Ein bürgerlicher Fels in der Prosecco-Brandung: Was das Haus Schwan in Lindenthal zu etwas besonderem macht.
Schmeckt’s Frau Floß?Muscheln und Gänse beim Schwan – Ein Haus für kölsche Traditionsküche

Ehepaar Uwe Schulte und Edita Brulic sind die Betreiber des Haus Schwan. Noch fehlen die Gäste, aber zu reservieren ist hier immer ratsam.
Copyright: Dirk Borm
Ein Lokal, das Haus Schwan heißt, hat mich schon halb. Der Name klingt nach Holzvertäfelung und Bleiglasfenstern, nach Frühschoppen und Sonntagsbraten, nach Konfirmationskaffee und Feierabendbier. Retro, aber mit Glanz. Ich habe eine Schwäche für derlei Traditionshäuser. In Lindenthal ist das Haus Schwan seit knapp 25 Jahren eine feste Größe. Ein bürgerlicher Fels in der Prosecco-Brandung. 2015 wäre es beinahe vorbei gewesen. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ verkündete bereits die Schließung, ein kurzentschlossener Pächterwechsel hielt den Schwan am Leben.
In Köln besteht immer die Gefahr, in solchen Läden auf einen Köbes zu treffen, so'n „richtigen“ Köbes. Eine miesepetrige Servicekraft, die augenrollend die Bestellung aufnimmt und mit ebenso genervtem Seufzen kredenzt. Mir wird die Abkulterei dieser Misanthropie niemals einleuchten und es ist für mich immer eher ein Grund, dem Laden fernzubleiben. Im Haus Schwan steht glücklicherweise kein „richtiger“ Köbes. Der Service braucht einen kurzen Moment, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Für die Beurteilung dessen reicht ein Blick auf die Kräfteverhältnisse: Wie viele Menschen betreuen hier gerade wie viele Hungrige? Bei unserem Eintreffen war der Gastraum bis auf den letzten Platz belegt, das Personal im Sprintmodus und dennoch sehr bemüht und aufmerksam.

Reibekuchen Kölsche Art - von der umfangreichen Speisekarte
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Die Speisekarte ist ziemlich umfangreich. Im Vordergrund stehen traditionelle Kölner beziehungsweise Rheinische Gerichte wie Reibekuchen, Himmel und Ääd und Sauerbraten. Dazu kommen deftige Wirtshaus-Klassiker wie Roastbeef und Tafelspitzsülze mit Bratkartoffeln und Remoulade, Speckpfannkuchen, Matjes, Backfisch mit Kartoffelsalat, geschmorte Rinderrouladen und eine Schnitzelkarte. Für die Veggies gibt’s Kartoffelklöße mit Pilzragout oder gebackenen Kürbis mit Burrata.
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Brust oder Keule? Die Entscheidung wird nicht am Tisch getroffen
Wir sind mitten in der Weihnachtsfeier-Gänsezeit und das Haus Schwan ist für beides bekannt. Auf der Karte steht Gänsebraten aus dem Ofen - Brust oder Keule. Ich wäre gerne gefragt worden, welches Teilstück es denn sein darf und habe den halben Abend gerätselt, wer diese Entscheidung trifft, damit die Küche am Ende nicht auf 25 Keulen sitzen bleibt. Auf meinem Teller landete eine solche und die war wirklich wahnsinnig kross, einen Hauch zu trocken, aber darüber tröstet das üppige Beilagenaufgebot: Apfelrotkohl, zwei Kartoffelklöße, ein großer gefüllter Bratapfel, Portweinmaronen und ein zusätzliches Kännchen mit Bratensauce. Mit vereinten Kräften wurde dieser winterliche Teller geleert.

Muschelzeit im Haus Schwan
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Im Haus Schwan ist aktuell nicht nur Gänsezeit, sondern auch Muschelsaison. Die umfasst die Wintermonate mit R, das besagt zumindest die Tradition. In Lindenthal stehen vier Varianten zur Auswahl: Rheinisch, belgisch, italienisch und mit Shrimps und Anis-Sahnesauce. Die Belgischen werden in einem Wurzelgemüse-Weißweinsud gegart und mit knusprigen Pommes und Aioli serviert. Das ist ein Gericht, dass ich ganz locker einmal die Woche essen könnte. Die Muscheln sind herrlich saftig und fleischig. Der Sud schmeckt nach Kräutern, Meer, Sellerie und Lauch. Das alleine wäre schon eine fabelhafte Mahlzeit. Die goldenen Pommes machen die Sache noch ein kleines bisschen besser.

Die Belgischen Muscheln werden in einem Wurzelgemüse-Weißweinsud gegart und mit knusprigen Pommes und Aioli serviert.
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Der sensorische Kontrast zur Roulade könnte nicht größer sein. Während die Muscheln zart nach Küste und Weißwein duften, rummst der Rinderwickel mit Speck, Senf, Essiggurken und dunkel glänzender Bratensauce. Die Roulade ist vorbildlich gewickelt, könnte etwas zarter sein. Das süß-säuerliche Rotkraut ist ein sehr guter Gegenspieler zu den herzhaften Komponenten und das Kartoffelpüree rundet die Sache ab. Die Liste der Gerichte, die ich im Haus Schwan probieren möchte, ist noch lang. Von Blutwurst bis Bratapfel, von Wildragout bis Palatschinken. Da hilft nur telefonisch reservieren, sowohl mittags als auch abends, als auch unter der Woche. Der Schwan lebt.
Fazit: Deftige Kölsche Wirtshausküche, aufmerksamer Service // 4 Dreiecke
Haus Schwan, Dürener Straße 235, 50931 Köln, Öffnungszeiten: Di-So ab 12 Uhr + Mo ab 16 Uhr, Telefon: 0221/57024415
Meine Auswahl:
Gänsebraten aus dem Ofen // Brust oder Keule mit Apfelrotkohl, Kartoffelklößen, Portweinmaronen, Bratapfel und Sauce // 39,90 Euro
Miesmuscheln „Belgische Art“ mit Pommes und Aioli // 28,90 Euro
Reibekuchen „Kölsche Art“ // 2 oder 4 Reibekuchen mit Blutwurst, Röstzwiebeln und Apfelkompott // kleine Portion 11,90 Euro, große Portion 18,90 Euro
Kartoffelklöße mit Pilzragout und Blattsalat // 17,90 Euro
Rinderroulade mit Rotweinsauce, Apfelrotkohl und Kartoffelpüree // 24,90 Euro


