Bei der Anmeldung für die fünften Klassen sind viele Familien leer ausgegangen. Während einige Schulen überfüllt sind, bleiben an anderen noch Plätze frei – oft weit entfernt vom Wohnort.
Zu wenig Plätze an WunschschulenKölner Gymnasien weisen Hunderte Viertklässler ab

Auch das Hansa-Gymnasium hatte keine freien Plätze mehr.
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Die Anmeldung an den Kölner Gymnasien war in diesem Jahr für viele Familien mit einer großen Enttäuschung verbunden. Nach aktuellen Zahlen haben mindestens 213 Kinder bei ihrem Anmeldeversuch eine Ablehnung erhalten. An einigen Schulen ist die Zahl der Ablehnungen noch nicht bekannt, sodass die Gesamtzahl durchaus bei 250 bis 280 liegen könnte und damit auf dem Niveau des Vorjahres läge. „Es ist ein Desaster und es ist eines mit Ansage“, sagt Olaf Wittrock von der Initiative Die Abgelehnten.
Weil die Stadt kaum Zahlen vor dem Abschluss des gesamten Anmeldeverfahrens veröffentlichen will, hat Wittrock die Daten eigenhändig recherchiert. Gesichert ist, dass die Kommune den kommenden Fünftklässlern 4198 neue Plätze an den 37 Kölner Gymnasien anbietet. Wie viele Bewerbungen es gegeben hat und wie viele Ablehnungen Familien bei ihren Wunschschulen erhalten haben, teilt die Verwaltung dagegen nicht mit. Bekannt ist, dass es noch an 20 Gymnasien freie Plätze gibt.
Es ist ein Desaster und es ist eines mit Ansage“
Regional sind die Unterschiede groß. Angespannt ist die Lage zum Beispiel in Sülz. Zwar kann das Hildegard-von-Bingen-Gymnasium acht freie Plätze anbieten, das Elisabeth-von-Thüringen-Gymnasium hat aber 33 Ablehnungen aussprechen müssen, während sich im Schiller-Gymnasium freie Plätze und Anmeldungen die Waage hielten. Auch das Apostelgymnasium in Lindenthal, das Müngersdorfer Gymnasium und das Lövenicher Gymnasium Zusestraße haben keine freien Plätze mehr. Kapazitäten gibt es im Bezirk nur am Stadtrand, in Weiden und Widdersdorf. „Für Sülzer Familien ist das aber wegen der großen Entfernung keine Alternative“, sagt Wittrock.

Das Gymnasium Brüggelmannstraße musste 40 Ablehnungen mitteilen.
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Üblicherweise würden Familien in Sülz und Lindenthal auf die naheliegenden Schulen in der Innenstadt ausweichen. Aber auch hier gibt es vielerorts kein Angebot. So verzeichnet das Hansa-Gymnasium einen Überhang von zwölf Anmeldungen, das Humboldt-Gymnasium hat drei Plätze zu wenig. Auch in der Kaiserin-Augusta-Schule und der Königin-Luise-Schule gibt es einen Fehlbedarf von vier beziehungsweise 19 Plätzen. Bleiben noch das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium (FWG), das Gymnasium Kreuzgasse und das noch neue Gymnasium Neustadt-Nord, die jeweils über mehr als zehn freie Plätze verfügen. Das FWG sei eine Latein-Schule und daher nicht für alle Kinder attraktiv, die Kreuzgasse sei in die Jahre gekommen und müsse daher saniert werden und das Gymnasium Neustadt-Nord sei nach derzeitigem Stand eine Schule, die langfristig noch über keinen Schulbau verfüge, erklärt sich Wittrock das mangelnde Interesse an den drei Schulen.
Angespannte Lage in Sülz
Ähnlich prekär ist die Lage in Deutz. Sowohl das Gymnasium Brüggelmannstraße als auch das Gymnasium Schaurtestraße mussten den Eltern 40 beziehungsweise 30 Ablehnungen mitteilen. Immerhin hat das Gymnasium Thusneldastraße mehr als zehn freie Plätze, die aber wohl nicht ausreichen, um die abgelehnten Kinder der anderen beiden Einrichtungen aufzufangen. Zittern müssen auch die Familien in Porz. Das Stadt-Gymnasium Porz verzeichnete 13 Überbuchungen, während das Lessing-Gymnasium in Zündorf fünf freie Plätze und das Maximilian-Kolbe-Gymnasium in Wahn weniger als fünf freie Plätze anbietet. Im Saldo reicht das nicht für den Bezirk.
Im Bezirk Ehrenfeld gab es 34 Ablehnungen im Montessori-Gymnasium bei vier freien Plätzen im Albertus-Magnus-Gymnasium. In Nippes bieten das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium fünf bis zehn Plätze an, während das Dreikönigsgymnasium drei Ablehnungen verzeichnet. Auch das Erich-Kästner-Gymnasium ist ausgebucht. Entspannter sieht die Lage in den Bezirken Rodenkirchen, Mülheim, Kalk und Chorweiler aus.
2025 hatten insgesamt zehn Prozent der Viertklässler keinen Platz an ihrer Wunschschule bekommen – knapp 1000 von 9062 angemeldeten Mädchen und Jungen. An den Gesamtschulen wurden über 3100 Kinder angemeldet, 2470 in der ersten Runde einen Platz an der betreffenden Schule, 676 gingen an der Gesamtschule ihrer Wahl leer aus. 293 Kölner Kinder erhielten keinen Platz an ihrem Wunschgymnasium. 39 Kinder gingen auch in der zweiten Anmelderunde wieder leer aus. In der dritten Runde konnten dann schließlich alle Kinder mit einem Schulplatz versorgt werden, was teilweise mit deutlich weiteren Schulwegen verbunden war.
Es gibt Regionen in der Stadt, in denen es strukturell zu wenig Plätze gibt
„Es gibt Regionen in der Stadt, in denen es strukturell zu wenig Plätze gibt“, kritisiert Wittrock. Anstatt das Angebot zu erhöhen, würde in Kauf genommen, dass Kinder quer durch die Stadt zur Schule fahren müssten.“ Warum, sei völlig unklar. „Man weiß zehn Jahre vorher, wie viele Kinder wo zum Gymnasium gehen werden.“ Und wenn man genau hinsehe, sei das Defizit an Plätzen eigentlich noch viel höher. „Seit Jahren werden die Klassen knallvoll geballert“, so Wittrock. Dort, wo eigentlich nur 27 Kinder pro Klasse unterrichtet werden sollten, seien es meist 30 und mehr. Bei 100 gymnasialen Zügen in der Stadt seien das mindestens 300 Plätze, die eigentlich zusätzlich fehlten.
Eng ist die Lage auch an den Gesamtschulen: Insgesamt stellt die Kommune an den 19 Einrichtungen 2808 Plätze zur Verfügung. Bei der Stadt gingen in der ersten Runde 3265 Anmeldungen ein, die zu 2598 Aufnahmen führten. Für 667 Kinder gibt es rein rechnerisch keinen Platz. Wie sieht es in der zweiten Runde aus? Unklar. Freie Plätze haben derzeit nur noch drei Schulen: die Gesamtschule Lindenthal, die Europaschule in Zollstock und die Lise-Meitner-Gesamtschule in Porz. Mehr Auswahl haben Kinder, die eine Real- oder Hauptschule besuchen wollen. Zwölf der 18 Realschulen und alle zwölf Hauptschulen bieten freie Plätze an.

