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GeldwäscheKölner Jugendliche verstricken sich in „Finanzagenten-Fälle“

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Das Bild zeigt ein Smartphone.

Kriminelle passen sich an: Die Anwerbung von Finanzagenten findet auch in Köln immer häufiger digital statt. (Symbolbild)

Mit Aussicht auf vermeintlich schnell verdiente Belohnung waschen Jugendliche meist unwissend Gelder aus Betrugstaten. Darum leistet der Förderverein der Sparkasse Köln-Bonn Präventionsarbeit an Schulen.

Ein Jugendlicher betritt eine Sparkassen-Filiale in der Kölner Innenstadt. Am Schalter möchte er Geld abheben: eine fünfstellige Summe. Andreas Zindt, am Tag des Geschehens noch Leiter der Filiale, wird umgehend misstrauisch. Eine solche Summe ist in keinem Fall verhältnismäßig zur Lebenssituation eines Jugendlichen. Er hakt nach. Wo das Geld herkomme und was er damit machen möchte, kann der Jugendliche nicht glaubhaft erklären. Offensichtlich erfindet er unstimmige Geschichten, um die Wahrheit zu verheimlichen.

Nur wenige Minuten zuvor ist er wahrscheinlich unwissentlich auf eine typische „Finanzagentenfalle“ eingegangen: Kriminelle baten den Jugendlichen unter falschem Vorwand um Hilfe. Sie überwiesen das Geld mit dem dubiosen Ursprung auf das Konto des Jugendlichen, damit dieser es abhebt – und somit für sie wäscht. Dem Jugendlichen erzählten sie dabei fälschlicherweise, auf ihr eigenes Konto keinen Zugriff zu haben.

Von der wahren Herkunft des Geldes war nicht die Rede. Als vermeintliche Belohnung winkt eine schnelle Aufstockung des Taschengeldes. Zindt erkennt schnell, worum es sich handelt. Als damaliger Filialleiter erlebt er solche Fälle immer öfter. Also alarmiert er die Polizei. Die anrückenden Ermittler können die Hintermänner stellen: Der Tatbestand lautet Geldwäsche.

Gelder aus Betrugstaten

Der Fall, von dem Zindt – mittlerweile Leiter im Regionalbereich Köln des Fördervereins der Sparkasse Köln-Bonn – erzählt, ist typisch für das Phänomen der Finanzagenten-Betrüge. Und er ist kein Einzelfall. Seit Anfang 2024 verzeichnete das Polizeipräsidium Köln einen deutlichen Zuwachs bei diesen Geldwäscheverfahren. Einen Höhepunkt erreichten die Fallzahlen im Januar 2025: Damals lagen sie im höheren zweistelligen Bereich. Seither verbuchte das Polizeipräsidium einen Rückgang, dennoch werden monatlich eine zweistellige Anzahl der Finanzagentenfälle gemeldet. Dabei umfasst das Kölner Polizeipräsidium neben dem Kölner Stadtgebiet auch das der Stadt Leverkusen.

Das Bild zeigt Andreas Zindt.

Andreas Zindt erlebte als Leiter einer Sparkassenfiliale wiederholt Betrugsfälle im Finanzagenten-Stil.

Die Hintermänner gehen oft nach gleichem Schema vor, wie ein Sprecher der Polizei Köln erklärt: „Finanzagenten werden häufig über persönliche Ansprache im Umfeld von Schulen oder über soziale Medien angeworben. Nach den vorliegenden Erkenntnissen sind insbesondere Jugendliche und Heranwachsende betroffen. Ihnen wird ein schneller und unkomplizierter Verdienst in Aussicht gestellt. Voraussetzung ist meist, dass sie ihr Bankkonto inklusive Bankkarte und PIN zur Verfügung stellen. Teilweise werden sie angewiesen, die Bankkarte nach der Tat als verloren oder gestohlen zu melden. Über die Konten werden anschließend fremde Gelder transferiert, die überwiegend aus Betrugstaten stammen.“

Vom Opfer zum Täter

Die Jugendlichen schätzen das Risiko, das von den kriminellen Hintermännern ausgeht, oft falsch ein, so der Polizeisprecher. Allerdings werden sie, sobald sie ihr Konto für die Machenschaften zur Verfügung stellen, mitschuldig im Tatbestand der Geldwäsche. Das sei kein Kavaliersdelikt, so der Sprecher der Polizei Köln.

In seiner neuen Funktion im Förderverein der Sparkasse berücksichtigt Zindt seine Erfahrungen aus der Zeit als Filialleiter. Deshalb leistet der Förderverein seit zweieinhalb Jahren Aufklärungsarbeit rund um Bank- und Betrugsthemen in Kölner und Bonner Schulen. Yasemin Birbir bildet gemeinsam mit Lisa Tormann und Carsten Fugger ein dreiköpfiges Pädagogenteam bei der Aufklärungsarbeit. Während für jüngere Schüler ab der dritten Klasse insbesondere grundlegende Finanzbildung anstehe, ist bei den Klassen neun und zehn die Betrugsprävention am wichtigsten.

Das Bild zeigt Yasemin Birbir.

Yasemin Birbir informiert seit zweieinhalb Jahren in Kölner Schulen über Finanzagenten-Fälle.

„Betrüger denken sich immer neue Maschen aus“, erklärt Birbir. Daher passe sich ihre Arbeit auch stetig an und sei stets aktuell. „Die typischen ‚Hallo-Mama-Nachrichten‘ sind beispielsweise mittlerweile für junge Menschen abgeändert zu ‚Hallo-Freunde-Nachrichten‘. Zudem finden Finanzagenten-Betrüge öfter im Internet und nicht mehr nur auf Schulhöfen statt“, so Birbir. Ein typisches und sehr effektives Mittel der Betrüger sei es, Zeitdruck zu erzeugen: „Dann heißt es beispielsweise, ausländische Kontoaktivitäten seien beobachtet worden und man solle möglichst schnell reagieren – und dabei natürlich wichtige Daten angeben.“

Bei ihrer Präventivarbeit bringen die Pädagogen den Schülern bei, was typische Fallen sind. Über eine App können die Schüler selbst ausprobieren, wie ebendiese Fallen aussehen können: Phishing-Mails, „Hallo-Freunde-Nachrichten“ oder eben Finanzagenten-Fälle. Danach gibt es Tipps, die im realen Leben helfen sollen. Im Umgang mit Bankinstituten rät Birbir: „Die Betrüger behaupten in der Regel, dass das Bankinstitut nur über ihre Nummer oder Mail erreichbar sei. Auch wenn Druck erzeugt wird: Immer erst bei den alten, vertrauten Nummern anrufen. Das klärt oft auf.“

Und im persönlichen Umfeld rät Birbir dazu, „Code-Sätze“ zu vereinbaren. „Wenn ich mir nicht sicher bin, ob tatsächlich ein Freund hinter der neuen Nummer steckt, kann ich ihm einen Code-Satz senden. Wenn er es tatsächlich ist, antwortet er mit einem entsprechenden Code-Satz, den nur er allein kennt.“

Das Schulungsangebot des Fördervereins der Sparkasse Köln-Bonn ist kostenfrei. Schulen können es auf der Webseite des Vereins buchen. Die Polizei Köln begrüßt die Initiative ausdrücklich.