Der Garten der Florenzer Straße 32 soll im Rahmen eines intergenerationellen Projektes allen Nachbarn von jung bis alt offenstehen.
Gemeinschaftsprojekt im StadtteilGarten der Generationen öffnet in Köln-Chorweiler

Nicolin Gabrysch (rechts) übernimmt die Leitung des Gartenprojekts.
Copyright: Christopher Dröge
Hier gilt es, genau hinzuhören: „Hat jemand Lust auf einen Tellerkraut-Salat?“, fragt Natur- und Umweltpädagogin Nicolin Gabrysch in die Runde der Hobby-Gärtner, die an diesem Nachmittag im Garten des Hochhauses in der Florenzer Straße zusammengekommen sind. Gemeint ist eben nicht der bekannte Krautsalat vom Grillteller, sondern das Tellerkraut – ein unscheinbares Gewächs mit kreisrunden Blättern, das sich in den Hochbeeten ausgebreitet hat. Die zuvor büschelweise ausgerupften Pflanzen sind tatsächlich essbar. „Das wächst hier massenweise und erinnert geschmacklich an Feldsalat“, sagt Gabrysch. „Deswegen wollen wir es nicht einfach als Unkraut wegschmeißen, sondern verwerten.“ Katja Kanzler, Teamleiterin der Parea gGmbH, holt Essig und Öl aus den Gemeinschaftsräumen im Erdgeschoss des Hochhauses.

Auch die Blumenkästen an der Terrasse wurden beim ersten Treffen des Gartenprojekts neu bestückt.
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Eine gute Handvoll Personen, vor allem Senioren, hat sich zum Auftakt des neuen „Gartens der Generationen“ in der Florenzer Straße eingefunden – einem gemeinschaftlichen Projekt der Parea gGmbH, die in ihren Räumen in der Florenzer Straße 32 zahlreiche soziale Angebote macht, und des Seniorennetzwerks Chorweiler.
Intergenerationelles Gartenprojekt startet dienstags
Im Rahmen des intergenerationellen Projektes soll der Garten künftig einmal pro Woche für alle Interessierten ab sechs Jahren offenstehen. Immer dienstags von 15 bis 18 Uhr können sie gemeinsam Zeit im Grünen verbringen, Natur entdecken und ins Gespräch kommen – 20 Termine sind zunächst geplant. Die Leitung übernimmt Gabrysch, die dabei nicht nur Wissenswertes über Gartenbau und Pflanzenkunde vermitteln, sondern als Expertin für Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) auch Tipps für mehr Nachhaltigkeit jenseits des Gartenzauns geben kann.
Gabrysch hat den Garten in der Woche zuvor begutachtet – dank der großzügigen gemauerten Beete und der bereits vorhandenen Pflanzkisten biete er viele Projektmöglichkeiten, sagt sie. „Natur- und Umweltbildung, das soll dabei natürlich immer ein wenig im Hinterkopf präsent sein“, sagt sie, „es soll aber auch einfach ein Raum sein, in dem sich die Menschen aus der Nachbarschaft begegnen können, damit im besten Fall wirklich ein Gemeinschaftsgarten entsteht.“
Noch ist das Teilnehmeraufkommen überschaubar und die meisten gehören zur älteren Generation – Katja Kanzler und Marie Floride, die Koordinatorin des Seniorennetzwerks Chorweiler, wissen aber aus Erfahrung, dass neue Angebote Zeit benötigen, bis sie sich herumgesprochen haben. „Wir wollen natürlich auch die jüngeren Jahrgänge motivieren und haben dafür die Kindergärten und Grundschulen der Umgebung aktiv angesprochen“, sagt Floride. Kanzler hat ihrerseits auch bei den Kindern und Jugendlichen in den Parea-Angeboten Werbung gemacht – für deren Fehlen bei der Premiere gibt es aber eine gute Erklärung: „Die sitzen noch bei der Hausaufgabenhilfe“, sagt sie mit einem Blick auf die Uhr.
