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Protest gegen LeerstandAktivisten grillen Fischstäbchen vor unbewohntem Haus in Köln-Ehrenfeld

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Eine Gruppe Menschen steht vor einem Haus mit beschmierter Fassade.

Auf einen anhaltenden Leerstand wollten Kalle Gerigk (3.v.l.) und einige seiner Mitstreiter in Ehrenfeld aufmerksam machen.

Der in Köln als Mietrebell bekannte Aktivist Kalle Gerigk rief zu einer Aktion in die Glasstraße 6. Das Haus an dieser Adresse steht seit Jahren leer. 

Kalle Gerigk hantiert mit der hölzernen Imbiss-Zange vor dem Gaskocher auf der Fensterbank und lädt seine Mitstreiter ein: „Jetzt essen wir erstmal, danach machen wir Rabatz.“ Passend zum Graffiti-Spruch über dem Erdgeschoss-Fenster des Hauses Glasstraße 6: „Miethaie zu Fischstäbchen“ brutzeln im Topf einige der panierten Stäbe, allerdings in einer veganen Version. Die Aktivisten haben sie mitgebracht, um ihrer symbolischen Besetzung des Hauses Nachdruck zu verleihen, um der Idee von Wohnlichkeit – „Heim und Herd“ – Ausdruck zu verleihen.

Es ist wahrlich nicht die erste Aktion vor diesem Haus, das seit mindestens 2008 nicht mehr bewohnt ist. Eine große Tafel mit der Überschrift „Leerstand beenden“, die Gerigk bereits mit Hilfe eines Akku-Schraubers an die Außenwand gedübelt hat, weist auf die Misere hin. Sie informiert darüber, dass die Stadt trotz grassierenden Wohnungsmangels und Obdachlosigkeit keine Möglichkeit sieht, auf die Eigentümer Druck auszuüben.

Zerstrittene Erbengemeinschaft ist schuld an Leerstand in Ehrenfeld

Denn die sind noch nicht mal alle bekannt, es handelt sich um eine Erbengemeinschaft, die untereinander offensichtlich stark zerstritten ist. Und der Leerstand genießt hier gewissermaßen Bestandsschutz, weil die Kölner Wohnraumschutzsatzung zwar der Verwaltung erlaubt, gegen Eigentümer vorzugehen, die ihre Wohnungen länger als drei Monate unvermietet lassen. Doch gilt das nur für Wohnungen, die bei Inkrafttreten der Satzung im Jahre 2014 noch bewohnt waren.

„Verstehe ich nicht: Wohnen ist doch ein Menschenrecht, das sollte über dem Verwaltungsrecht stehen“, kommentiert einer der Anwesenden den Missstand. „Weitere zehn Jahre Leerstand in der Glasstraße 6 akzeptieren wir nicht, wir werden uns darum kümmern“, kündigt Kalle Gerigk an. Mit der erneuten Aktion soll Öffentlichkeit hergestellt und auf den Skandal aufmerksam gemacht werden. Sogar ein Kamerateam von Spiegel TV ist heute dabei, man dreht einen Film über Mietrebell Gerigk.

Unbewohntes Haus in Köln-Ehrenfeld

Der hat das Haus schon betreten, Fotos in verschiedenen Stockwerken gemacht: „Damit können wir belegen, dass das Haus noch intakt ist, die Treppen sind in Ordnung, massenhaft Schimmel gibt‘s auch nicht“, erzählt er. „Es müsste natürlich gründlich renoviert werden, aber dann könnten Familien einziehen.“ Nun steht er an einem Fenster im ersten Stock und fordert die übrigen Aktivisten auf, gemeinsam „En unserem Veedel“ anzustimmen. Das ist Tradition bei solchen Aktionen, außerdem soll es die Polizei anlocken. Sein Megaphon muss Gerigk dafür nicht anwerfen, in der engen Straße hallt der Gesang gewaltig.

Ein Kamerateam filmt eine Menschengruppe, die sich vor einem Haus versammelt hat.

Ein Team von Spiegel TV filmt die Aktion von „Mietrebell“ Kalle Gerigk, der den Spruch „Miethaie zu Fischstäbchen“ wörtlich nimmt.

Doch die Polizei lässt sich nicht blicken. „Schade, ich hab‘ sie gern dabei, man kennt sich auch schon“, sagt er. Er habe auf eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs gehofft. Zu „Bruch“ ist zwar nichts gegangen, weil die Haustür offenstand - vermutlich Obdachlose, die hier im Winter Zuflucht suchen, erklärt Gerigk. Doch bei Hausfriedensbruch handelt es sich um ein Delikt, das auf Wunsch des Eigentümers zur Anzeige gebracht und verfolgt werden kann: „Wenn die mich vor Gericht zerren würden, bestünde wenigstens die Möglichkeit, dass man einen der Erben mal sieht und zur Rede stellen kann“, erklärt Kalle Gerigk.