Abo

Vitamine für den SchulalltagEU-Obstprogramm stärkt gesunde Ernährung in Kölner Schulen

4 min
Die Schüler und Schülerinnen der Affenklasse greifen beim Obst zu.

Die Schüler und Schülerinnen der Affenklasse greifen beim Obst zu.

Jede Woche liefert ein Kölner Start-up 135 Kilo Obst an eine Buchheimer Grundschule. Das EU-Schulobstprogramm soll Kindern gesunde Ernährung näherbringen – und Familien finanziell entlasten

Wenn man Annika fragt, welches Obst sie am liebsten mag, zeigt die Erstklässlerin auf das Klassenkuscheltier Alma. Alma ist ein Plüschaffe, das Maskottchen der „Affenklasse“ der Gemeinschaftsgrundschule Alte Wipperführter Straße, und isst natürlich am liebsten Bananen. „Die mag ich auch sehr gerne, Äpfel gehen aber auch – und Birnen“, sagt die Siebenjährige. „Aber am liebsten mag ich Spaghetti Bolognese.“

Eine Schülerin füttert das Maskottchen der Affenklasse Alma mit Obst. Bananen liefert Feldling freilich nicht, sondern nur Produkte aus dem Rheinland.

Eine Schülerin füttert das Maskottchen der Affenklasse Alma mit Obst. Bananen liefert Feldling freilich nicht, sondern nur Produkte aus dem Rheinland.

Spaghetti Bolognese gibt es zwar nicht im EU-Schulobstprogramm der Grundschule, dafür aber Äpfel, Birnen, Möhren, Kohlrabi und viel weiteres Obst und Gemüse. Seit zehn Jahren nimmt die Buchheimer Schule an dem Programm teil. „Früher hatten die Kinder viel Süßes in den Brotdosen“, sagt die Leiterin des Offenen Ganztags, Birgit Burdina. Durch das Programm kämen nicht nur jede Menge Vitamine auf den Teller der Kinder, sondern es werde auch das Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler sowie der Eltern für gesundes Essen geschärft.

Ergebnisse der Eskimo-Studie des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2020 zeigen, dass nur die wenigsten Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren ausreichend Obst und Gemüse zu sich nehmen. Empfohlen werden 200 bis 400 Gramm Obst und 230 bis 440 Gramm Gemüse pro Tag. „Diese Empfehlung wird von der Mehrheit der Mädchen und Jungen in den untersuchten Altersgruppen nicht erreicht“, heißt es in dem Bericht. Eine deutliche Mehrheit der Sechs- bis Elfjährigen verzehre weniger als die Hälfte der empfohlenen Mengen. Lediglich ein Prozent der Mädchen und zwei Prozent der Jungen erreichen der Studie zufolge die Empfehlung für Gemüse. Etwas höher liegen die Werte für Obst.

Tina (l.) und Anton.holen das Schulobst aus der Mensa für die Affenklasse ab.

Tina (l.) und Anton.holen das Schulobst aus der Mensa für die Affenklasse ab.

Schulleiterin Barbara Dreyer betont jedoch, dass die meisten Kinder ihrer Schule gesunde Kost in ihren Brotdosen hätten. Aber der Schultag sei lang, und die Kinder bewegten sich viel, sodass die Extraportion Obst und Gemüse ihnen guttue. Zudem biete das Programm den Kindern ein Gemeinschaftserlebnis und entlaste den Geldbeutel der Eltern. „Manche Familien müssen schon aufs Geld gucken“, sagt OGS-Leiterin Burdina. Schließlich hat die Schule einen hohen Sozialindex – die Arbeitslosenquote in Buchheim liegt bei mehr als 13 Prozent.

Die Obstkisten in der Mensa

Die Obstkisten in der Mensa

Seit drei Jahren arbeitet die Grundschule, an der 216 Kinder lernen,  mit der Firma Feldling zusammen. Das Kölner Start-up, das 2021 von Johannes Decker und Daniel Neumann gegründet wurde, liefert Obst und Gemüse von einem Dutzend Landwirten aus der Region sowohl an Gastronomiebetriebe als auch an Schulen und Kitas. 80 Schulen in Köln und der Region, aber auch in Aachen und im Ruhrgebiet, arbeiten mit Feldling zusammen. Die Schulen erhalten eine ganze Palette an heimischem Obst und Gemüse – neben Äpfeln und Birnen auch Gurken, Möhren, Radieschen, Beerenobst und vieles mehr.

Johannes Decker vom Start-up Feldling

Johannes Decker vom Start-up Feldling

Decker stammt selbst aus einer Familie von Landwirten, die einen Hof in Pulheim betreiben. Sein Bruder hat schon einmal Quinoa im Rheinland angebaut, das Decker anschließend vermarktet hat. Irgendwann fiel ihnen auf, dass viele Gastronomen das Problem haben, wie regionales Gemüse und Obst in ihre Küchen kommt. So entstand die Idee des Lieferdienstes. Neun Tonnen Obst und Gemüse werden mittlerweile von 13 Fahrern jede Woche zu den Kunden gebracht. Das hilft Landwirten und Kunden und entlastet die Umwelt, weil die Produkte nicht über weite Strecken transportiert werden.

Die Leiterin des Offenen Ganztags, Birgit Burdina

Die Leiterin des Offenen Ganztags, Birgit Burdina

„Wir können zu jedem Apfel sagen, wo er herkommt“, sagt Decker. Der Grundschule Wipperführter Straße liefert Feldling jeweils am Wochenanfang 135 Kilo Obst, das in einem Kühlraum gelagert wird. Täglich werden Obst und Gemüse mundgerecht zugeschnitten und anschließend in die Klassen gebracht.

Schulen, die sich am EU-Schulobstprogramm beteiligen möchten, können sich jährlich beim Land NRW online bewerben. In diesem Jahr liegt der Bewerbungszeitraum zwischen dem 10. März und dem 14. April. Mitmachen können Grund- und Förderschulen. Wichtigste Kriterien sind der Sozialindex der Schule (Schulen ohne Index können sich aber ebenfalls bewerben) sowie ein dokumentiertes pädagogisches Begleitprogramm, in dem verankert ist, wie das Thema gesunde Ernährung im Unterricht behandelt wird.

www.schulobst-milch.nrw.de