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Projekt „Chornection“Suchtberatung in Chorweiler – Brückenbauer für Communitys gesucht

3 min
Team der Suchtberatung Chorweiler vor der Stadtkirche

Von links nach rechts: Ebru Toy, Sarah Segschneider, Florian Kobu, Elisa Meyer und Irana Hüseynova bieten am Pariser Platz die Suchtberatung an.

Die Suchtberatungsstelle der Diakonie Köln sucht Ehrenamtliche: Sie sollen das Beratungsangebot in Chorweiler vor Ort bekannter machen.

Seit gut drei Jahren ist die Suchtberatung der Diakonie Köln und Region neben ihren Standorten in Mülheim und der Innenstadt auch im Bezirk Chorweiler zu finden. Zunächst in Räumen über dem Seeberger Treff im Braunfelsweg, seit April dieses Jahres nun am zentral gelegenen Pariser Platz im Gebäude der Stadtkirche Chorweiler. Hier bieten die vier Mitarbeitenden Beratung und Hilfe bei Suchterkrankungen jedweder Art an – von Alkohol- und Substanzmissbrauch, bis zu Verhaltenssüchten, wie Spiel- oder Online-Sucht.

„Wir bedienen alle, die Interesse an der Beratung haben, nicht nur Betroffene, sondern auch Angehörige. Zum größten Teil aber kommen Menschen, die von sich aus merken, dass irgendetwas mit ihrem Konsum nicht stimmt“, sagt etwa Sarah Segmeier. Besonderen Wert legt die Chorweiler Außenstelle auf interkulturelle Beratung, darum sind auch türkisch- und russischsprachige Sprach- und Kulturvermittlerinnen Teil des Teams. Bei Gelegenheiten wie dem Fest der Kulturen ist die Einrichtung ebenfalls präsent, um ihre Arbeit vorzustellen. „Wir haben mit der Zeit allerdings festgestellt, dass viele eine gewisse Skepsis gegenüber Beratungsstellen hegen, oder gegenüber Institutionen ganz allgemein“, fügt ihre Kollegin Elisa Meyer hinzu.

Die Stadtkirche Chorweiler ist in einem für die späten 1970er Jahre typischen Stil gehalten.

Im Gebäude der Stadtkirche Chorweiler am Pariser Platz ist seit April ein Standort der Suchtberatung der Diakonie Köln und Region.

„Chornection“: Ehrenamtliche machen Suchtberatung in Chorweiler bekannt

Darum hat die Suchtberatung ein Projekt initiiert, das die Angebote der Einrichtung bei den Menschen in Chorweiler und den umliegenden Stadtteilen bekannter machen soll: Unter dem Label „Chornection“ sind engagierte Mithelfer gesucht, die ehrenamtlich als Multiplikatoren tätig werden sollen. „Sie sollen die Informationen über unsere Hilfsangebote dorthin tragen, wo die Menschen sich austauschen: in Freundeskreise, Vereine, auf Straßenfeste und Nachbarschaftstreffen“, so Florian Kobus, Teamleiter der Suchtberatung. „Denn die Menschen, die hier wohnen, wissen auch, wie die Nachbarschaft angesprochen werden kann und was die Leute brauchen, um Vertrauen zu fassen.“

Darum soll den Multiplikatoren auch weitgehend freigestellt bleiben, wie sie ihre Tätigkeit ausfüllen. „Es ist ein sehr freies Ehrenamt“, sagt Segmeier. „Jeder kann sich mit den eigenen Stärken und der eigenen Geschichte einbringen, zum Beispiel durch die Veranstaltung eines Frühstückscafés, eines Frauentreffs oder Ähnlichem.“ Auch neue Ideen und Innovationen sind den Suchtberatenden mehr als willkommen. „Wenn sich etwa jemand gut im digitalen Bereich auskennt und eine Idee haben sollte, wie sich die Person digital in Chorweiler einbringen könnte, wären wir total dankbar“, sagt sie.

Drei Workshops schulen Ehrenamtliche im Umgang mit Suchterkrankungen

Ganz ohne Orientierung müssen die Ehrenamtler jedoch nicht loslegen – in drei aufeinanderfolgenden Workshops werden ihnen die Grundlagen vermittelt. So erfahren sie zunächst, was eine Suchterkrankung ist und durch welche persönlichen Faktoren diese hervorgerufen wird, um Verständnis zu fördern und Vorurteile abzubauen. Im folgenden Schritt lernen sie die Angebote zur Beratung und Unterstützung detailliert kennen, im dritten Workshop geht es schließlich um eine wertschätzende Gesprächsführung. „Da soll etwa vermittelt werden, wie spreche ich jemanden an, der vielleicht suchtkrank ist? Wie wahre ich das nötige Verhältnis von Nähe und Distanz?“, so Meyer.

Es gehe nicht darum, die Ehrenamtler selbst zu Suchtberatern zu machen, betont Kobus. „Es geht uns vielmehr darum, dass sie Brücken in die Communitys bauen sollen, die hier ansässig sind“, sagt Kobus. Unter den ersten Interessenten befinden sich etwa drei ehemalige Klienten, die ihre eigene Sucht überwinden konnten. „Die können natürlich noch einmal auf ganz anderer Ebene mit Betroffenen kommunizieren, weil sie aus eigener Erfahrung wissen, was sie durchmachen.“ Das sei jedoch längst keine Bedingung: „Von 18 bis 80 Jahren, von Studierenden bis zum Rentner – uns sind alle willkommen“, so Segschneider.

Die erste Runde der Workshops findet ab dem 21. Oktober statt – wer an dem Programm interessiert ist, kann telefonisch unter 0221 – 356506059 oder per Mail unter suchtberatung@diakonie-koeln.de Kontakt aufnehmen.