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Keine Bahnen
Die KVB bestreikt sich selbst – Das lässt einen fassungslos zurück

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Keine Bahnen fuhren am Mittwoch (18. März) auch am Ebertplatz (Archivbild).

Keine Bahnen fuhren am Mittwoch (18. März) auch am Ebertplatz (Archivbild).

In Köln treibt der Arbeitskampf im Nahverkehr seltsame Blüten. Verdi versteht die Welt nicht mehr.

Diesmal haben es die Kölner Verkehrs-Betriebe übertrieben. Ein Verkehrsunternehmen, das die Stadtbahnen einen Tag lang im Depot lässt, obwohl die Fahrerinnen und Fahrer von der Gewerkschaft gar nicht aufgerufen sind, die Arbeit niederzulegen, hat es so wohl noch nicht gegeben. Die KVB bestreikt sich selbst, weil sie sich nicht in der Lage sieht, einen Notdienst auf die Beine zu stellen, um im Ernstfall einen defekten Stadtbahnzug in die Werkstatt zu schleppen.

Gleichzeitig sieht sich die Gewerkschaft Verdi dazu genötigt, die Verantwortung für die Ausfälle am Mittwoch von sich zu weisen. Ganz nach dem Motto: Wir waren nicht schuld. Das muss man erstmal hinkriegen.

Ja. Wir wissen alle: Die Flotte ist überaltert. Die KVB wird von Herstellern wie Alstom seit Jahren bei der Auslieferung neuer Züge hingehalten. Aber dass in Köln täglich massenweise Straßenbahnen schlappmachen, ist selbst hartgesottenen Pendlern neu. Mit Blick auf Mittwoch verweist Verdi auf Nachbarstädte wie Düsseldorf. Bei der Rheinbahn wurde in den Betriebshöfen auch gestreikt – aber im Betrieb haben die Fahrgäste nichts davon mitbekommen.

KVB kann offenbar keinen Notdienst in den Werkstätten organisieren

Bei der KVB begründen die Verantwortlichen ihre Entscheidung mit der kurzfristigen Ankündigung des Streiks und einem damit verbundenen Personalengpass. Doch gerade die KVB, die sich seit Jahrzehnten im Vorstand einen Arbeitsdirektor leistet, müsste dazu in der Lage sein, einen Notdienst zu organisieren. Zumal es dazu laut Verdi vorgefertigte Pläne gibt – damit eine Millionenstadt nicht ins Verkehrschaos stürzt.

Dass das dennoch nicht gelang, ist an Bräsigkeit nicht zu überbieten und lässt einen fassungslos zurück. Die Ende März aus persönlichen Gründen vorzeitig aus dem Amt scheidende KVB-Chefin Stefanie Haaks hat immer wieder betont, wie schwer es ist, einmal verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen. Dieser Mittwoch war ein weiterer Schritt in die falsche Richtung.

Das bei allen Pannen immer wieder aufgewärmte Argument, man könne den Riesentanker Kölner Verkehrs-Betriebe nicht mit der Rheinbahn vergleichen, zieht in diesem Fall nicht. Auch auf einem Tanker muss es einen funktionierenden Notdienst geben, der nicht erst in Aktion tritt, wenn das Schiff untergegangen ist.

Auf den neuen KVB-Vorstandsvorsitzenden Marcel Winter kommt viel Arbeit zu. Bei einem Verkehrsbetrieb, dem es gelingt, sich selbst lahmzulegen, hat er bei all seiner Erfahrung auch noch nicht arbeiten müssen.