FC-Boss Jörn Stobbe spricht über das Geißbockheim, erneute Stadion-Ausbau-Pläne und die Kaderplanung.
Präsident Stobbe gibt EinblickDas sind die großen Baustellen des 1. FC Köln

FC-Präsident Jörn Stobbe (l.) und Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester im Rhein-Energie-Stadion.
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Der 1. FC Köln geht nach dem erneuten Rückschlag vor dem Oberverwaltungsgericht Münster in die Offensive und macht Druck. Präsident Jörn Stobbe forderte am Freitag von Stadt und Politik rasche Entscheidungen über dringend benötigte Satellitenplätze – und gab wie am Tag zuvor FC-Geschäftsführer Philipp Türoff ein konkretes Bauversprechen ab: Das neue Nachwuchsleistungszentrum werde gebaut, der Spatenstich erfolge spätestens im Frühjahr 2027.
Stobbe setzt auf Plan B und kurz- und mittelfristig auf den Bau des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) direkt am Geißbockheim sowie auf Satellitenplätze anderer Vereine in der nahen Umgebung, die der FC umrüsten, modernisieren und für seine Nachwuchsteams nutzen kann. „Bisher wurde beim FC immer gesagt, man bräuchte zuerst die Plätze und könne dann bauen. Das war ein Fehler. Jetzt sagen wir: Wir bauen sofort!“
Nach zwölf Jahren vergeblicher Ausbauplanung sind das ambitionierte Ansagen. Zur Umsetzung braucht Stobbe Mehrheiten im Rat für mindestens drei zusätzliche Satellitenplätze – denn durch den NLZ-Bau verliert der FC zunächst einen eigenen Platz. Bisher sind diese Mehrheiten fraglich, auch wenn sich der FC der Unterstützung von OB Torsten Burmester und dessen SPD sicher sein kann.
Der Wille, den FC zu unterstützen, ist da – und wir werden alle damit überraschen, dass wir es hinkriegen.
Das OVG Münster hatte den Verhandlungstermin zur Klärung der Ausbaupläne auf der Gleueler Wiese abgesagt, nachdem Ausbaugegner ein neues Artenschutzgutachten zu Tagfaltern, Grashüpfern und Libellen eingereicht hatten. Das Thema dürfte damit für Monate vom Tisch sein. Türoff hatte sich von der kurzfristigen Absage „fassungslos“ gezeigt und das Gutachten als taktisches Mittel zur Verzögerung gewertet. Konkret im Gespräch als Satellitenplätze sind unter anderem zwei Anlagen von Blau-Weiß Köln am Fort Deckstein. Das FC-Thema soll am 2. Juli auf die Tagesordnung der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause kommen. Stobbe hofft auf erste Vorentscheidungen noch vor der Pause und gibt sich kämpferisch: „Die Uhr tickt, wir platzen aus allen Nähten. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die nötigen Plätze bekommen. Der Wille, den FC zu unterstützen, ist da – und wir werden alle damit überraschen, dass wir es hinkriegen.“
Warum selbst wenige hundert Meter den Unterschied machen können, erläuterten er und Türoff eindringlich: Der FC betreibt fast 30 Minibusse, um Kinder und Jugendliche aus dem Rheinland einzusammeln. Ein zusätzlicher Transfer zu einem weiter entfernten Platz sei mit den Anforderungen an Kinderschutz, Betreuung und Sicherheit kaum vereinbar – gerade für Nachwuchsspielerinnen. Einen Umzug des Klubs schloss Stobbe kategorisch aus: „Wir sind so viel Köln, dass wir auch dazu verdammt sind, hier zu Lösungen zu kommen.“
Kommission für den Stadion-Ausbau
Der mögliche Ausbau des Rhein-Energie-Stadions ist beim FC kein neues Thema – bereits unter Präsident Werner Spinner und seinen Nachfolgern wurde er immer wieder und am Ende erfolglos diskutiert. Nun soll es angeblich anders werden. Eine interne Kommission soll in den kommenden zwölf Monaten alle relevanten Fragen systematisch aufarbeiten: Statik, Betriebsgenehmigung, Lärmschutz, Inklusion, Sichtachsen, Akustik – und nicht zuletzt die Finanzierung. Erst wenn diese Grundlagenarbeit abgeschlossen sei, könne man beurteilen, ob und wie ein Ausbau realisierbar wäre. Das Ziel wäre keine moderate Erweiterung auf 55.000 Plätze, sondern eine deutlich größere Lösung – perspektivisch bis zu 75.000 Zuschauer.
Als Pächter stellen sich dabei grundsätzliche Fragen: Wer trägt die Kosten, wer das Risiko, käme gar ein Eigentumswechsel in Frage? Als möglichen politischen Rückenwind nannte Stobbe ein etwaiges WM- oder Olympia-Turnier in Deutschland, das den nötigen Willen und die Mittel mobilisieren könnte. Einen Neubau auf der grünen Wiese schloss er aus: „Wenn wir das aufgeben, gehen wir an die Identität des 1. FC Köln.“
Keine Zeitgrenze für El-Mala-Transfer
Dass der Klub trotz aller Baustellen handlungsfähig bleibt, unterstrich Türoff mit Blick auf die Transferperiode. Nach acht Abgängen hängt der große Wurf auf der Zugangsseite auch von der Causa Said El Mala ab, dem möglichen Rekordtransfer des Vereins. Gespräche mit Premier-League-Klub Brentford scheiterten, nachdem El Mala abgesagt hatte. Türoff: „Der Markt für Said ist nach seiner Leistung sehr viel größer als nur ein Vorstoß. Wir haben allen Grund, den Ball flach zu halten.“ Eine Zeitgrenze für einen möglichen Verkauf gebe es nicht, ein Transfer am letzten Tag des Fensters sei nicht ausgeschlossen – aber auch nicht das Ziel. Unabhängig davon plant der FC mit Leihspielern als festem Bestandteil des Kaders. Das übergeordnete Ziel bleibe in jedem Fall klar: „Eine Mannschaft zusammenstellen, die in der nächsten Saison die Klasse in der Bundesliga hält.“
