Sowohl in Blumenberg als auch in Lindweiler klagen Nachbarschaften über Ratten. Offen liegende Abfälle bieten diesen günstige Bedingungen.
VermüllungAbfall lockt Ratten in Kölner Veedeln an – Nachbarn räumen das Feld

Eine Ratte ist fündig geworden (Symbolbild)
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Dass sich Ratten in einer Großstadt wie Köln wohlfühlen, ist nichts Neues. Seit Jahren allerdings häufen sich im Stadtgebiet Berichte über regelrechte Rattenplagen – gebietsweise treten die anpassungsfähigen Nagetiere so gehäuft auf, dass es die Lebensqualität der betroffenen Anwohner empfindlich einschränkt. Nicht nur der innere Stadtbereich ist betroffen, auch der Kölner Norden bleibt nicht verschont.
In Blumenberg etwa sind die Bewohner einer Reihenhauszeile in der Langenbergstraße betroffen. Deren Gärten grenzen an die zentrale Promenade des Stadtteils, die Vogelbergsstraße, an. Die Gärten konnten im vergangenen Sommer kaum genutzt werden, denn eine Rattenpopulation nutzt diese als Schleichweg und hat dabei so gut wie jede Scheu verloren. „Am helllichten Tag kommen sie hier hindurch marschiert“, sagt etwa Walter Kremer, „man sitzt beim Frühstück und hinter der Fensterscheibe sitzt eine Ratte und guckt zu.“ Regelmäßig ist seine Terrasse mit Rattenkot verunreinigt. Innerhalb weniger Tage gingen ihm fünf Exemplare in die Rattenfallen, die er in seinem Garten aufgestellt hat.

Von links nach rechts: Walter Kremer, Mamadou Loum, Silvia Loum, Cäcilia Nesseler und Dirk Hunschede vor der Müllsammelstelle, die die Ratten in ihre Nachbarschaft lockt.
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Ratten machen den Garten für Anwohner unbenutzbar
Seine Nachbarin Silvia Loum weiß von einer benachbarten Familie, die erst vor Kurzem ein Kind bekommen hat und bereits überlegt, wegzuziehen. „Wir können auch unseren Hund nicht mehr in den Garten lassen“, fügt Dirk Hunschede an. „Ratten können schließlich kräftig zurück beißen und stellen auch für ihn eine Gefahr dar.“ Den Garten nicht nutzen zu können, ärgert sie alle ungemein. „Gerade in den warmen Monaten, wenn man so viel Zeit im Freien verbringt“, sagt Loum, „früher habe ich praktisch den gesamten Sommer im Garten verbracht, aber das war dieses Jahr nicht drin.“
Angelockt werden die Tiere nach ihren Beobachtungen von den Mülltonnen des benachbarten Mietshauses. Die Tonnen werden zweimal in der Woche geleert, doch bei 18 Mietparteien seien diese im Nu wieder voll – oft blieben die Luken der Einhausungen dann blockiert offenstehen, Müllsäcke würden daneben abgeladen, berichten die Nachbarn.

Zuweilen sieht es auch so aus – Ratten haben dann leichtes Spiel.
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Lindweiler: Grünschnitt und Essensreste locken Ratten an
Auch in Lindweiler registriert der Bürgerverein vermehrte Rattensichtungen. Wolfgang Zachert etwa wohnt im Kirburger Weg am nordwestlichen Ortsrand des Stadtteils, wo sich zwischen der Wohnbebauung, der A57 und dem Chorweiler Zubringer ein kleines Wäldchen erstreckt. „Viele Gärten hier haben einen Ausgang zur Waldseite hin“, sagt er. „Da geben viele der Versuchung nach, ihren Grünschnitt, Laub und manchmal auch Lebensmittelreste einfach im Wald abzuladen.“ Dass Überbleibsel vom letzten Grillfest Ratten anlocken, liegt auf der Hand, aber angehäufter Grünschnitt nutzt den Tieren noch auf andere Weise. „Das Pflanzenmaterial erzeugt beim Verrotten Wärme, darin bauen sie ihre Nester“, sagt Zachert.
Er habe bereits den Förster informiert, der daraufhin mit einem Schild versucht habe, die Nachbarschaft auf den Zusammenhang aufmerksam zu machen – doch nur mit mäßigem Erfolg. Auch für Zachert ist Rattenkot auf der Terrasse ein ständiges Ärgernis. Er versuche, die Tiere irgendwie zu vergrämen, „doch das klappt nicht besonders. Giftköder darf ich als Privatmann ja nicht mehr auslegen“, sagt er, „da wäre eigentlich mal die Stadt gefragt“.
Seine Leidensgenossen in Blumenberg haben sich inzwischen auch an die örtliche Politik gewandt – Vertreter von SPD und CDU stellen sich an ihre Seite. „Es kann nicht sein, dass die Lebensqualität aller anderen Leute vor Ort leidet, weil ein Vermieter seiner Pflicht nicht nachkommt und die verursachenden Mieter nicht zur Rechenschaft gezogen werden“, sagt etwa Cäcilia Nesseler (CDU). Inan Gökpinar (SPD), stellvertretender Bezirksbürgermeister, ist bei den AWB beschäftigt und weiß, dass das Problem nicht nur punktuell auftritt. „Wir haben in Köln generell ein Müllproblem, das immer größer wird“, weiß er aus Erfahrung. „Das hat auch etwas mit Kultur zu tun. Die Leute fühlen sich für ihre Hinterlassenschaft einfach nicht mehr verantwortlich.“
