Der Tübinger Musiker Dieter Thomas Kuhn hat vor über 30 Jahren einen Kult begonnen. Der Film „Und es war Sommer“ beleuchtet nicht nur die Karriere.
Filmpremiere in KölnBewegende Doku über Schlagerstar Dieter Thomas Kuhn

Dieter Thomas Kuhn bei einem Auftritt 2023 (Archivbild)
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Es begann Anfang der 1990er Jahre als ironisch gemeintes Schlagerprojekt. Doch im Laufe der Zeit wurde Dieter Thomas Kuhn mit seiner Band zu einem Kultphänomen, das Menschen über Generationen hinweg begeistert hat.
Sonnenblumen und aufgeklebte Brusthaartoupets waren allgegenwärtig bei den wilden Schlager-Partys, wenn Hits wie „Über den Wolken“, „Sag mir Quando, sag mir wann“ oder „Fiesta Mexicana“ teils mit überhöhter Geschwindigkeit gespielt wurden.
„Und es war Sommer“ startet am 17. September in den Kinos
Der Kinofilm „Und es war Sommer“ erzählt die Geschichte der achtköpfigen Band während ihrer Tour durch Deutschland mit dem Höhepunkt in der Berliner Waldbühne. Im Mittelpunkt steht die tiefe Freundschaft zwischen Frontmann Thomas Kuhn (61) und Gitarrist Philipp Feldtkeller alias Howie F., die im Laufe der Dreharbeiten eine dramatische Note bekam.
Regisseurin Juliane Sauter hat Kuhn & Co. für den 90-minütigen Dokumentarfilm zwischen Soundchecks, Backstage-Momenten und Schlagermedleys begleitet, interviewt und rund 180 Stunden Archivmaterial gesichtet.

Dieter Thomas Kuhn, Regisseurin Juliane Sauter und Gitarrist Philipp Feldtkeller (v.l.) stellten am Dienstag (28. Juli 2026) ihre Dokumentation in Köln vor.
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Bevor der Film am 17. September in die Kinos kommt, finden einige Vorpremieren statt. Am Dienstagabend (28. Juli 2026) war die „singende Föhnwelle“ aus Tübingen im Open-Air-Kino in Köln zu Gast. Kuhn stimmte ein paar Schlagersongs an, das Publikum sang begeistert mit. Danach wurde der Film gezeigt. Und da wurde es richtig emotional.
„Und es war Sommer“ zeichnet zunächst nach, wie Kuhn und seine Kapelle mit bunten Schlaghosen und offenen Hemden dem Schlager zu einem Revival verholfen haben. „Je geschmackloser, desto besser“, war anfangs das Motto. „Die Leute sollten nicht mehr unterscheiden können, ob es ernst gemeint oder eine Gaudi ist.“ Der Erfolg zeigte: Die Menschen genossen die kleine Flucht aus dem Alltag bei den Konzerten.
Dieter Thomas Kuhn verkündete 1999 Bühnen-Abschied
Als Dieter Thomas Kuhn 1999 seinen Abschied von der Bühne verkündete, schien die Geschichte beendet. Doch die Begeisterung der Fans blieb – und führte wenige Jahre später zu einem gefeierten Comeback. DTK ist längst ein Stück deutscher Popkultur geworden: eine einzigartige Mischung aus Musik, Lebensfreude und Gemeinschaftsgefühl.

Im Open-Air-Kino im Rheinauhafen fand eine der Vorpremieren des Kinofilms über Dieter Thomas Kuhn statt.
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Doch der Fokus des Films änderte sich während der Dreharbeiten. „Ich wollte eigentlich eine Doku erstellen, die sehr in der Realität spielt und immer mal in die Vergangenheit schaut“, sagte Sauter unserer Redaktion. „Es sollte weniger ein klassisches Künstlerporträt werden, sondern vielmehr die Geschichte eines kulturellen Phänomens.“
Philipp Feldtkeller erhält Krebsdiagnose
Doch im März 2024, zwei Monate vor Tourstart, erhielt Feldtkeller die Diagnose, dass er an einer Krebsform, die als nicht heilbar angesehen wird, erkrankt ist.
„Ich habe Thomas sofort informiert“, sagt der Gitarrist. Sein Freund reagierte schockiert. „Ich habe zu Philipp gesagt: Du musst wissen, wie du damit umgehst. Wenn du willst, dass das in der Doku thematisiert wird, ist es deine Entscheidung.“ Und der nahm den Schicksalsschlag mit viel Kraft. „Es ist nun mal so passiert, daher habe ich das Filmteam mit zum Arzt genommen, ohne zu wissen, was mir dort gesagt wird.“

Mit Domblick genoss das Publikum die Vorpremiere des Films über Dieter Thomas Kuhn. Die Stimmung war ausgelassen und emotional.
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Dass sich der musikalische DTK-Kopf bei der Tour auch noch einen Mittelfußbruch zugezogen hat, weil er auf der Bühne über eine Leckmuschel gestolpert ist, ist die Spitze des Dramas. „Mich berührt der Film. Nachdem ich ihn zum ersten Mal gesehen habe, habe ich geheult wie ein Schlosshund“, gestand Kuhn im Gespräch. „Auch die alten Szenen, die unsere damalige Jugendlichkeit zeigen, haben mich sehr bewegt.“
Die junge Regisseurin, die das Phänomen Kuhn gar nicht selbst miterlebt hatte, war nach den Dreharbeiten beeindruckt. „Es gab von Anfang an großes Vertrauen. Uns wurden kaum Grenzen gesetzt. Die Kamera durfte eigentlich immer laufen. Egal ob backstage, im Nightliner oder beim Haareföhnen“, sagt sie. „Besonders berührt haben mich Szenen zwischen Tommy und Philipp, in denen man ihre jahrzehntelange Freundschaft spürt.“
