Gute Weinauswahl, großes Angebot und kreative Speisen erwarten Gäste in „Karl's Weinbar“ in Ehrenfeld.
Henns GeschmackssacheWas „Karl's Weinbar“ in Ehrenfeld auf der Speisekarte bietet

„Karl's Weinbar“ in Ehrenfeld hat eine kreative und gut zusammengestellte Wein-Karte. Zudem sitzt man sehr schön.
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Es ist eine Krux mit der Erwartungshaltung. Trüge diese Gastronomie einen Namen wie „Karls Bistro“ oder „Kalles Pinte“, wäre sie eine völlig andere. Aber sie nennt sich eben Weinbar. Die Weinkarte selbst erfüllt die Erwartungshaltung an eine solche. Zwölf offene Weine zwischen 5 und 7 Euro (0,1 l) plus zwei Champagner stehen darauf. Darunter Ungewöhnliches wie Nico Espenschieds naturtrüber Manzoni Bianco oder Klassisches wie die Crianza Letargo der Bodegas Mateos. Zu jedem Tropfen gibt es eine kurze Beschreibung – aber keinen Jahrgang. Gleiches bei den über 80 Flaschenweinen – nach Rebsorten sortiert und eingeteilt in „Best Basics“, „Mid-Class Baby“ und „Distinguished Choice“.
Die Auswahl ist kreativ und klug zusammengestellt, die Preise gehen von 32 Euro bis 490 Euro. Bei sehr teuren Tropfen wäre der Jahrgang natürlich extrem relevant. Die Gläser sind okay, das Problem ist die Weinberatung und das Weinannoncieren. Kein Wort beim Einschenken zu Winzer, Wein und Jahrgang, kein Hinweis, dass der gewählte Wein zu einigen Speisen nicht ideal passt, keine Empfehlung. In einem normalen Bistro völlig okay, wer sich jedoch Weinbar nennt, der sollte Wein anders leben.

In „Karl's Weinbar“ gibt es eine echte Speisekarte statt nur ein paar Kleinigkeiten zum Wein.
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Aber das „Karl’s“ hat etwas – und das ist die Besonderheit, wegen der ich es überhaupt getestet habe –, dass fast allen anderen Weinbars Kölns fehlt: eine nennenswerte Speisekarte, statt nur ein paar Kleinigkeiten zum Wein oder Flammkuchen. Und das sogar von mittags bis abends.
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Große Auswahl und Schnitzeltag dienstags
Wem einige Speisen bekannt vorkommen sollten: die Karte des Schwesterrestaurants „Marx & Schneider“ auf der Mittelstraße in der Innenstadt (wegen der Inhaber Alexander Marx und André Schneider) ist ähnlich aufgebaut. Gut 20 Gerichte gibt es, dienstags ist die Auswahl sogar noch größer, dann ist nämlich Schnitzeltag. Donnerstags sind Chicken Wings das Special.

Betreiber Alexander Marx ist auch beim „Marx & Schneider“ in der Kölner Innenstadt dabei.
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Los geht es mit überzeugendem Traditionsbrot mit Salzbutter, sowie hausgemachten, wunderbar knusprigen Smoked-Paprika-Chips samt Dips, bei denen schon der Stil der Küche deutlich wird: eine starke Würzung, die den Eigengeschmack der Zutaten – in diesem Fall Kartoffeln – nicht unterstützt, sondern in den Hintergrund treten lässt. Auch bei den knusprig frittierten Steakhouse-Fries, die mit Trüffelcreme auf den Tisch kommen, ist das der Fall. Nuancierter geht die Küche bei den zwei gebratenen Riesengarnelen zu Werke, die von einem fruchtig ausbalancierten Avocado-Mango-Ragout begleitet werden. Die Schärfe ist pikant abgeschmeckt und zwei kleine Kroepoek sorgen für etwas Crunch. Einzig der Preis von 19 Euro scheint hier etwas zu selbstbewusst.
Maishähnchen mau, Aubergine punktet
Beim zu dunkel und dadurch trocken gebratenen kleinen Stück Maishähnchen stimmt das Mengenverhältnis zum stark gewürzten mediterranen Kartoffelpüree nicht, das den Teller dominiert. Dazu gibt es ein paar kleine, süßliche Möhren mit Biss, eine scharfe Chili- und eine süßliche Rotweinsauce, die starke Akzente setzen. Mit mehr Finetuning wäre das ein schlüssiges Gericht. Auch der Kabeljau hat viel Hitze abbekommen und gerät dadurch zu trocken, auch bei ihm weist das kräuterige Püree zu wenig Kartoffelgeschmack auf, und ist zudem hart am Salz. Das aromatische Schnittlauchöl sorgt für angenehm frische Noten.

Schön zum Kabeljau: Das aromatische Schnittlauchöl sorgt für angenehm frische Noten.
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Auf der Habenseite macht die geschmorte Aubergine mit Tomatenragout, Pinienkernen und Croutons Spaß, hier geht die mutige Würzung auf. Und – falls man Trüffelcreme im Gegensatz zu mir schätzt – auch das Rindercarpaccio mit Tagliatelle und gehobeltem Parmesan.
Himbersorbet und Schokoladeneis - Desserts gibt es im Baukasten-Prinzip
Desserts gibt es nur zwei (außerdem einen Käseteller und Pralinen), die dem Baukasten-Prinzip folgend Eis mit Beeren und Crumble kombinieren. In einer Variante sind es – zu trockene – Browniewürfel mit weißem Schokoladeneis. In einer anderen Himbeersorbet mit Schokoladeneis. Die Produktqualität stimmt, auch die Süße bleibt im Rahmen, heutzutage keine Selbstverständlichkeit.

Bei den Desserts stimmt die Produktqualität.
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Der Service ist freundlich, wirkt allerdings ein wenig überfordert. Es dauert zu lange mit Bestellaufnahme und Bezahlung - bei einer Kraft für alle Gäste aber verständlich. In den ehemaligen Räumlichkeiten der Edel-Burger-Braterei Karl Hermann‘s sitzt man schön, bezahlt werden kann ausschließlich mit Karte.
Fazit: Zumeist routinierte Küche mit Hang zu starker Würzung, schöne Weinkarte.
Bewertung 3 von 6
Karls Weinbar, Venloer Str. 538, 50825 Köln, Tel. 0221-53409674, geöffnet Di-Sa 12-23 Uhr Küche bis 21 Uhr), karls-weinbar.de
Henns Auswahl
Selbstgemachte Kartoffelchips 9 Euro
Steakhousefries & Trüffelcreme 9 Euro
Riesengarnele & Avocado 19 Euro
Aubergine & Tomate 21 Euro
Kabeljau 32 Euro
Maishähnchen 29 Euro
Carpaccio & Tagliatelle 26 Euro
Geschmorte Aubergine & Tomatenragout 21 Euro
Himbeersorbet & belgische Schokolade 14 Euro
Weißes Schokoladeneis & Brownie 14 Euro


