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Neuer Köln-KrimiPeter Brings wird entführt, Ehrenfeld porträtiert – Wie es dazu kam

4 min
16.09.2026 Köln. Manfred Theisen (helles T-Shirt) hat einen Ehrenfeld-Krimi geschrieben, Peter Brings ist ein Protagonist des Buches. Foto: Aexander Schwaiger

Autor Manfred Theisen, Sänger Peter Brings und sein Mops Banshee

Autor Manfred Theisen hat eine Milieu-Studie mit einem bekannten Protagonisten geschrieben.

Als er in er einer kalten Winternacht aus dem Bandbus steigt, wird Peter Brings entführt. Es geht nicht um Geld: Der in Köln weltbekannte Sänger soll ein Bier probieren, das Marlon Rösgen, der Pate von Ehrenfeld, gebraut hat. Am Hafen geschieht derweil ein Mord, die etwas zu offensichtlichen Spuren führen zu Marlon. „Patenkölsch“, der dritte Ehrenfeld-Krimi von Manfred Theisen, ist nicht nur Krimi, sondern auch liebevolle Milieustudie: Karneval, Clans und Klüngel, FC, Stadt-Anzeiger und Express kommen vor, vor allem aber Cafés, Läden und Plätze in Ehrenfeld. Und, in mehr als einer kleinen Nebenrolle: Peter Brings und sein Mops Banshee.

Beim nächsten Buch will ich auch dabei sein!
Sänger Peter Brings, als er den ersten Ehrenfeld-Krimi als Hörbuch hörte

An einem sonnigen Vormittag Mitte September kommt Brings mit Banshee zum Kiosk am Lenauplatz, (der im ersten Ehrenfeld-Krimi von Theisen in die Luft gesprengt wird), in Jogginghose und Jeanshemd, die Base-Cap tief ins Gesicht gezogen. Es ist 10.30 Uhr, „viel zu früh für mich eigentlich“, sagt Brings. Manfred Theisen ist schon da. Brings und Theisen haben sich kennengelernt, als Brings den von Gerd Köster eingelesenen ersten Teil der Krimi-Reihe („Der Pate von Ehrenfeld“) hörte, in dem die Kölner Band am Rande vorkommt. „Der Sound von dem Buch hat mich sofort gepackt“, sagt Brings. Irgendwann traf er Theisen und flachste: „Beim nächsten Buch will ich auch dabei sein!“ Theisen ließ sich nicht zweimal bitten.

16.09.2026 Köln. Harald Theisen (helles T-Shirt) hat einen Ehrenfeld-Krimi geschrieben, Peter Brings ist ein Protagonist des Buches. Foto: Aexander Schwaiger

Auch der Lenauplatz spielt eine Rolle in Theisens Krimi: Im ersten Teil der Reihe wird der Kiosk dort in die Luft gesprengt.

Vorher hatten sich der Autor und der Sänger nie kennengelernt, obwohl sie fast Nachbarn waren, fast gleich alt sind (Theisen ist 63, Brings 62), beide die Montessori-Schule in Ehrenfeld besucht haben und ihre Töchter zusammen in den Kindergarten gingen. „Ich kannte Peter natürlich von Konzerten und fand die Musik von Brings super“, sagt Theisen. Den bekannten Musiker mit Klarnamen für den Roman verwenden zu dürfen, sei für ihn „ein Geschenk“ – „und ich habe mich natürlich gebauchpinselt gefühlt“, sagt Brings.

In dem Buch kommt der Sänger nicht nur ziemlich lässig und schnoddrig daher (was er ist), sondern auch furchtlos. „Dabei bin ich eigentlich ein ziemlicher Schisser.“ „Ich durfte den Charakter, der sich immerhin im Clan-Milieu bewegt, ja nicht beschädigen“, sagt Theisen.

Brings ist Selfmade-Musiker, Theisen Selfmade-Schriftsteller

Parallelen in den Biografien finden die beiden auch beim Cappuccino im „Benson Badass Coffee“ auf der Eichendorffstraße, das immer wieder im Buch auftaucht: Beide kommen aus dem Arbeitermilieu, beide Väter waren Maschinenschlosser, während die Mütter die Familie zusammenhielten. Theisen ist Selfmade-Autor, der immer schreiben wollte, das schon als junger Mann einfach gemacht hat und inzwischen rund 30 Bücher veröffentlicht hat. Brings ist Selfmade-Musiker, der Musik macht, seit er Kind ist, und Musik früh zum Beruf gemacht hat.

Während die Band Brings mit vielen Hits erfolgreich geworden ist und seit Jahrzehnten große Hallen füllen, ist Manfred Theisen ein eher seltenes Beispiel für einen Autor, der seinen Lebensunterhalt verdienen kann, ohne die großen Bestseller zu schreiben: Das gelingt ihm, weil er sehr viel schreibt, darunter „ungefähr zehn Jugendbücher, die auch Schullektüre sind“. Das Stück „Der Koffer der Adele Kurzweil“, nach einem Jugendroman Theisens über die Flucht einer 13-Jährigen und ihrer Familie vor den Nazis, wird am Theater in Graz in Dauerschleife aufgeführt.

Theisen sagt, er habe „immer über Themen geschrieben, die mich interessiert haben“: So recherchierte er mithilfe eines Stipendiums des Auswärtigen Amtes in Israel über Selbstmordattentäter. Dabei sei eher zufällig sein erster Jugendroman „Checkpoint Jerusalem“ entstanden. Nach dem Amok-Attentat an einer Erfurter Schule fuhr er nach Erfurt, um dort mit Schülern zu sprechen. Die Recherche nutzte er für den Roman „Amok: Die Geschichte eines Amoklaufs“.

Er recherchiere immer, was er interessant finde, sagt Theisen, der lange als Redakteur für die „Kölnische Rundschau“ und den „Express“ geschrieben hat. Einfach machen, Ideen umsetzen. „Das machen wir ja auch die ganze Zeit“, sagt Peter Brings. Demnächst will der Sänger helfen, das Hörbuch von Theisens neuem Ehrenfeld-Krimi einzusprechen. Die beiden planen auch eine Lesung zusammen.

Paten-Kölsch, Kriminalroman von Manfred Theisen, Gmeiner-Verlag, 2026, 15 Euro