Während der Wanderungszeit der Kröten, Frösche und Molche sammeln Helfer die Tiere ein, um sie sicher in ihrem Laichgewässer wieder freizulassen.
NaturschutzSo aktiv sind die ehrenamtlichen Schutzengel von hunderten Amphibien in Frechen

Oft tragen die deutlich größeren Weibchen (hier Erdkröten) schon ein Männchen auf dem Rücken, dass sich mit speziellen Brunstschwielen an den Vorderfüßen festklammert.
Copyright: Christine Jürgensen
Zehn Grad, in der Nacht etwas Regen – ideales Krötenwetter. Entsprechend gut gefüllt waren am Samstagmorgen (28. Februar) die Eimer entlang des Amphibienzauns an der Dürener Straße (L277) in Frechen-Benzelrath. Und wie an jeden Tag während der sechs- bis achtwöchigen Wanderungszeit der Kröten, Frösche und Molche sammelten die Mitglieder und Unterstützer des Nabu Rhein-Erft die Tiere ein, um sie sicher auf der anderen Straßenseite in ihrem Laichgewässer, dem Salzweiher, wieder freizulassen.
„Amphibien sind unheimlich wichtig für das Gleichgewicht der Natur“, betont Wenke Trommer. Gemeinsam mit ihrem Mann Stefan Gabriel gründete sie vor gut 20 Jahren die Amphibien- und Reptiliengruppe Rhein-Erft, die inzwischen Teil des Nabus ist. „Ich fand es schlimm, morgens zur Arbeit zu fahren und die vielen toten Tiere auf der Straße zu sehen, die in der Nacht überfahren wurden“, erklärt die Naturschützerin ihre Motivation, sich für die eher unauffälligen Tiere einzusetzen.
Frechen: Ohne die Rettungsaktion würden rund 90 Prozent der Amphibien auf ihrer Wanderung sterben
„Wir haben zunächst im Bereich des Rosmarwegs Kröten und Molche abends im Dunkeln einzeln gesammelt und über die Straße gebracht“, erinnert sich Trommer. Erst später wurden die ersten Amphibienzäune errichtet. Ohne die rettenden Sperren würden während der Paarungszeit an der viel befahrenen Dürener Straße rund 90 Prozent der Amphibien auf ihrem Weg zum Laichgewässer ihr Leben lassen.
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„Dabei sind es nicht nur die Kröten, die direkt unter die Räder kommen. Die schnell fahrenden Autos erzeugen einen Unterdruck, durch den auch bei unter dem Fahrzeug sitzenden Tieren die Lungen platzen“, weiß Stefan Gabriel zu berichten. Damit es dazu nicht kommt, bieten die Frechener Amphibienfreunde den paarungswilligen Vierbeinern gerne den besonderen Straßenquerungsservice an.

Vor allen Kröten, Molche und Frösche machen sich derzeit auf den Weg in ihre Laichgewässer. Wenn sie Glück haben, landen sie in den Eimern der Naturschützer und nicht unter dem Reifen eines Autos.
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Je nach Wetterlage sind die in den Boden eingegrabenen Eimer entlang des 700 Meter langen Zauns morgens bei Sonnenaufgang gut gefüllt. An diesem Morgen sind es vor allem Erdkröten, zumeist Weibchen, die bereits ein deutlich kleineres Männchen huckepack tragen. „Trifft ein Männchen schon auf dem Weg zum Laichgewässer auf ein Weibchen, klammert es sich direkt auf dessen Rücken fest und lässt nicht mehr los“, erklärt Stefan Gabriel. Dazu hat es dunkle Verdickungen an den Vorderfüßen, die sogenannten Brunstschwielen.
Bei einem Geschlechterverhältnis von acht zu eins sei es für die Männchen von Vorteil, so früh wie möglich ein Weibchen „im Griff“ zu haben. „Außerdem lassen sich die Herren gerne tragen, die sind schlau“, ergänzt Gabriel lachend.

Art, Geschlecht und Anzahl vermerken (v. l.) Silke Schultze, Ulla Koslowski-Demel und Simone Billotin genau.
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Neben den Kröten suchen auch Molche in diesen Wochen ihre Geburtsgewässer auf, um sich dort fortzupflanzen. An diesem Morgen sitzen ein paar Berg- und Teichmolche in den Eimern. „Es ist immer ein bisschen wie auf einer Safari“, freut sich Silke Schultze. Die Frechenerin ist seit zwei Jahren im Nabu aktiv, mit großer Begeisterung, wie sie sagt. „Ich möchte der Natur ein wenig von dem zurückgeben, was wir Menschen ihr nehmen.“
Und so ist auch sie regelmäßige Amphibiensammlerin. „Ich habe immer zwei Eimer dabei, einen für die dicken Kröten und einen für die kleinen, zierlichen Molche, damit es keinen Matsch gibt“, erklärt sie mit einem Schmunzeln, während sie die Krötenpaare und einen Bergmolch aus dem Eimer am Zaun fischt. Sie trägt dabei keine Handschuhe, obwohl die Krötenhaut giftig ist. „Das ist nur ein ganz leichtes Gift, das merkt man eigentlich gar nicht“, erklärt Silke Schultze.
Durch die vermehrte Bebauung fallen immer mehr Lebensräume und Wanderkorridore weg“
Bevor die Tiere auf der anderen Straßenseite in den Salzteich entlassen werden, zählen die freiwilligen Helfer sie, bestimmen Art und Geschlecht. An diesem Morgen haben die Naturschützer 26 männliche und 15 weibliche Erdkröten, vier männliche und einen weiblichen Teichmolch sowie ein Pärchen Bergmolche vor dem Straßentod bewahrt. Ein guter Tag.
Am Ende der Saison werden es voraussichtlich um die 500 Tiere sein, zumindest waren es 2025 so viele. „Es hängt immer stark vom Wetter ab. Wenn das Frühjahr sehr kalt ist, sind die Amphibien als wechselwarme Tiere weniger aktiv“, erklärt Stefan Gabriel. So fanden sich 2024 zum Beispiel nur 280 Kröten und Molche in den Fangeimern. Erschreckend ist für die Naturschützer allerdings der allgemeine Rückgang der Amphibienzahl, wie sie sagen.
„Vor 20 Jahren hatten wir hier bei den Wanderungen bis zu 4.000 Exemplare in sechs Wochen“, so Gabriel. Denn alle Schutzzäune und engagierten Freiwilligen können das größte Problem der Tiere nicht lösen. „Durch die vermehrte Bebauung fallen immer mehr Lebensräume und Wanderkorridore weg“, erläutert Nabu-Sprecherin Ulla Koslowski-Demel. Umso mehr müssten die Biotope, die noch existieren, geschützt und bewahrt werden.
Aber auch Gartenbesitzer könnten Einiges tun, ergänzt Simone Billotin, ebenfalls Sprecherin der Naturschutzorganisation im Kreis. „Teiche und naturnahe, etwas unaufgeräumte Gärten bieten Unterschlupf und Lebensraum für Frösche, Kröten und viele andere Kleinlebewesen.“ Solche kleinen „Inseln“ könne fast jeder schaffen – und damit einen Beitrag zum aktiven Naturschutz leisten.

