Abo

Gesperrte NordbrückeExtraschicht für Fährmann Weisbarth - Pendler steigen in Wesseling aufs Schiff um

3 min
Das Bild zeigt, wie Personen die Fähre Rheinschwan verlassen und betreten.

Morgens und am nachmittags setzen viele Pendler mit der Fähre Rheinschwan über - zu Fuß, mit Fahrrädern oder auch mit E-Rollern oder Motorrädern.

Warum der Rhein zur Abkürzung für Berufspendler wird. Parkplätze Ufernähe sehr gefragt.

Seit der Sperrung der Bonner Nordbrücke (Friedrich-Ebert-Brücke) am 3. Juni 2026 hat sich der Alltag vieler Berufspendler grundlegend verändert. Weil die linksrheinische Vorlandbrücke massive Schäden am Tragwerk aufweist und abgerissen sowie neu gebaut werden muss, suchen zahlreiche Menschen nach Alternativen zum Auto. Ingenieure hatten unmittelbar nach Bekanntwerden der Schäden am Brückenbauwerk im Beisein des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder die Ursache der Sperrung erläutert. Von der Sperrung profitiert seitdem vor allem die Personenfähre „Rheinschwan“, die zwischen Wesseling und Lülsdorf pendelt. Dass die Auswirkungen längst schon in den Nachbarstädten zu spüren sind hat der Betreiber der Personenfähre Rheinschwan aufgrund der steigenden Nachfrage den Fahrplan erweitert. Denn nur wer keine Alternative für sich sieht, fährt weiterhin mit dem Auto nach Bonn – wohlwissend, dass es dabei nicht ohne Stau und Umwege geht.

Von Auto aufs Fahrrad umgestiegen

Phillip Bino ist seit der Sperrung von vier auf zwei Räder umgestiegen und schwingt sich morgens aufs Rennrad. „Mit dem Auto würde ich pro Wegstrecke jeden Morgen und Abend 30 Minuten zusätzlich an Fahrzeit benötigen“, sagte er bei einer der Überfahrten auf der Fähre.

Für Simeon Bick war die Fahrt zur Arbeit von Wesseling nach Lülsdorf mit dem Rad und der Rheinfähre immer schon die bessere Alternative. Als Jugendreferent müsse er jedoch manchmal auch Materialien zur Arbeit mitbringen, die er nur im Auto transportieren kann. „Bisher bin ich dann immer über die Bonner Nordbrücke gefahren“, berichtete er. Jetzt bleibt ihm nur der Umweg über die Rodenkirchener Brücke im Kölner Süden.

Das Bild zeigt Fährmann Reiner Weisbart auf der Personenfähre Rheinschwan.

Reiner Weisbarth. Er ist Fährmann sowie Eigentümer der Personenfähre Rheinschwan. Er freut sich über die steigende Zahl an Passagieren.

„Aber eigentlich ist das ein viel zu großer Umweg“, merkte auch Rheinschwan-Passagier Dirk Cerovsek an. Als Mitarbeiter der Firma Lauer GmbH müsse er beruflich zwar nicht täglich, doch immer mal wieder auf die rechte Rheinseite nach Lülsdorf. „Meistens fahre ich dann mit dem Fahrrad und setze mit dem Rheinschwan über“, sagte er. Schneller und günstiger sei für ihn die Fahrt zur Arbeit und zurück nicht zu machen. So kostet die Hin- und Rückfahrt ohne Fahrrad zurzeit 2,40 Euro und inklusive Fahrrad 3,80 Euro.

Auch Fährmann und Betreiber Reiner Weisbarth registriert einen deutlichen Anstieg an Fahrgästen. „Seit der Sperrung der Nordbrücke ist die Zahl der Berufspendler werktags auf rund 200 gestiegen“, berichtet er. Als Pendler zählt er Fahrgäste, die regelmäßig morgens und abends die Fähre nutzen. Vor der Sperrung seien es täglich lediglich 70 bis 100 gewesen.

Erste Fähre startet schon um 5.30 Uhr

„Etliche Berufspendler kommen zu Fuß oder mit dem Auto zur Fähre, um dann auf der jeweils anderen Rheinseite zu Fuß, mit der Bahn oder dem Bus die Fahrt zur Arbeit fortzusetzen“, sagt Weisbarth. Andere nutzen Fahrräder, E-Roller oder Motorroller für den Arbeitsweg.

Das Bild zeigt die Fähre beim Überqueren des Rheins.

Den ganzen Tag über pendelt die Fähre Rheinschwan zwischen Wesseling und Lülsdorf.

„Wir haben für die Berufspendler am Morgen unseren Fahrplan um eine Schicht erweitert – statt 5.50 Uhr startet die erste Überfahrt jetzt schon um 5.30 Uhr“, erklärte Weisbarth. Noch sei dieser Mehraufwand mit seinem vorhandenen Mitarbeiterteam zu stemmen. Die meisten Berufspendler kämen zurzeit aus dem Rechtsrheinischen. Dort sei die Nachfrage nach öffentlichen Parkflächen im Nahbereich der Anlegestelle gestiegen, habe er gehört. Aber auch auf Wesselinger Seite sind die Parkplätze ohne Zeitbeschränkung im Bereich des Rheinparks morgens häufig belegt.

Als Ausflügler freut sich aber auch Hans-Peter Sassink aus Alfter jedes Mal auf die Fahrt über den Rhein. Schon bei der Sperrung der Nordbrücke habe er gedacht, dass es kaum Schimmer werden könne. „Und jetzt haben die Bonner Stadtwerke auch noch rund 60 Stadtbahnen wegen Mängel aus dem Verkehr gezogen“, sagte er nachdenklich. Sein Blick richtet sich deshalb auf ein seit Jahrzehnten diskutiertes Infrastrukturprojekt: „Was wäre es schön, wenn wir die Rheinspange jetzt hätten – einen Tunnel mitten unter dem Rhein hindurch.