Die Akademieleiterin der Fußballerinnen spricht im Interview über die Nachwuchsförderung und den Zweitliga-Aufstieg der U 21.
Theresa Merk„Der 1. FC Köln ist attraktiv für Top-Talente“

Theresa Merk (l.), Akademieleiterin weiblich beim 1. FC Köln.
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Frau Merk, was bedeutet der Aufstieg der U-21-Fußballerinnen in die Zweite Liga für die Nachwuchsarbeit beim 1. FC Köln?
Theresa Merk: Das ist ein toller Erfolg für uns und ein schöner Bonus, dass der Aufstieg in der vergangenen Saison trotz starker Konkurrenz geklappt hat. Wir haben vor der Saison nicht damit geplant und es nicht als Pflicht ausgegeben. Die Mannschaft bestand größtenteils aus Spielerinnen, die lange bei uns sind. Das zeigt, dass hier in den vergangenen Jahren sehr gut gearbeitet wurde.
Welchen Mehrwert bedeutet die Zweite Liga für den FC?
Das macht unseren Verein attraktiv für externe Top-Talente, die hier idealerweise ihren Übergangsweg Richtung Profi-Mannschaft sehen. Und es ist auch für Spielerinnen aus unserer ersten Mannschaft, die Spielpraxis brauchen, sowie die Jungprofis besser, in der Zweiten Liga Erfahrung zu sammeln als in der Regionalliga.
Die beiden vorherigen Zweitliga-Jahre endeten nach einer Saison für die zweite Mannschaft des FC. Was muss anders werden, damit die U 21 in der Liga bleibt?
Zunächst einmal müssen wir wieder vom Alter her eine U 20 sein, weil das die DFB-Regularien so vorsehen. Du darfst nur drei ältere Spielerinnen im Kader haben. Man hat in dieser Saison bereits gesehen, wie schwierig es für so junge Teams in der Zweiten Liga ist. Wolfsburg und München sind abgestiegen. Es wird ein schwieriges und intensives Jahr, aber wir werden alles dafür tun, die Klasse zu halten.
Was erwartet die U 21 in der Zweiten Liga im Vergleich zur Regionalliga West?
Da sind zunächst einmal die Rahmenbedingungen, die darf man nicht unterschätzen. Du bist in ganz Deutschland unterwegs, hast ganz andere Anreisestrecken, Übernachtungsfahrten. Das bewegt sich hin Richtung Profitum, obwohl die Spielerinnen alles noch keine Vollprofis sind. Du hast folglich eine höhere Belastung. Und es ist ein hohes Leistungsniveau in der Zweiten Bundesliga. Du triffst plötzlich auf die SGS Essen, die als gestandener Bundesligist runterkommt, oder den SC Sand und die SG Andernach. Das wird körperlich eine Riesen-Herausforderung.
Bisher wurden vier Spielerinnen gezielt für die U 21 von extern verpflichtet. Lag der Fokus bei den Neuverpflichtungen auch darauf, dass ihnen der Sprung ins Bundesliga-Team zugetraut wird?
Man hat immer eine gewisse Fantasie bei den Spielerinnen, die man holt. Ob sie den Schritt schaffen, das wird sich zeigen. Mit Lina Sterzing und Oljeta Shala haben wir zwei junge Mädels aus dem Jahrgang 2010, bei denen wir die Hoffnung haben, dass sie oben anklopfen können. Unser Grundgedanke ist, dass wir möglichst viele Spielerinnen zu Profis in der Bundesliga machen wollen.
Wie ist die Verzahnung zwischen der Akademie und den Profis und deren Trainerteam um Britta Carlson?
Das ist ein guter Austausch. Britta ist sehr offen für junge Spielerinnen und baut diese immer wieder bei sich in den Trainingseinheiten ein. Mit Carolin Elsen und Jill Schäfer haben zwei Spielerinnen einen Profi-Vertrag bekommen. Das ist genau unser Wunsch, dass die Mädels oben mittrainieren, sich etablieren, dadurch besser werden, Spielpraxis sammeln und so irgendwann den kompletten Schritt gehen.
Der FC hat unterhalb der Profis und der U 21 einen breiten Unterbau im Juniorinnen-Bereich. Wie sehen die weiteren Entwicklungen aus?
Wir haben eine große Umstellung vorgenommen und die Doppeljahrgänge aufgelöst. Bisher hatten wir eine U 13, U 15 und U 17. Jetzt haben wir eine U 12, U 13, U 14, U 15, U 17 und U 19 zur neuen Saison. Wir haben folglich weitere Teams im Wettspielbetrieb. So können wir die Topspielerinnen frühzeitig an höhere Aufgaben heranführen, können gleichzeitig aber auch anderen Spielerinnen die notwendige Zeit für die Entwicklung geben. Im Großraum Köln sollte man immer 20 talentierte Mädels pro Jahrgang finden, das ist unser Ziel und deswegen haben wir Jahrgangsmannschaften gebildet. Du kannst so eine größere Breite fördern und in der Regel ergibt eine besser geförderte Breite auch eine schönere und bessere Spitze.
Sie waren viele Jahre als Trainerin aktiv. Wie groß war für Sie die Umstellung von der Trainerbank zur Akademieleiterin?
Das war eine große Umstellung. Der Alltag ist unterschiedlich und die Verantwortlichkeiten sehen anders aus. Ich würde aber nicht sagen, dass das eine mehr Spaß als das andere macht. Ich vermisse etwas, dass ich kein festes Team habe, mit dem ich täglich arbeite. Dafür habe ich eine große Vielfalt an Themen und habe viel Gestaltungsspielraum, weil der weibliche Nachwuchsfußball in den Kinderschuhen steckt. Da können wir die richtigen Schritte gehen und das in einem Klub, bei dem ich das Gefühl habe, dass er dahintersteht und etwas bewegen will.
Wir können uns mit den Top-Klubs in Sachen Nachwuchsförderung messen. Ich würde sagen, dass wir gegenüber einigen sogar die Nase vorn haben
Wo steht der FC mit seinem Nachwuchsbereich im nationalen Vergleich?
Wir können uns mit den Top-Klubs in Sachen Nachwuchsförderung messen. Ich würde sagen, dass wir gegenüber einigen die Nase vorn haben. Wir haben gute Strukturen geschaffen. Wir wissen auch, dass wir noch nicht am Ende sind. Aber wir müssen uns nicht verstecken, auch nicht vor den größten Playern in Deutschland. Was für uns ein Alleinstellungsmerkmal ist, ist die Tatsache, dass wir keine Standorttrennung haben zwischen Männern und Frauen. Wir nutzen die Ressourcen gemeinsam, es trainieren verhältnismäßig viele Mädels in der männlichen Akademie mit, was Förderung auf höchstem Niveau bedeutet.
Was sind Ihre Ziele als Akademie-Leiterin für die nähere Zukunft?
Wir wollen unsere Ausbildungsqualität auf das nächste Level heben. Wir haben schon ganz viel Struktur-Arbeit geleistet. Wir haben allein im Vergleich zur Vorsaison fünf hauptamtliche Stellen mehr geschaffen. Es ist ein deutlicher Trend zu sehen, jetzt müssen wir noch die passenden Wettspielbetriebe finden, in denen wir unsere Mädels optimal fördern können. Wir haben eine gemeinsame Fußballidee und Ausbildungskonzeption entwickelt. Die muss auch auf dem Platz sichtbar werden.

