Die Stadt Köln kann wegen des angespannten Haushalts nicht sagen, ob alle zunächst geplanten fünf Trockentoiletten realisiert werden können.
Zweites „Holy Shit“-Klo in KölnAusscheidungen sollen zu Dünger verarbeitet werden

Toilettencontainer mit Heiligenschein: Die zweite Trockentoilette von Holy Shit wurde an der Uniwiese eröffnet.
Copyright: Alexander Schwaiger
Ein witziges Extra ist der Heiligenschein über dem Toilettencontainer. Wenn die neue Komposttoilette besetzt ist, leuchtet die Röhre rot, ist sie frei, leuchtet sie grün. So kann, wer sich an der Uniwiese, am Bruno-Kisch-Weg/Ecke Meister-Ekkehart-Straße, befindet, schon von weitem sehen, ob es sich lohnt, hinzugehen.
Am Mittwochmorgen eröffnete Designerin Anastasia Bondar vom Start-Up „Holy Shit“ zusammen mit Vertretern der Stadt und dem Lindenthaler Bezirksbürgermeister Roland Schüler die zweite barrierefreie Trockentoilette, die zusätzlich auch ein Unisex-Urinal enthält. Man kann dieses auch hockend, mit dem Rücken zur Wand, benutzen, sagt Bondar dieser Redaktion.
Köln: Erste Trockentoilette von Holy Shit im November 2023 eröffnet
Ende 2023 wurde im Volksgarten das erste Modell aufgestellt. Bondar entwickelte im Rahmen ihrer Abschlussarbeit an der TH Köln den automatisierten Streuspender, der Trockengranulat auf die Ausscheidungen kippt, „da die Leute in einer öffentlichen Toilette so wenig wie möglich anfassen wollen“, so Bondar. Das Trockengranulat neutralisiert Gerüche. Für das neue Kompostklo habe sie den Mechanismus des Streuspenders abermals weiterentwickelt.
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Links ein Unisex-Urinal: Für Männer und Flinta-Personen. Es kann auch hockend, mit dem Rücken zur Wand, genutzt werden.
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Die Grundidee hinter dem Projekt: Menschliche Fäkalien sind kein Abfallprodukt, sondern ein Wertstoff, aus dem Bio-Dünger entstehen kann. Die Trockentoilette kommt ohne Chemie aus und trennt Fest- und Flüssigstoffe voneinander.
Das Projekt war zunächst als zweijähriger Testbetrieb gestartet. Auf Anfrage sagte eine Stadtsprecherin, dass die Bilanz nach zwei Jahren positiv sei. Doch ob die ursprünglich fünf geplanten Trockentoiletten alle realisiert werden können, ist derzeit unklar. Ende 2024 sollten es bereits drei sein. „Die Standortprüfung ist immer herausfordernd“, sagt Bondar. Die Stadtsprecherin sagt: „Zu der Verzögerung der zweiten Toilette kam es durch fehlende Ressourcen.“
Und: „Weitere mögliche Standorte sind abhängig von der Haushaltslage. Der Fortgang des Vorhabens kann nur unter Berücksichtigung der verfügbaren Haushaltsmittel stattfinden.“ Das Pilotprojekt wurde Ende 2022 im damaligen Stadtrat auf Initiative von Volt beschlossen. Eine Million Euro sollten dafür zur Verfügung stehen.
Volt zeigt sich irritiert, dass die Stadt weitere Umsetzung für unsicher hält
Auf die Antwort der Stadtverwaltung reagiert Volt überrascht. Ratsmitglied Manuel Froh sagt auf Anfrage dieser Redaktion: „Dass aufgrund der aktuellen Haushaltslage unklar ist, ob die im Pilotprojekt von 2022 vorgesehenen drei weiteren Komposttoiletten umgesetzt werden können, irritiert uns. Aus unserer Sicht gilt unser Ratsbeschluss und die geplanten Komposttoiletten müssen umgesetzt werden.“ Barrierearme, gut zugängliche öffentliche Toiletten seien „ein wichtiger Beitrag zu Aufenthaltsqualität und gesellschaftlicher Teilhabe“.
Die monatlichen Kosten der Stadt beliefen sich für eine Trockentoilette bisher auf 8400 Euro monatlich. Für beide Standorte rechnet sie nun für die tägliche Reinigung, Wartung, Reparatur, inklusive Hygienisierung, 12.000 Euro im Monat.
Bei der sogenannten Hygienisierung werden die Fäkalien in einer Kompostierungsanlage weiterverarbeitet. Der Container befindet sich im Klärwerk der Stadtentwässerungsbetriebe in Langel. Das Material wird dort belüftet und erhitzt. Bei 70 Grad werden zum Beispiel Coli-Bakterien oder Salmonellen eliminiert. Noch in diesem Jahr sei, so Bondar, der nächste Schritt, die Kompostierung, geplant: Man führt dem Material Sauerstoff zu, sodass Humus-Dünger entsteht. Um den Kreislauf zu schließen, könnte dieser Kompost im letzten Schritt als Dünger in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Die zweite Trockentoilette von Holy Shit wurde an der Uniwiese eröffnet. Designerin Anastasia Bondar entwickelte den automatisierten Streuspender.
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Holy Shit: Feldversuch mit Dünger geplant
In Deutschland und in vielen anderen Ländern ist das jedoch nicht erlaubt. Bondar setzt sich dafür ein, dass das Potenzial von menschlichem Humus-Dünger für die Landwirtschaft erkannt wird. Im Rahmen eines Forschungsprojekts soll die Qualität des menschlichen Humus-Düngers untersucht werden. „In einem Feldversuch werden wir auf einem Acker die Düngewirkung und die hygienische Unbedenklichkeit erproben“, sagt Bondar. Derzeit sei sie gemeinsam mit der TH Köln in Gesprächen bezüglich der Auswahl des Grundstücks. Bondar sieht sich als Teil einer nachhaltigen Sanitärversorgung Kölns.
