Wann die Ehrenfelder Heliosschule fertig wird, ist wieder unklar. Der Neubau wird zur Odyssee – und die Kosten steigen immer weiter.
„Dauer-Katastrophe“Eltern über Trennung von Architekten der Heliosschule entsetzt

Die Baustelle für die neuen Gebäude der Heliosschule in Ehrenfeld im Februar 2026.
Copyright: Arton Krasniqi
Eine „Dauer-Katastrophe“ nennt Mutter Inga Sondermann den nicht fertig werdenden Bau der Heliosschule. Eigentlich sollen ihre drei Söhne, einer in der Grundschule, einer in der Mittelstufe und einer in der Oberstufe, alle in einem Gebäude auf dem ehemaligen Heliosgelände in Ehrenfeld lernen, wir berichteten. Doch die Schule ist seit 2015 in zig Interims in der Stadt verteilt. Nach diversen Verzögerungen (siehe Infokasten) ist seit Freitag, 13. Februar, wieder ungewiss, wann die Heliosschule in ihren Neubau zusammenziehen kann. Sondermann ist „entsetzt“.
An jenem Freitagnachmittag hatte die Stadt überraschend mitgeteilt, sich kurz vor Fertigstellung von dem Architekturbüro Schilling getrennt zu haben, dessen Entwurf 2015 den Wettbewerb für den Neubau gewann und ihn seither eng begleitete. Das Büro gilt als erfahren im Schulbau.
Einen Wechsel in der Bauleitung zu diesem Zeitpunkt ordnet der Düsseldorfer Architekt Harald Wennemar als „ungewöhnlich“ ein. Wennemar leitet ein eigenes Architekturbüro in Düsseldorf und für die Architektenkammer NRW den Ausschuss „Wettbewerb und Vergabe“.
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Termin für Einzug in Neubau der Heliosschule ungewiss
Welche Auswirkungen das auf den Zeitplan und die Kosten hat, teilte die Stadt bislang nicht mit. Auf eine Nachfrage von Freitag, antwortete eine Sprecherin am Dienstag: „Die Überprüfung des Termin- und Kostenplans ist Teil der Neuausrichtung und wird erst Anfang des zweiten Quartals 2026 abgeschlossen werden.“
Das heißt: Diesen Sommer kann die Stadt erst mitteilen, ob der zuletzt kommunizierte Termin der Fertigstellung, das erste Quartal 2027, gehalten wird. Schon seit September – als die Stadt den Einzug zuletzt verschoben hatte – steht fest, dass der erste Helios-Jahrgang, zu dem Sondermanns ältester Sohn zählt, bis zum Abitur nie Unterricht im Neubau erlebt haben wird.
Das Architekturbüro Schilling will sich auf Anfrage nicht zum Helios-Projekt äußern. Laut Stadt war die Trennung einvernehmlich. Es hätte noch die Leistungsphasen acht und neun absolvieren sollen, teilte die Stadtsprecherin auf Nachfrage mit, „sowie seine eigene Planung aus der Leistungsphase 5 nachbessern müssen.“ Es hätte noch die Ausschreibung und Vergabe noch offener Bauleistungen von dem Büro angestoßen und abgewickelt werden sollen.
Experte Wennemar erklärt: Solch ein Bauprojekt ist in neun Leistungsphasen geteilt, zwischen manchen ein Wechsel der Bauleitung durchaus üblich ist. Zum Beispiel nach der Einreichung des Bauantrages (Phase vier) oder auch nach den Vergaben der Aufgaben (Phase sieben), Wennemar sagt: „Für eine Übergabe muss es eine saubere Schnittstelle geben. Diese Schnittstelle können Sie in einer laufenden Leistungsphase kaum erbringen.“
Bei der Heliosschule ist allerdings davon auszugehen, dass sie schon in der Bauphase acht steckt, denn sie steht zu einem Großteil bereits. Die Phase acht stellt üblicherweise ein Drittel des Gesamthonorars dar, sie umfasst vor allem die Bauüberwachung. „Mitten in so einem Prozess zu sagen, wir wechseln die Bauleitung, ist ungewöhnlich“, sagt er. „Die Gefahr der Verzögerung besteht durchaus, aber der Schritt heißt nicht zwingend, dass es jetzt länger dauert“, sagt Wennemar.
