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Schmeckt’s, Frau Floß?„Chin Burger“ gibt’s jetzt am Friesenplatz – Was Gäste nun erwartet

3 min
20.01.2026 Köln. Gastro-Kritik „Schmeckt’s, Frau Floß“ von Julia Floß über das Restaurant „Chin Burger“. Die Personen waren einverstanden mit den Fotos. Foto: Alexander Schwaiger

Im Chin Burger wurden bereits handgezogene Nudeln serviert, da baumelte noch kein einziger Labubu an nordrhein-westfälischen Schultaschen.

Das chinesische Restaurant Chin Burger kocht Spezialitäten aus Shaanxi. Es gibt viel zu entdecken.

Das chinesische Restaurant Chin Burger hat einige Jahre ein eher bescheidenes Dasein im Schatten der Ringe gefristet. Das Ladenlokal zählte zu den eher unauffälligen auf der Limburger Straße und namenstechnisch hatte man ein bisschen aufs falsche Pferd gesetzt. Tatsächlich wurden im Chin Burger bereits handgezogene Nudeln serviert, da baumelte noch kein einziger Labubu an nordrhein-westfälischen Schultaschen. Schon 2020 wurden hier vor den Augen der staunenden Gäste Teigportionen gezwirbelt, gezogen, wieder zusammengerollt und auf die Arbeitsfläche geklatscht.

Die Nudel wurde im Laufe der Jahre zum Trend und es eröffneten auch in Köln immer mehr Restaurants, die sich auf dieses Gericht spezialisierten: die Biang-Biang-Nudeln. Sie sind lang, relativ breit und werden mit einer köstlichen Sauce aus Chiliöl, Knoblauch und Sojasauce serviert. Kein Gericht flutscht so zielsicher vom Stäbchen, aber wie lautet das Sprichwort? Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung? Einfach mal ein Regencape anziehen und fröhlich weiterschlürfen.

Julia Floß

Julia Floß

Julia Floß ist ausgebildete Köchin und Patissière und hat viele Jahre in verschiedenen von Gault-Millau und Guide Michelin ausgezeichneten Küchen gearbeitet, bevor sie Journalismus und Medienkommunika...

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Was ich damit sagen möchte: Das eigentliche Highlight im Chin Burger waren bereits vor sechs Jahren die handgezogenen Teigwaren und nicht der namensgebende Burger. Beides kommt aus der chinesischen Provinz Shaanxi, denn die steht im Vordergrund des Restaurant-Konzepts. Das hat sich auch am neuen Standort nicht verändert. Eine Straßenecke weiter, direkt am Friesenplatz, leuchtet der frische Schriftzug an einem der schönen Altbauten.

In der Küche werden inbrünstig die Teiglinge gezogen

Neues Ladenlokal, neues Logo, neues Image. Es liegt ein Hauch von Franchise in der Luft des großen Gastraums. Hier wurde noch einmal amtlich ins Interieur-Design investiert. Die Worte Biang Biang erstrahlen geschwungen von der Decke, zusammen mit unzähligen Pagoden-Lampions. Die Wandverkleidung soll den Besuch auf einem Night-Market suggerieren, dazwischen viele Grünpflanzen. Das Wichtigste ist geblieben: die Glasscheibe zur Küche, hinter der inbrünstig die Teiglinge gezogen werden.

Lokale mit Fenster zur Küche sind zu sehen.

Fenster zur Küche: Auch im neuen „Chin Burger“ kann man den Köchen zuschauen.

Speisenauswahl und Bestellung erfolgen über den QR-Code am Tisch, das spart Zeit und Personal. Auch wenn der Laden bis auf den letzten Platz besetzt war und sich bereits eine Schlange am Eingang gebildet hatte, kam das Essen erstaunlich schnell.

Den Chin Burger gibt es mittlerweile in zwei Versionen: gedämpft oder als „Tongguan Roujiamo“, eine Art knuspriger Blätterteig. Die vegane Version mit Tofu könnte ein bisschen mehr Wumms gebrauchen.

Ein Tablett mit neun Schälchen in Tablettkammern ist zu sehen. Darin die Speisen schön angerichtet.

Besonders schöne Darstellungsform der Speisen: das Neun-Kammer-Menü

Dafür überzeugt die Miniatur mit gezupftem Schweinefleisch aus dem Neun-Kammer-Menü. Das ist überhaupt eine sehr schöne, für die Küche ziemlich aufwendige Darstellungsform. In dem Setzkasten mit neun Fächern stehen neun verschiedene Schälchen mit Spezialitäten aus Shaanxi. Biang-Biang-Nudeln mit Chiliöl, Gurkensalat, saftige Fleischbällchen, gefüllte Teigtaschen, der Mini-Chin-Burger, cremiger Seidentofu, Liang Pi – die berühmten kalten Nudeln, die eher geleeartigen Liangfen und zum Dessert Klebreis mit bunten Streuseln.

Geschmortes Rindfleisch, Lamm mit Kreuzkümmel

Gerade für den ersten Besuch ist das eine wirklich nette Idee, weil man so viel probieren und entdecken kann. Die Tellergerichte sind kulinarisch stärker. Ich würde beim nächsten Besuch den Fokus auf die breiten, handgezogenen Nudeln und die Suppen setzen. Egal, ob mit geschmortem Rindfleisch, Tomaten und Ei oder Sesam-Erdnuss-Sauce. Lamm mit Kreuzkümmel, Mapo Tofu, gebratene grüne Bohnen und Yuxiang-Aubergine sind Gerichte, die mich sehr häufig sehr glücklich machen. Im Chin Burger werden sie in der Einsteiger-Version serviert.

Zwei Schälchen mit Speisen sind zu sehen, eines davon das Dessert Labubu-Mousse in typischer Form mit langen Ohren.

Das Labubu-Mousse zum Abschluss musste sein.

Das Labubu-Mousse zum Abschluss musste sein. Das grinsende Monster kam am Spieß, in quietschgelb und auf Oreo-Krümeln gebettet, zum Tisch. Für den Gag geht’s, aber kulinarisch braucht man das nicht. Das Mousse ist mehr als schnittfest, süß und aromatisch eher unentschlossen. Beim nächsten Mal probier’ ich dennoch die Matcha-Wildganspagode.

Fazit: Spezialitäten aus Shaanxi für Einsteiger in bunt und trendig.

4 Dreiecke

Chin Burger, Friesenplatz 11, 50 672 Köln, Telefon: 0221 96 029 392, Öffnungszeiten: täglich 12–22 Uhr

Meine Auswahl

Neun-Kammer-Menü // Setzkasten mit 9 verschiedenen kleinen Gerichten // 22,80 Euro

Spinatnudeln mit Yu-Xiang-Aubergine // 12,90 Euro

Chin Burger mit Tofu // 6,40 Euro

Labubu-Mousse // 5,90 Euro

Pflaumen-Eistee // 3,80 Euro