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Zwischenwerk IIIb in OssendorfEhemaliger preußischer Festungsbau ist heute Werkstatt für Schmiedekurse

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Henning (links) und Timo Schulzke (rechts) stehen in der Schmiede-Werkstatt von Andreas Müller.

Henning (links) und Timo Schulzke (rechts) lernen von Andreas Müller das Schmieden.

Das Zwischenwerk des ehemaligen preußischen Festungsgürtels liegt versteckt im Wald. Der Lärm von Hammer und Amboss stört hier niemanden.

Abwechselnd lassen Henning Schulzke und sein Sohn Timo schwere Hämmer auf den rot glühenden Rohling fallen. Mit einem Keil treiben sie ein Loch in das heiße Werkstück, in dem mal der Griff für eine Axt stecken soll. „Im Prinzip geht das wie vor tausend Jahren“, sagt Andreas Müller, der das rhythmische Zusammenspiel im Auge behält.

Der 63-Jährige arbeitet als Schmied im Zwischenwerk IIIb, wo er den beiden Workshopteilnehmern aus Sankt Augustin an diesem Vormittag sein Handwerk vermittelt.

Schmiede-Werkstatt statt Soldatenunterkunft

Seine Werkstatt atmet mit jeder Pore historisches Flair: Esse, Ambosse und die vielen archaisch wirkenden Hämmer und Zangen machen den Eindruck, als wären sie seit Jahrhunderten Teil des Gewölbes. Aber Müller ist erst vor ein paar Jahren in den historischen Ziegelbau eingezogen. Zuvor musste er den Boden vom Schimmel befreien, Wände abschlagen und neu verputzen. „Alles war total feucht“, sagt der Mann mit den Hosenträgern, „aber jetzt ist es optimal.“ Der Lärm störe niemanden und die Wärme des Schmiedefeuers halte die Feuchtigkeit aus dem Gemäuer.

Außenansicht des Zwischenwerks IIIb in Ossendorf

Das Zwischenwerk IIIb in Ossendorf wurde 1874 bis 1876 als Teil des äußeren Festungsgürtels gebaut und diente später als Waldschule.

Das Zwischenwerk IIIb liegt in Ossendorf, versteckt im Wald zwischen der Militärringstraße und der Autobahn 1. Errichtet wurde es zwischen 1874 und 1876 als Teil des äußeren Festungsgürtels der Preußen. Heute erstreckt sich hier das Erholungsgebiet Nüssenberger Busch, in dem noch immer zahlreiche Betonreste gesprengter Militäranlagen zu finden sind. Auch das Zwischenwerk IIIb wurde nach dem Ersten Weltkrieg militärisch unbrauchbar gemacht und in eine Waldschule umgewandelt. Doch die Kehlkaserne mit den einstigen Soldatenunterkünften existiert noch.

Sammlung mit Gegenständen aus der Preußenzeit

In den Räumen neben der Schmiede hat die „Arbeitsgemeinschaft Festung Köln“ ihr Reich aus zahlreichen Gegenständen der Preußenzeit errichtet. Der Nachbau eines Soldatenbetts gehört ebenso zur Sammlung wie Granathülsen, Pickelhauben und Porträts von Kaiser Wilhelm II. und Reichskanzler Otto von Bismarck. „Wir sind keine Altvorderen, die die Kaiserzeit zurückhaben wollen“, sagt der Vorsitzende und Mitgründer Uwe Zinnow: „Es geht darum, diese Zeit nicht vergessen zu machen.“ Wer wisse denn heute noch, wie es zur „Urkatastrophe“ des Ersten Weltkriegs gekommen sei: „Wenn man sich der eigenen Geschichte nicht bewusst ist, macht man dieselben Fehler wieder.“

Uwe Zinnow (Mitte) mit Peter Skibbe (rechts) und Ben Tauber von der „Arbeitsgemeinschaft Festung Köln“ in ihren Räumen im Zwischenwerk IIIb.

Uwe Zinnow (Mitte) mit Peter Skibbe (rechts) und Ben Tauber von der „Arbeitsgemeinschaft Festung Köln“ in ihren Räumen im Zwischenwerk IIIb.

Der 63-Jährige mit dem Zwirbelbart beschäftigt sich seit mehreren Jahrzehnten mit den Forts und Zwischenwerken, die die Preußen ab 1816 rund um Köln anlegten, um die Verkehrswege über den Rhein vor den feindlichen Franzosen zu schützen. Besonders treibt ihn eine Frage um: Waren die Militärbauten durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden? Uwe Zinnow ist fest davon überzeugt, dass der äußere Festungsgürtel durchgehend untertunnelt und auch mit dem inneren Festungsgürtel verknüpft war. Unterlagen aus dem französischen Militärarchiv, alte Buchbeiträge und Boden-Untersuchungen im Bereich der Dürener Straße stützten seine These.

Gab es unterirdische Tunnel zwischen den Forts?

Auch sein Urgroßonkel habe ihm vor langer Zeit erzählt, wie er als junger Soldat mit einer unterirdischen Festungsbahn von Fort zu Fort gefahren sei. Das Tunnelsystem sei 1908 geschaffen worden, um Munition oder Lebensmittel zu transportieren, so Zinnow. Denn eine oberirdische Beförderung über die Militärringstraße sei wegen größerer Geschützreichweiten zu riskant geworden. Nach außen sei von dem Mammutprojekt nichts durchgedrungen: „Die Soldaten haben natürlich immer Schweigepflicht gehabt. Und ich glaube, die wurde auch ganz gut durchgehalten.“

Henriette Meynen, Ehrenvorsitzende des Vereins „Fortis Colonia“ und ehemals stellvertretende Stadtkonservatorin, gibt sich auf Anfrage zurückhaltend. „Es ist wahrscheinlich, dass es vielleicht irgendwo Verbindungen gibt.“ Aber einen durchgehenden Tunnel halte sie für unwahrscheinlich in dem militärischen „Riesengebiet“ Kölns. Dafür fehle es zudem bislang an stichhaltigen Beweisen.

Am Samstag, 12. September, kann das Zwischenwerk IIIb im Rahmen des „Tags des offenen Denkmals“ zwischen 11 und 16 Uhr besichtigt werden.