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Erwachsene noch anfälligerFluglärm kann den Schlaf von Kindern verändern

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Der nächtliche Fluglärm am Flughafen Köln/Bonn beeinflusst den Schlaf von Grundschulkindern negativ.

Der nächtliche Fluglärm am Flughafen Köln/Bonn beeinflusst den Schlaf von Grundschulkindern negativ.

Köln – Der nächtliche Fluglärm am Flughafen Köln/Bonn beeinflusst den Schlaf von Grundschulkindern negativ. Das zeigt eine Studie, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) gestern in Köln vorgestellt hat. Inwieweit der Flugverkehr bei Nacht für Kinder grundsätzlich gesundheitsschädlich ist, bleibt vorerst aber fraglich.

Es ist die erste Studie dieser Art: Nie zuvor haben laut DLR bisher Wissenschaftler Auswirkungen von Fluglärm auf Kinder untersucht. Dabei mache es einen Unterschied, ob Erwachsene oder Kinder von nächtlichem Flugverkehr beeinträchtigt werden, sagt Studienleiterin Susanne Bartels: „Kinder befinden sich in einer Entwicklungsphase. Sie schlafen meist länger und tiefer als Erwachsene und auch schon zu Zeiten, in denen Erwachsene noch wach sind, zu denen deshalb auch der Verkehrsfluss relativ hoch ist.“

Fluglärm kann Schlaf stören

Für ihre Studie untersuchten die Forscher über vier aufeinanderfolgende Nächte den Schlaf von 51 Grundschulkindern im Alter zwischen acht und zehn Jahren in ihrer normalen Umgebung, zum Beispiel in Ostheim, Neubrück oder Mülheim, aber auch an Einflugschneisen des Flughafens Köln/Bonn außerhalb der Stadt. Die Studie liefert Ergebnisse, die ein Bild davon zeichnen, wie Fluglärm – zumindest am Flughafen Köln/Bonn – den Schlaf von Kindern verändern kann: So benötigten Kinder, die stärker von nächtlichem Fluglärm betroffen sind, rund drei Minuten länger zum Einschlafen, lagen in der Nacht rund sieben Minuten länger wach, verbrachten circa 17 Minuten weniger im Tiefschlaf, dafür aber 12 Minuten im leichteren Schlaf als eine weniger stark vom Fluglärm betroffene Vergleichsgruppe. Nur die sogenannte REM-Schlafphase, die auch als Traumschlaf bezeichnet wird, unterschied sich nicht von Kindern, die niedrigerer Fluglärmbelastung ausgesetzt waren.

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Ein Detail der Studie fällt besonders auf: Die objektiv gemessenen Beeinträchtigungen des Schlafes der stärker vom Fluglärm betroffenen Kinder spiegeln sich nicht in der Einschätzung wider, die sie selbst von ihrem Schlaf hatten: Sie bewerteten ihre Schlafqualität und Müdigkeit am nächsten Morgen ähnlich wie die weniger stark lärmbelastete Kontrollgruppe. Wie dieser scheinbar widersprüchliche Effekt zustande kommt, können sich auch die Forscher zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erklären.

Eltern stört Lärm noch mehr als Kinder

„Die Auswirkungen von starkem Fluglärm sind aber offensichtlich nicht so stark für Kinder, dass sie diese bewusst wahrnehmen können“, erklärt Julia Quehl, die die Studie gemeinsam mit Bartels und einem weiteren Kollegen leitete. Ihre Forschungsergebnisse zeigen zudem, dass sich die untersuchten Kinder grundsätzlich weniger am Fluglärm über Köln stören als ihre Eltern. „Das heißt aber nicht, dass die Auswirkungen des Fluglärms auch auf Kinder nicht relevant wären.“

Um tatsächlich erforschen zu können, ob der Fluglärm den Schlaf von Kindern ernsthaft und dauerhaft beeinträchtigt und eventuell sogar gesundheitsschädlich sein könnte, wären weitere Studien vonnöten, sagen die Forscher. Das ist vom DLR aber nicht geplant, vielmehr eine ähnliche Studienanordnung, in der der Schlaf älterer und vorerkrankter Menschen unter dem Einfluss des Fluglärms untersucht werden soll.

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