Für den Rhein werden am Wochenende Rekord-Tiefstände erwartet. Das beeinträchtigt die Kölner Lichter, die Schifffahrt und die Wirtschaft.
Dürre am RheinNiedrigwasser hat Auswirkungen auf den Schiffskonvoi der Kölner Lichter

Niedrigwasser am Rhein in Köln
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Der Rhein steuert auf eine historische Dürre zu. Am Mittwoch zeigte der Pegelstand in Köln noch 72 Zentimeter an, am Samstag soll er auf 67 Zentimeter sinken. Das wären zwei Zentimeter weniger als der bisher niedrigste je gemessene Pegelstand vom 23. Oktober 2018.
Für die Veranstalter der Kölner Lichter kommt das Niedrigwasser zur Unzeit. Das Event ist ebenfalls für Samstag angesetzt. „Der traditionelle Schiffskonvoi, der sich aus Porz in Richtung Innenstadt in Bewegung setzen sollte, kann in dieser Form nicht stattfinden“, sagte Veranstalter Werner Nolden am Mittwoch. „Das Risiko ist zu groß.“ Das bedeutet: Die Durchfahrt der beleuchteten Schiffe durch Köln, begleitet von einem Lichtermeer der Menschen am Ufer, wird gestutzt und umgeplant.
Mehrere Schiffe fallen voraussichtlich für Konvoi aus
Im Bereich der Deutzer Platte zwischen Severinsbrücke und Deutzer Brücke reicht die Wassertiefe der Fahrrinne nicht für den Konvoi aus. Deshalb werden die Schiffe nun von ihrer Startposition in Richtung Niehl fahren, dort wenden und am Samstag um 21.30 Uhr losfahren. „Um 22 Uhr gehen sie vor dem Tanzbrunnen in Position, damit alle Gäste das Feuerwerk betrachten können“, sagt Nolden. Die Schiffe sollen musikalisch und mit dem Leuchten am Rheinufer begrüßt werden.
An der neuen Route können voraussichtlich nur 20 der 27 angemeldeten Schiffe teilnehmen. Für einige reicht auch die Wassertiefe im Niehler Hafen nicht mehr aus. Sie müssen an der Landebrücke bleiben. Zu diesen Schiffen gehört auch die „MS Rhein-Magie“ der Reederei Köln-Düsseldorfer (KD). Feiern will man dort trotzdem: „Dank des attraktiven Liegeplatzes bietet das großzügige Freideck einen hervorragenden Blick auf die Drohnenshow sowie das abschließende Großfeuerwerk“, sagte KD-Chefin Nina Luig am Mittwoch.
Weitere eingeplante Schiffe sind am Samstag überhaupt nicht in Köln verfügbar, darunter die „MS Petersberg“ und die „Grace Kelly“. Kartenkäufer werden von den Reedereien informiert. Manche Schiffe sind noch unterwegs nach Köln. Ob sie die Stadt bei dem niedrigen Rheinpegel erreichen, ist noch offen. Am Samstag entscheidet jeder Kapitän individuell, ob er mit dem Konvoi fährt oder lieber ein Bordfest am Steg feiert.
Das Ruderrennen um den Kölner Stadtachter startet dagegen wie geplant um 20.45 Uhr. Auch das Höhenfeuerwerk soll ab 23 Uhr abgefeuert werden. Die Veranstalter ersetzten das ursprüngliche Feuerwerksschiff „MS Columbia“ mit der „MS Calisto“, die nur 45 Zentimeter Tiefgang benötigt. Am Mittwoch begann bereits die Beladung mit der Pyrotechnik. Die Trockenheit hat derweil auch Auswirkungen auf das Feuerwerksspektakel „Rhein in Flammen“ in Koblenz: Die Veranstaltung muss auf den traditionellen Schiffskonvoi ganz verzichten.
Niedrigwasser wirkt sich auf Wirtschaft aus
Die Rundfahrten der KD, der größten Passagierreederei auf dem Rhein, finden trotz Niedrigwasser noch statt, aber mit erheblichen Einschränkungen. Alle Schiffe ab Köln fahren „nur zu Tal“, was bedeutet: Vom Liegeplatz nahe dem Heumarkt geht es nur flussabwärts nach Norden. Die Siebengebirgstour flussaufwärts kann laut Nina Luig derzeit nicht befahren werden.
Am Mittelrhein ist die Lage noch angespannter. Die zwischen Koblenz und Rüdesheim verkehrende „MS Goethe“ liegt bereits seit dem 10. Juli im Niehler Hafen, nun stellt auch die „MS Rheinkrone“ ihre Fahrten vorerst ein. Wie hoch der wirtschaftliche Schaden für die KD ist, lässt sich bisher nicht beziffern. Für die Kölner Wirtschaft wirkt sich der Wegfall der Flusskreuzfahrtschiffe zudem negativ aus. Die Schiffe dürfen den Rhein bei Köln aktuell nicht befahren. Dadurch sind Anleger nicht ausgelastet und in der Innenstadt fehlen die Kreuzfahrttouristen.
Auch für die Binnenschifffahrt bedeutet der Niedrigwasserstand erhebliche Einschränkungen: Die Schiffe müssen mit deutlich weniger Ladung fahren. Die Fahrrinne in Köln ist 1,11 Meter tief; Bei einem Pegelstand von 67 Zentimetern stehen Schiffen somit 1,78 Meter zur Verfügung. Ein Frachtschiff braucht allerdings mindestens 30 Zentimeter Wasser unter dem Kiel.
Die Auswirkungen zeigen sich beispielhaft an den Salzlieferungen aus Heilbronn für die chemische Industrie im Süden Kölns. „Normalerweise fassen Schiffe dieses Kunden bis zu 2200 Tonnen Steinsalz. Aktuell werden ankommende Schiffe jedoch nur mit 300 Tonnen beladen“, sagt ein Sprecher der Häfen und Güterverkehr Köln (HGK). Trotz der geringen Menge bleibe die Binnenschifffahrt profitabel, so der Sprecher. Ein 40-Tonnen-Lkw könne maximal 26 Tonnen Ladung transportieren.
Experten zufolge könnte der niedrige Wasserstand im Rhein auch die deutsche Wirtschaftsleistung beeinträchtigen. Der Direktor der Forschungsgruppe Konjunktur und Wachstum am Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), Stefan Koothz, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: „Insgesamt könnten die Effekte stark genug sein, um das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal um 0,1 bis 0,2 Prozent zu dämpfen.“ Damit könnte Deutschland in eine Stagnation rutschen.
Der Rhein bei Köln ist zweigeteilt: Während die Situation für die Schifffahrt aus nördlicher Richtung kommend etwas besser ist, sei die Strecke zwischen Bingen (südlich) und St. Goar (vor Bonn) deutlich eingeschränkter. Im Gegensatz zu Hochwasserlagen gibt es keine gesetzliche Marke zur Einstellung der Schifffahrt bei Niedrigwasser. Die Schiffsführer tragen bei Niedrigwasser die alleinige Verantwortung für ihre Transporte. „Plakativ gesagt: Es ist vergleichbar mit der Situation von Autofahrern bei Schneefall“, so der HGK-Sprecher.
Seit wann Pegelstände aufgezeichnet werden, ist von Messstation zu Messstation unterschiedlich. Fest steht: In Köln wird am Wochenende der niedrigste Stand seit mindestens 100 Jahren erwartet. Auch in Düsseldorf und Duisburg könnte der Rhein auf einen Rekordtiefstand sinken.
