Stele neben Birken.

Bild des Vorspanns

Von hier aus steigen wir halbrechts hinab mit „1“ bis an den Ort, hinweg über die Straße, und auf den kleinen Parkplatz oberhalb des Friedhofs an der Mauer. 39 Mal war dies das Bild des Vorspanns: Der Kirchturm und die kleine Fachwerkburg, im Hintergrund der Windpark auf dem Ravelsberg.

Vom echten Radioteleskop bis zum benachbarten Liebeshotel wurde Hengasch/Kallmuth alles nur von „Mord mit Aussicht“ angedichtet. Nur das Fernseh-Polizeirevier folgt weiter unten: Jenseits der Parkfläche geht es mit der „30-km-Zone“ rechts hinunter, scharf rechts mit der „St-Georg-Straße“ durch den Ort, vorüber an der Kirche und unten auf die „Quellenstraße“. Rechts gegenüber erkennen wir das Polizeirevier von Hengasch, das Bürgerhaus, die alte Volksschule von Kallmuth. Doch alles nur tote Fassade. Leben brachten in den Eifelkrimi nur die Typen, Zielonka, „Muschi“, Sophie Haas, sowie der Mord pro Episode. Doch ehe wir uns hinreißen lassen zu glauben, dass in drei Fernseh-Staffeln rund zehn Prozent der Dorfbevölkerung ermordet worden sind, machen wir uns lieber wieder auf den Weg.

Mit der „Quellenstraße“ geht es links, im Schwenk nach rechts vorbei an einem Stück des Römer-Kanals. Auch das Quellwasser von Kallmuth nahm man damals gerne mit nach Köln, seit 1995 erinnert dieser Aufschluss daran. Gleich nach der Biegung folgen wir dem Sträßchen „In der Kumm“ am Briefkasten nach links und wandern mit der „1“ zum Ort hinaus, einen halben Kilometer weit bis an die Straße. Ihr folgen wir im spitzen Winkel rechts nur einen Steinwurf weit, und gehen mit der „Hahnenberger Straße“ im spitzen Winkel links, weiter im Talgrund des Kallmuther Bachs.

An seinem Rand erreichen wir nach rund 200 Metern die steile Treppe, die in der Böschung hinab zur römischen Quellstube „Klausbrunnen“ führt. Sie hat einen neuen Schutzbau erhalten, der dieses Wunderwerk römischer Wasserversorgung gut erkunden lässt. Dann wandern wir weiter, bachwärts, aber sacht bergauf, nun auch mit Weg „8“ und dem Zeichen des Römerkanal-Wanderwegs, auf dem Sockel des Hahnenbergs. Nach knapp 400 Metern knickt der Weg bei einem Hochsitz scharf nach rechts und führt 200 Meter weit ins Seitental hinein. Dort knickt er links, und wir nehmen auf dem Querweg vor uns Abschied vom Zeichen des Römerkanals und der „8“. Rechts steigen wir im Seitental bergan („1“), vorbei an Wald und Unterholz, rund 750 Meter weit im sachten Linksschwenk, bis wir die Höhe und den Windpark erreichen.

Umstrittener Windpark

Mit dem Querweg geht es rechts und 100 Meter weiter schon im spitzen Winkel links, mit dem Zeichen „1“ auf dem Asphaltweg auf die freie Höhe. Das ist der Königsfelder Mönchsacker mit dem umstrittenen Windpark „Ravelsberg“, zu dem derzeit 14 blütenweiße Räder gehören, die den Eifelwind geräuschvoll mahlen. 300 Meter nach dem Waldrand schwenkt der asphaltierte Weg ganz sacht nach rechts. Gut 50 Meter weiter verlassen wir dann den markierten Rundweg und steigen rechts, nur anfangs auf Asphalt, dem nahen Horizont entgegen, vorüber an der höchsten Höhe des Ravelsbergs, bis wir auf den letzten Querweg stoßen. Das Mechernicher Tagebaugebiet liegt gut zu überblicken gegenüber.

Jetzt wenden wir uns links hinab, vorbei am Windrad „SW 46047“, am nahen Wegedreieck dann halbrechts und durch den Streifen Kiefernwald, vorbei an Islandponys und einer Handvoll Schafe. Neugierig traben sie heran und schauen uns leutselig an. So geht es weiter geradeaus, am Gittermast vorüber, über die Kreisstraße hinweg und mit dem „Annaweg“ schnurgeradeaus nach Dottel. Knapp 100 Meter weiter folgen wir der „Schevener Straße“ nach links, bis wir mit dem „Antoniusweg“ wieder das Zeichen des Römerkanals und unser Wanderzeichen „1“ entdecken.

Von der schönen alten Kirche geht es mit der „Lindenstraße“ weiter in Verlängerung des „Antoniuswegs“, mit dem Zeichen „1“ rechts um das schöne weiße Herrenhaus 16 mit Walmdach herum, dahinter links, vorüber an Haus 15 und auf den Wald zu. Neben der breiten grünen Eisenschranke folgen wir dem Zeichen „1“ schnurstracks im Birkenwald hinab.

Unten passieren wir zwischen zwei Linden im Wald ein kleines Kruzifix. Dann folgen wir der kleinen Kreisstraße halblinks, durch das Grünland hinab, 400 Meter weit. Dann folgen wir dem für Verkehr gesperrten Querweg nach rechts, vorbei an einem Kreuz von 1850, und mit der Bahntrasse zurück zum Ausgangspunkt.

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