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Warnstreik am MittwochVerdi erhebt schwere Vorwürfe – die KVB hätte problemlos fahren können

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Leere auf den Gleisen an der Haltestelle Universitätsstraße. Nur die Busse der KVB fuhren am Mittwoch (18. März).

Leere auf den Gleisen an der Haltestelle Universitätsstraße. Nur die Busse der KVB fuhren am Mittwoch (18. März).

Die Bahnen der KVB waren am Mittwoch in den Depots geblieben. Begründung: Es hätten nicht genügend Werkstatt-Notdienste zur Verfügung gestanden. 

Bei den Warnstreiks der kommunalen Verkehrsbetriebe in NRW verhärten sich die Fronten. Die Gewerkschaft Verdi erhebt schwere Vorwürfe gegen die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB). Die hatte am Mittwoch wegen des Streiks der Werkstätten auf allen Betriebshöfen den Stadtbahnverkehr mit der Begründung komplett eingestellt, man könne liegengebliebene Züge ohne Werkstattbetrieb nicht abschleppen. „Das entspricht nicht der Wahrheit“, sagte der für Köln zuständige Verdi-Sekretär Frank-Michael Munkler auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger“. Munkler sitzt als Arbeitnehmervertreter auch im Aufsichtsrat der KVB.

„Defekte Fahrzeuge werden grundsätzlich immer reingeholt. Auch an Streiktagen. Dafür gibt es eine Notdienstvereinbarung. Wir sind nicht verantwortlich, dass die Kölner heute erneut auf die KVB verzichten mussten.“ Er habe den für den Betrieb der Bahnen und Busse verantwortlichen KVB-Bereichsleiter angerufen und mitgeteilt, „dass ich es unerträglich finden, einfach nicht zu fahren“, so Munkler. „Die KVB kann uns nicht die Verantwortung zuschieben, weil sie es nicht auf die Kette kriegt, einen Notdienst zu organisieren.“

Die KVB kann uns nicht die Verantwortung zuschieben, weil sie es nicht auf die Kette kriegt, einen Notdienst zu organisieren
Frank-Michael Munkler, Verdi-Sekretär

Dass es auch anders geht, hätten die Rheinbahn in Düsseldorf und die Stadtwerke Bonn am Mittwoch unter Beweis gestellt. In Düsseldorf wurden die Werkstätten ebenfalls bestreikt, dennoch waren alle Stadtbahnen wie gewohnt unterwegs.

Die KVB begründete ihre Entscheidung mit der kurzfristigen Ankündigung des Streiks. „Aufgrund der Kurzfristigkeit des Streikaufrufs war es uns nicht möglich, mit einer ausreichenden Zahl an Notdiensten in den Werkstätten einen sicheren Stadtbahnbetrieb zu gewährleisten“, sagte Pressesprecher Matthias Pesch. Man habe das Personal nicht zusammenbekommen. Die betriebliche Situation in Köln sei mit der in anderen Städten nicht zu vergleichen, „weder hinsichtlich der Größe des Netzes noch hinsichtlich der Größe der Fahrzeugflotte“.

Es war uns aufgrund der Kurzfristigkeit des Streikaufrufs nicht möglich, einen sicheren Stadtbahnbetrieb zu gewährleisten
Matthias Pesch, KVB-Sprecher

Die Gewerkschaft Verdi lässt dieses Argument nicht gelten. In solchen Fällen sei es üblich, den Kontakt zur Gewerkschaft zu suchen. Für den Streikfall halte man zwischen 30 und 35 unterschiedliche Notdienstpläne vor. „Da muss das Unternehmen beispielsweise entscheiden, ob die Bahnen auch mal fahren können, wenn es mal keinen Sicherheitsdienst als Streife in der U-Bahnstation am Ebertplatz gibt.“ Im aktuellen Fall könne er nur sagen. „Uns hat von der KVB keiner angerufen, um über eine mögliche Aufstockung der Notdienste zu sprechen.“

Kritik kommt auch aus der Kommunalpolitik. „Es ist schon bemerkenswert: In ganz NRW werden Werkstätten bestreikt, doch nur in Köln bricht der gesamte Stadtbahnbetrieb zusammen“, sagte Ulrich Breite, Fraktionsgeschäftsführer der FDP/KSG-Fraktion. „Andere Städte zeigen, dass mindestens ein eingeschränkter Betrieb möglich ist. In Köln hingegen geht gar nichts mehr. Das ist für die Fahrgäste nicht akzeptabel.“

Heute wird noch gestreikt, am Freitag wieder gefahren

Am heutigen Donnerstag werden wegen des landesweiten Ausstands Bahnen und Busse der KVB wieder nicht fahren. Für Freitag hat Verdi noch einmal zu vereinzelten Arbeitsniederlegungen auch in Köln aufgerufen. Bei der KVB wird der Betriebshof West an der Scheidtweiler Straße bestreikt. Das wird auf den Fahrbetrieb keine Auswirkungen haben. Am Freitag laufe der Betrieb wie gewohnt, den Ausfall eines Betriebshof könne man kompensieren, sagte der Pressesprecher. „Für uns ist ein völliges Stilllegen des öffentlichen Nahverkehrs nicht akzeptabel. Unsere Position ist bei Verdi bekannt, wird aber rigoros abgelehnt.“

Was Verdi in NRW derzeit macht, ist kein Warnstreik mehr und für uns Fahrgäste unerträglich
Detlev Neuß, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn

Beim Fahrgastverband Pro Bahn sieht man die Warnstreik-Serie im kommunalen Nahverkehr äußerst kritisch. „Wir hätten gern eine Streikfahrplan wie in Frankreich oder Italien, der zuvor vereinbart wird und zumindest einen Notbetrieb möglich macht“, sagt Detlev Neuß, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbands Pro Bahn. „Aus meiner persönlichen Sicht ist das, was Verdi in NRW derzeit macht, kein Warnstreik mehr. Für uns Fahrgäste ist diese Situation nicht mehr erträglich.“

Im Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr geht es um die Arbeitsbedingungen der etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 Nahverkehrsbetrieben in NRW. In zwei Verhandlungsrunden ist bislang keine Einigung erzielt worden. Die dritte Tarifrunde beginnt am 24. März.