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Zwischenwerk VIII b in MarienburgFrüher Müllhalde, heute Vorzeigeobjekt preußischer Militärbaukunst

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Ansicht des Mauerwerks des Zwischenwerk VII b

Das Zwischenwerk VIII b in Marienburg ist das am besten erhaltene Relikt des Äußeren Festungswalls.

Das 150 Jahre alte Zwischenwerk bildete den südlichen Abschluss des linksrheinischen Festungsgürtels. Heute ist es ein Festungsmuseum.

Noch vor 25 Jahren glich das Zwischenwerk VIII b in Marienburg eher einer Müllhalde als einem Vorzeigeobjekt preußischer Militärbaukunst. Tonnenweise Schutt mussten die Mitglieder des Kölner Instituts für Festungsarchitektur (Crifa) aus den Katakomben an der Militärringstraße schaffen, bevor sie am Tag des offenen Denkmals 2003 erstmals Besucher durch die schummrigen Räume führen konnten. Doch der Aufwand hat sich gelohnt. „Der Erfolg war riesengroß, weil die Bevölkerung noch nie in solche Anlagen rein konnte“, sagt Crifa-Vorsitzender Robert Schwienbacher. Heute ist das Zwischenwerk ein Festungsmuseum, und die Fortanlagen aus dem 19. Jahrhundert sind weitaus besser im öffentlichen Bewusstsein verankert als damals.

Der ab 1873 gebaute Äußere Festungsgürtel bestand aus zwölf Forts von 300 Metern Breite und 23 halb so großen Zwischenwerken, die die Bereiche zwischen den Forts sichern sollten. Das Zwischenwerk VIII b gilt als das am besten erhaltene Relikt des ringförmigen Verteidigungswalls. Hier wird förmlich mit Händen greifbar, wie sich das Leben hinter den tiefen Gräben und dicken Mauern abspielte.

„Keine zwei Straßenecken ohne ein Militärgebäude“

Das genau 150 Jahre alte Zwischenwerk bildete den südlichen Abschluss des linksrheinischen Festungsgürtels und war ausgelegt für 150 Soldaten. Insgesamt waren bis zu 60.000 Soldaten in Köln stationiert, um die Stadt bei Angriffen zu verteidigen. Allein für die zwölf Forts wurden rund 130 Millionen Ziegelsteine verbaut. Robert Schwienbacher nennt das preußische Festungswesen eine „gigantische Maschinerie“: „Gucken Sie sich einen Stadtplan aus den 1870er, 1880er Jahren an. Da konnten Sie keine zwei Straßenecken gehen, ohne über ein Militärgebäude zu stolpern.“ Allgegenwärtig sei das Militär gewesen, das dann auch schnell den Spott der Karnevalisten auf sich zog.

Crifa-Vorsitzender Robert Schwienbacher steht vor dem Zwischenwerk.

Crifa-Vorsitzender Robert Schwienbacher

Die Kehlkaserne, in der die Soldaten des Zwischenwerks VIII b untergebracht waren, existiert noch in großen Teilen. Die Crifa-Mitglieder wollen die Gewölbe möglichst originalgetreu erhalten und an die Historie der Anlage erinnern, was nicht immer angenehme Bilder im Kopf auslöst. Robert Schwienbacher führt in einen Raum, in dem rostige Eisenteile stehen. Es sind Eisenpfähle, von denen Hunderte im Graben rund um die Kehlkaserne aufgereiht waren. Verspannt waren sie mit Stolper- und Stacheldraht, der den Feind aufhalten sollte. Der hätte aber zuvor hohe Hindernisgitter auf der Außenmauer des Grabens überwinden müssen. Und Beschuss aus sogenannten Kaponnieren drohte zusätzlich. Das Zwischenwerk verfügte insgesamt über drei dieser auskragenden Anbauten, aus denen in alle Richtungen geschossen werden konnte: „Im Krieg ist immer alles durchdacht aufs Schrecklichste“, so Robert Schwienbacher.

Zum Ernstfall kam es nie

Wegen ihres Alters und ihrer verhältnismäßig schmuckvollen Gestaltung würden die preußischen Festungsanlagen zunehmend romantisiert, hat der Crifa-Chef festgestellt. Dem wolle sein Verein entgegenwirken: „Kriege sind kein Spaß. Wir erleben das jetzt gerade alle.“ Auch Waffen würden bewusst nicht gezeigt. Nur zwei Geschosse sollen verdeutlichen, dass der Angreifer einst ein viel größeres Projektil benötigte als der Verteidiger, wollte er etwas ausrichten gegen die Festungen rund um Köln. Zum Ernstfall ist es zum Glück nie gekommen.

Graben vor dem Zwischenwerk als Trampelpfad

Der Graben rund um das Zwischenwerk ist noch recht gut erhalten, aber längst nicht mehr so tief wie einst.

Technik und militärische Baukunst aus preußischer Zeit findet Robert Schwienbacher trotz allem faszinierend: „Die haben sich wirklich sehr viele Detailgedanken gemacht. Wie man so sagt: preußisch genau.“ Als die Elektrizität aufkam, erhielt auch das Zwischenwerk Strom. Als Erstes wurde aber nicht etwa die Beleuchtung modernisiert, sondern die Alarmanlage, wie der 63-Jährige schmunzelnd bemerkt. Die mechanische Variante kann im Museum ausprobiert werden.

Graben noch erhalten, aber längst nicht mehr so tief

Nach dem Ersten Weltkrieg musste das Zwischenwerk VIII b wie alle anderen Festungen militärisch unbrauchbar gemacht werden. Die meterdicken Dachauflagen aus Stampfbeton und Sand sowie zwei der drei Kaponnieren wurden gesprengt. Auch die sogenannte Spitzenkaserne flog in die Luft. Die Trümmerteile, die einen Durchgang versperren, sind heute mit Licht eindrucksvoll in Szene gesetzt.

Viel von der Struktur eines Zwischenwerks ist noch nachvollziehbar. Der umlaufende Graben etwa kann noch heute durchschritten werden, wenngleich er wegen der Trümmerteile längst nicht mehr so tief ist wie früher. Der Rosengarten, der in den 1920er Jahren auf dem Dach die zivile Nutzung der Kehlkaserne einläutete, ist bedauerlicherweise längst untergegangen. Nur noch Fotos zeigen, wie schön es hier oben einmal war.