Schüler lernen weiter an drei Übergangsstandorten
Sondermann steht erneut vor Ungewissheit: „Wir sind im Regen stehen gelassen worden – schon wieder.“ Sie spricht von großen Fragezeichen, die sie habe: „Wann ist endlich die Fahrerei für uns Eltern vorbei? Wann sind die Geschwister endlich alle auf einer Schule? Was bedeutet das für die Familien?“
Die derzeitigen drei Schulstandorte liegen jeweils fünfeinhalb bis sieben Kilometer von voneinander entfernt: Die Grundschule in der Sülzer Kaisersescher Straße 5, die Gesamtschule sowohl Am Wassermann 33 in Vogelsang als auch in der mit dem Fahrrad 20 Minuten entfernten Overbeckstraße 71 in Ehrenfeld. Dabei ist das gemeinsame Lernen eigentlich zentraler Teil des Schulkonzepts.
Die von Schülern, Lehrern und Eltern gegründete Initiative „Heliosschule jetzt“ hatte schon im November gesagt, „so kann es nicht weitergehen“, und vor allem die Kommunikationsweise der Stadt bei einer Demonstration vor dem Rathaus angeprangert: Die Schulgemeinschaft erwarte von „endlich Verlässlichkeit, Transparenz und gesunde Lernräume“. Anne Kesting, Schulpflegschaftsvorsitzende, zeigt sich jetzt „enttäuscht“: „Es war wieder so, dass nicht mit uns gesprochen wurde.“
Einer der Initiativensprecher, Veter Tjark Sauer, sagt: „Die Schülerinnen und Lehrer leiden darunter, wenn man Unterricht in angemieteten Räumen oder Containern machen muss, die nicht dafür geeignet sind.“ Die Grundschulkinder lernen zum Teil in Containern, deren Zustand die Eltern über die Jahre immer wieder bemängelt haben. Sauer spricht nun wie Sondermann auch von „Fragezeichen“, sein größtes lautet: „Was bedeutet die Kündigung für das pädagogische Konzept?“
Helios-Schulleitungen kritisieren Stadt Köln
Die Schulleitungen äußerten ebenfalls die Sorge, dass die vor zehn Jahren als „Leuchtturm“ und Vorzeigeprojekt gestartete Heliosschule wegen der zahlreichen Verzögerungen und Firmenwechsel auf der Baustelle der Stadt Köln an Qualität verliert. Die Schule sollte ursprünglich neue Maßstäbe im Lernen und Lehren setzen.
In einer gemeinsamen Mitteilung schreiben die Grundschulleiterin Marion Hensel, der Gesamtschulleiter Andreas Niessen, die Geschäftsführerin von „Perspektive Bildung“ Hildegard Schürmann, und der Wissenschaftliche Leiter und Uni-Professor Matthias Martens: „Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Architekturbüros Schilling standen wir über Jahre hinweg in engem fachlichen Austausch.“
Dadurch sei ein „profundes gegenseitiges Verständnis“ gewachsen, im Hinblick auf das Zusammenwirken der Bedingungen eines Schulgebäudes mit offenen Lernlandschaften einerseits und der pädagogischen Konzeption einer inklusiven, innovativen Schule andererseits. „Insofern bedauern wir es sehr, dass die Zusammenarbeit mit dem Büro Schilling nicht fortgeführt werden kann.“ Offene Kritik an der Stadt ist für Schulleitungen qua ihres Postens selten. Sie erwarten nun, dass es zu „keiner weiteren Verzögerung“ und „keinerlei Qualitätsverlust“ komme.
Das Büro Schilling soll dem Vernehmen nach kurz davor gestanden haben, wegen seiner tiefen Kenntnis der pädagogischen Ansprüche, auch an der Möblierung der Schule beteiligt zu werden. Die Stadtsprecherin teilte mit: „Die Möblierung liegt in einer anderen Zuständigkeit. Jedoch gab es ein Nachtragsangebot, um bei der Möblierungsplanung zu unterstützen. Dieses wurde aber nicht beauftragt. Die Verwaltung wird hier nun mit dem neuen Büro ein Vorgehen abstimmen.“

