Hoffnung, Mut und Widerstand: Das vierte Musikfestival „Houbara – Resonanzen Iran“ feiert im Kölner Stadtgarten die reiche iranische Gegenwartskultur.
Festival für iranische Gegenwartsmusik in KölnDie Hoffnung auf Freiheit lebt

Musikerinnen des Ensembles Chakâm verbinden klassisches Musikerbe und moderne Improvisation
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Die achtjährige Mana bereitet sich auf ihren Tanzauftritt vor. Ihr Körper ist vollständig in einem schwarzen Anzug verborgen, nur ihr vorfreudig konzentriertes Gesicht schaut heraus. Zufällig hört das Mädchen, dass es Männern verboten wurde, der Tanzaufführung beizuwohnen. Auf der Bühne zögert Mana – und läuft hinaus ins Freie, um dort vor ihrem Vater und den anderen Wartenden zu tanzen. Die übrigen Kinder folgen ihrem Beispiel, Mütter und Väter kommen hinzu, lächeln zustimmend, spenden Beifall.
Nur elf Minuten benötigt der iranische Kurzfilm „Ballerina“ (2024), um aus der Entscheidung eines selbstbewussten Kindes die bewegende Geschichte eines zivilen Ungehorsams zu entwickeln, die sich gegen gesellschaftliche Einschränkungen der Kunst ausspricht und zugleich die Meinungsfreiheit von Frauen einfordert. Ihr Film, so das Regie-Tandem Farima Khalili und Soheil Babaei, sei das Dokument einer neuen Generation, die sich „befreien will und ihre künstlerische Freiheit neu definieren möchte. Durch ihre Arbeit wehren sich diese jungen Künstler gegen den Status quo und streben nach einer offeneren und inklusiveren Zukunft.“
Für eine offenere Zukunft
„Ballerina“ ist Teil des Kurzfilmprogramms des Musikfestivals „Houbara – Resonanzen Iran“ und ergänzt in seiner gestalterischen Schönheit sowie in seiner politischen Wirkkraft die Ziele des Festivals auf kongeniale Weise. Im Mittelpunkt des vorzüglich kuratierten Programms stehen neben den Kurzfilmen sowie einer Podiumsdiskussion vor allem sechs Konzerte mit zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern, die in ihrer Musik Traditionen, Genres und gegenwärtige Ausdrucksformen vereinen und bewegende Einblicke in die iranische Gesellschaft und Kultur geben. Dabei steht die herausragende Qualität der faszinierenden Musik ganz für sich – und nährt zugleich doch auch den Wunsch, dass die Hoffnung auf Freiheit im Iran trotz aller gegenwärtigen politischen Signale noch nicht zerstört ist.
Es ist von größter Dringlichkeit, aktuellen zeitgenössischen Stimmen aus der Region eine Plattform zu bieten.
Ziel der Festival-Kuratorinnen Sophie Emilie Beha und Mona Matbou Riahi ist es, das maßgebliche Erbe iranischer und kurdischer Kultur und Kunst zu würdigen: „Angesichts des aktuellen zerstörerischen regionalen Krieges sowie der brutalen Repressionen und der Internetsperre durch das iranische Regime ist es von größter Dringlichkeit, aktuellen zeitgenössischen Stimmen aus der Region eine Plattform zu bieten.“ Mit seiner vierten Ausgabe präsentiert „Houbara“ diesmal vorrangig Facetten der iranischen Musikkultur, die mit Fantasie und Kreativität Genregrenzen sprengen und auf die Bedingungen einzuwirken versuchen, unter denen die Musik entstand.
Faszinierende Klangsprachen
Dabei kreieren die Musizierenden grundverschiedene, auf ihre jeweils eigene Art und Weise stets neu faszinierende Klangsprachen und Texturen. Während das Kölner Quater Ensemble zeitgenössische Kompositionen iranischer Studierender aus Teheran zur Aufführung bringt, verbinden die vier Musikerinnen des Ensembles Chakâm klassisches Musikerbe und moderne Improvisation, indem sie subtil geformte Gesangsstimmen in Einklang mit der besonderen Wirkkraft ihrer Instrumente Târ, Qanun, Oud und Viola da Gamba bringen. Die Pianistin, Komponistin und Dichterin Arefeh Hekmatpanah erschafft gemeinsam mit dem niederländischen Trompeter und Klangkünstler Marco Blaauw einen kunstvoll-experimentellen Klangraum, während die charismatische Oud-Spielerin, Sängerin und Komponistin Avin Ahmadi mit betörend poetischen Songs in eine eher intim-persönliche Klangwelt entführt.
Temperamentvoll und mitreißend energiegeladen bringt das iranisch-österreichische Ensemble Kurdophone alte kurdische Melodien und zeitgenössische westliche Einflüsse in Einklang. Ein besonderes Highlight ist das Quintett der Sängerin und Violinistin Delaram Kafashzadeh, die einst als Mitglied des Teheraner Jugendorchesters und des Iranischen Philharmonischen Chors auftrat und seitdem mit weltweit bekannten iranischen Musikerinnen und Musikern spielt. Darunter auch der Bassist und stilistische Alleskönner Arin Keshishi, der nun fürs Delaram Kafashzadeh Quintett stilsicher Tradition und Jazz fusioniert.
„Houbara – Resonanzen Iran.“ 30.5. ab 19 Uhr, 31.5., ab 16 Uhr, Stadtgarten Köln.
