Auf dem Gelände der durch die Flut zerstörten Förderschule Lindweiler Hof haben die Arbeiten für einen Neubau begonnen. Nachbarn fordern eine Überarbeitung der Pläne.
„Überdimensioniert“Bickendorfer lehnen Schulneubau vor ihrer Haustür ab

An der Rochusstraße 80 entsteht ein neues Schulgebäude.
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Bauzäune, Bagger, Baumaterial – alles vor Ort, und die Motorsäge bereitet kreischend Baumfällungen vor. Auf dem Gelände des Lindweiler Hofs haben die Arbeiten für eine neue weiterführende Schule plus Kita begonnen, zunächst werden noch die übriggebliebenen Gebäude - bis auf das denkmalgeschützte Herrenhaus - abgerissen. Im April soll der Rohbau starten, auf einem Wurfzettel versichert die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der städtischen Gebäudewirtschaft den Anwohnern, man sei darauf bedacht, „die Ihnen entstehenden Unannehmlichkeiten so gering wie möglich zu halten.“
Für viele klingt das wie Hohn angesichts der zahlreichen Bedenken gegen das Schulbauprojekt an der Rochusstraße 80. Mit einer Flut von Protestschreiben haben sie auf den Baubeginn reagiert und die Kritikpunkte noch einmal wiederholt: Die für 1.000 Schüler ausgelegte Schule sei überdimensioniert, der abzusehenden Verkehrsbelastung sei der alte Ortskern nicht gewachsen, und gegen eine Wiederholung der Bickendorfer Flutkatastrophe von 2021 würden nur unzureichende Vorkehrungen getroffen.
„Künstler für Bickendorf“ stellen Arbeit am Kulturpfad aus Protest gegen die mangelnde Bürgerbeteiligung ein
Und die alternativen Vorschläge der Initiative „Künstler für Bickendorf“, die eine Begrenzung auf 600 Schüler und ein großes, oberirdisches Retentionsbecken empfiehlt, hat die Verwaltung nach Ansicht vieler Bürger nie ernsthaft gewürdigt. Eine echte Bürgerbeteiligung habe nie stattgefunden. Besonders schwer wiegt die Ankündigung der „Künstler für Bickendorf“, das Projekt „Kulturpfad Bickendorf“ einzustellen, mit dem sie seit 2018 auf bedeutsame Gebäude des Stadtteils aufmerksam machen. Von einem „Gefühl der Hoffnungslosigkeit“ ist die Rede, denn der vier- bis fünfgeschossige Schulbau werde das Herrenhaus, aber auch das Schiff der benachbarten Rochuskirche verdecken und die historischen Sichtachsen zustellen.
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An der Rochusstraße soll auf dem Gelände der inzwischen abgebrochenen Förderschule Lindweiler Hof ein neues Schulgebäude entstehen.
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Michael Schmitz, Mitglied der Initiative, hat laut eigenen Angaben „in den letzten 40 Jahren 20 Gebäude rund um den Bickendorfer Kreisel renoviert oder neu gebaut“. In einem gesonderten Brief, der auch an OB Torsten Burmester adressiert ist, wird er noch deutlicher: „Fassungslos“ sei er, schreibt Schmitz, er beklagt sich über die „Gutsherrenart“ der Verwaltung, spricht von Bürgersinn, der „mit Füßen getreten“ werde, kündigt an, „nie wieder an einer Kommunalwahl“ teilzunehmen.
Termin mit Vertretern der Stadt am 20. Januar
Die Welle der Proteste und nicht zuletzt die Nachricht über die Einstellung des „Bickendorfer Kulturpfades“ haben Bezirksbürgermeister Volker Spelthann (Grüne) nachdenklich gemacht: „Der Kulturpfad ist eine wichtige Anregung für andere Vereine, sich mit der Geschichte ihrer Veedel zu beschäftigen.“ Den aktuellen Ärger der Anwohner kann Spelthann nachvollziehen: Für den 20. Januar hat die Verwaltung Mitglieder der Künstlerinitiative sowie ihn und seinen Stellvertreter Udo Hanselmann (SPD) zu einem Gespräch über das Schulbauprojekt eingeladen. Da müsse man den Beginn der Abriss- und Fällarbeiten nur wenige Tage vorher zumindest als „ungeschickt“ bezeichnen.
Spelthann kann auch die Klagen über eine mangelhafte Bürgerbeteiligung verstehen. Seiner Meinung nach führt die Beauftragung von Total- und Generalunternehmern zu der Neigung, alles verwaltungsintern zu regeln und politische Gremien und Bürgerschaft außen vor zu lassen. „Die Gefahr sehe ich auch beim Bau-Turbo-Gesetz, da muss man sich dringend etwas überlegen.“ Allerdings betreffe das nicht die „Künstler für Bickendorf“, mit denen hätten Politik und Verwaltung in den vergangenen Jahren häufig gesprochen. So habe man es der Initiative zu verdanken, dass der Schutz vor Starkregenereignissen stärker in den Plänen berücksichtigt wurde. Wichtige Abschnitte der Kanäle etwa sollen baulich verbessert werden, damit das Wasser rascher abfließen kann. Eine leistungsfähigere Pumpe gehöre ebenfalls zum mehrstufigen Sicherheitskonzept, und ein unterirdischer Zwischenspeicher, der nicht so groß sein müsse wie das von den „Künstlern“ vorgeschlagene Retentionsbecken: „Die Initiative möchte dort das Wasser komplett versickern lassen. Die Frage ist aber: Was passiert, wenn bei Starkregen der Zulauf zum Becken blockiert ist?“
Die Idee, eine kleinere Schule zu bauen, hält Spelthann auch für problematisch: „Eine Gesamtschule braucht vier Züge.“ Mutmaßungen über den Rückgang bei den Schülerzahlen sind für ihn auch kein Argument: „Momentan haben wir viele Schulgebäude von Investoren angemietet, das ist sehr teuer. Wir brauchen Schulen auf städtischen Flächen, das ist dem Bürger sonst kaum zu erklären.“
Volker Spelthann ist auch zuversichtlich, dass das Herrenhaus nicht zugeklotzt wird, es könne sogar „das Gesicht“ der neuen Schule werden. Davor sei wohl ein kleines Plätzchen geplant: „Das Problem ist, dass die Politik diese Pläne nicht kennt. Uns würde ja auch interessieren, wie nah die Gebäude an die Kirche rücken.“ Da versteht er wieder das Argument von der mangelnden Transparenz. „Ich dränge darauf, dass die Pläne in der nächsten Sitzung der Bezirksvertreter vorgestellt werden.“ Diese findet am Montag, 2. Februar, im Bezirksrathaus statt.

