Isaac Sebuwufu entwickelt die App „Dolmi“, um Sprachbarrieren bei Verwaltungsformularen mit Übersetzung und organisatorischen Hilfen zu überwinden.
In Köln entwickeltApp „Dolmi“ hilft bei der Übersetzung und Bearbeitung von Amtsformularen

In gut einem Monat soll sie an den Start gehen: Isaac Sebuwufu hat eine App für den Austausch mit Ämtern entwickelt.
Copyright: Hans-Willi Hermans
Den meisten Kölnern dürften die Worte „Sajili anwani yako ina mamlaka zo jiji“ nicht viel sagen. Aber Menschen, die noch nicht des Deutschen mächtig sind und aus Ländern stammen, in denen Suaheli Amtssprache ist, helfen sie hier enorm weiter. Denn es ist die Aufforderung, seinen aktuellen Wohnort einzutragen, und so startet das Anmeldeformular der Stadt Köln. Ebenso wie die übrigen Verwaltungsformulare liegt es nicht in Suaheli oder anderen Sprachen vor und stürzt Neuankömmlinge regelmäßig in Ratlosigkeit.
Eine neue App soll nun weiterhelfen. Isaac Sebuwufu zeigt den Suaheli-Satz. Er ist nach kurzem Anklicken auf einer langen Auswahl-Liste von Sprachen als Übersetzung der entsprechenden Passage im Original-Formular erschienen. Man kann sich die Übersetzung aber auch vorlesen lassen, wiederum in Sprachen aus aller Herren Länder. Wenn man etwa Englisch anklickt, gibt es sogar die Wahl zwischen Dialekten, je nachdem, ob man ein Englisch hören möchte, wie es in Tansania, Singapur oder den USA gesprochen wird. „Die Unterschiede sind groß, das kann zu Missverständnissen führen“, erklärt Sebuwufu. Genau die soll Isaac Sebuwufus’ selbstentwickelte App „Dolmi“ vermeiden helfen. Sie ist vor allem für den Austausch mit Ämtern gedacht.
94 Bewohner, 13 Sprachen: KI-Hilfe bei Amtsformularen
Vor knapp drei Jahren zog Sebuwufu als erster neuer Bewohner in das Wohnprojekt „WG & Co“ an der Ecke Piusstraße/Weinsbergstraße ein. Bis vor einigen Jahren war das Gebäude ein Wohnheim eines katholischen Vereins. Sebuwufu bezog die kleine, säkularisierte „Frauenkapelle“ im Erdgeschoss und fungierte als Community-Manager. Das heißt, er war Ansprechpartner bei Fragen und Problemen.
Dabei ging es aufgrund der internationalen Ausrichtung des Hauses, in dem heute 94 Studenten und Handwerker leben, die bis zu 13 unterschiedliche Sprachen sprechen, sehr oft um amtliche Formulare. Viele Nicht-Deutsche stehen ihnen hilflos gegenüber, das wurmte Sebuwufu: „Meine Idee war, dass man morgens an den Briefkasten geht, so ein Formular findet, einscannt und gleich die Übersetzung in seiner Muttersprache vorliegen hat“, sagt der Informatik-Student aus Uganda, der seit 2015 in Deutschland lebt.

Ein Teil der Bewohner mit einigen Gästen vor dem Haupteingang in der Weinsbergstraße 74.
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Ganz okay, könnte man einwenden, aber so etwas erledigt ChatGPT mit Links. Doch in „Dolmi“ hat Sebuwufu auch seine persönlichen Erfahrungen mit der Verwaltung eingearbeitet. Wenn es zum Beispiel um die Ausstellung eines Führerscheins geht, dann mahnt die App, zum Termin im Amt unbedingt ein Lichtbild mitzubringen. Sie meldet sich auch, wenn das Visum abläuft, und sucht im Internet nach freien Terminen bei der jeweiligen Dienststelle. Der Nutzer kann aus verschiedenen Vorschlägen wählen und gleich den Termin buchen.
KI als Dolmetscher: Übersetzen, Beglaubigen, Gesprächsprotokolle
Unter dem Link „Interpreter“ gibt’s sogar Hinweise auf Dolmetscherbüros in Köln, die wichtige Dokumente aus den Heimatländern – über Schul- oder Studienabschlüsse etwa – übersetzen und beglaubigen. Sie kann auch Gespräche aufnehmen, anschließend zusammenfassen und auf wichtige Ergebnisse und Erkenntnisse aufmerksam machen. Dafür ist selbstverständlich das Einverständnis der Beteiligten notwendig.
„Understand Every Word. Fill Every Form“, steht auf der Startseite der App: Verstehen Sie jedes Wort, füllen Sie jedes Formular aus. Das könnte auch für deutschsprachige Nutzer interessant sein, denkt man noch. Denn „Dolmi“ hilft auch bei der Steuerabrechnung oder der Verlängerung von Reisepässen, man kann alle Formulare gleich unterschreiben und ausdrucken oder als Mail an die Verwaltung schicken. Um auch älteren, weniger IT-affinen Menschen den Zugang zu erleichtern, wird jeder Schritt in einfacher Sprache – im Text oder akustisch – erklärt. YouTube-Filme gibt es ebenfalls.
„Was diese Filme angeht, aber auch die vielen Sprachen, habe ich auf Datenbanken aus dem Internet zurückgegriffen, auch bei der Auswertung von Gesprächen“, erklärt Isaac Sebuwufu. „Ohne die aktuellen Entwicklungen bei der KI wäre das nicht möglich.“ Seit Dezember letzten Jahres arbeitet er an der App: „Unsere arabischen und afrikanischen Communitys haben sie getestet und nutzen sie sehr oft.“
„Dolmi“ können Interessenten ab Mitte/Ende Juni kostenlos aus dem Internet herunterladen, primär für die Verwendung auf Handys müssen aber zuvor noch einige rechtliche Fragen geklärt werden, vor allem, was den Datenschutz angeht. Sollte die App ein Erfolg werden und sogar in anderen Städten anwendbar sein, bräuchte Sebuwufu allerdings Kooperationspartner oder Spender, denn Speicherplatz auf einem Server wird teurer, je mehr Nutzer eine App hat. „Mein Traum wäre, dass sie in ganz Europa genutzt wird“, sagt Isaac Sebuwufu. „Aber das ist natürlich Zukunftsmusik.“
