In keiner deutschen Millionenstadt ist die Trennung von Arm und Reich so eklatant wie hier.
AbgehängtKöln ist offen, tolerant – und gespalten


Wer am Kölnberg lebt, hat schlechtere Chancen verglichen mit anderen Orten in der Stadt:
Copyright: Illustration: Gemini/Florian Summerer
Offen, tolerant: Wenn Menschen an Köln denken, denken sie oft an Eigenschaften wie diese. Leider muss in diese Reihe ein weiteres Wort: gespalten. Unter den deutschen Millionenstädten ist Köln laut einer Studie die ungleichste – nirgends ist die räumliche Trennung von Arm und Reich so ausgeprägt. Ein Drittel aller Kölner Kinder wächst in Vierteln auf, in denen mindestens jedes dritte Kind arm ist. Bei diesen Zahlen sollte im Rathaus der Alarm schrillen.
Während in Städten wie München, Hamburg oder Berlin die soziale Spaltung zumindest leicht zurückgeht, verschärft sich die Lage in Köln. Der völlig überlastete Wohnungsmarkt zementiert die Kluft: linksrheinisch die teuren Viertel, rechtsrheinisch und weit draußen jene Stadtteile, in denen Transferleistungsbeziehende überhaupt noch Wohnungen finden – Ostheim, Finkenberg, Chorweiler, Meschenich. Dort ballen sich die Probleme – und aus relativer Armut wird eine komplette Abkopplung vom Alltag der übrigen Stadt.
Andere Kommunen nutzen Sozialwohnungsbau bewusst, um soziale Gruppen zu mischen. Eine durchmischte, auch im Einkommen diverse Stadt ist eine gesunde Stadt. Köln kommt nicht hinterher – und wundert sich nun, dass sich die Mittelschicht aus bestimmten Vierteln vollständig zurückzieht. Wer es sich leisten kann, macht einen Bogen um jene Gegenden, in denen die städtischen Versäumnisse besonders sichtbar sind. Und die, die keine andere Wahl haben, werden abermals vom System im Stich gelassen. Wer Bürgergeld, Kinderzuschlag, Frühförderung oder Sprachkurse für die eigenen Kinder beantragen will, scheitert oft schon an Formularen. Sozialarbeiter berichten, dass diese Verfahren selbst für Akademiker schwer durchschaubar sind.
Soziale Projekte und die zahlreichen, oftmals ehrenamtlich engagierten Menschen können lediglich Symptome bekämpfen. Solang weiter nach derselben Logik gebaut, gefördert und verteilt wird, wird sich nichts nachhaltig ändern. Nicht für jedes dieser Probleme ist die Stadt verantwortlich. Dennoch braucht Köln ein neues Selbstverständnis: In dieser Stadt werden Menschen ausgegrenzt. Nur, wenn wir dieses Problem zur Priorität erklären, kann aus dem offenen, toleranten Köln auch ein wirklich soziales werden.
