Die Uni Köln wollte eigentlich längst Sparpläne vorlegen. Serviceangebote werden eingeschränkt, Vakanzen nicht nachbesetzt. Das verunsichert Studierende.
„Hinterzimmerpolitik“Uni Köln verkündet keinen finalen Sparplan – Uni-Bib reduziert Zeiten

Gegen die geplanten Kürzungen der Hochschulmittel des Landes NRW regte sich vergangenen Sommer der studentische Protest an der Uni Köln. (Archivbild)
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Die Sparpläne der Universität zu Köln stehen auch über einen Monat nach Jahresbeginn nicht endgültig fest. Die Uni soll dauerhaft zehn Millionen Euro pro Jahr einsparen und das ab 2026.
Im Spätherbst 2025 sollten die Fakultäten ihre finalen Sparpläne vorlegen – so hat es die Uni jedenfalls lange angekündigt. Doch die Fakultäten ringen noch immer und die Debatte, welche Stellen gestrichen werden und welche Vakanzen dauerhaft vakant bleiben, ist entgegen aller Vorhaben noch nicht abgeschlossen. Das bestätigt eine Uni-Sprecherin auf Anfrage.
Die Studierenden werfen den Fakultäten „Intransparenz“ und „Hinterzimmerpolitik“ vor. Die Fachschaften an der Humanwissenschaftlichen Fakultät (HumF) haben kürzlich eine Kundgebung organisiert. Auf Instagram schreiben sie: „An der HumF werden weitreichende Entscheidungen getroffen, ohne ausreichende Information und Beteiligung von Studierenden und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.“ Sie fordern mehr mehr Mitbestimmung.
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Uni Köln besetzt Professuren nach Renteneintritt nicht mehr
In den vergangenen Monaten war beispielsweise durchgesickert, dass die Professur für Disability Studies nicht nachbesetzt wird (wir berichteten). Disability Studies analysieren Behinderung als soziales Phänomen, indem sie gesellschaftliche und strukturelle Barrieren in den Blick nehmen.
Die Professur wird in der Tat eingespart. Das bestätigte die Uni Köln bereits im Dezember auf Anfrage. „Unabhängig davon gilt, dass das Themenfeld der Disability Studies weiterhin fest im Forschungs- und Lehr-Portfolio der Humanwissenschaftlichen Fakultät verankert bleibt“, lautet das Versprechen. Die Studierenden befürchten jedoch einen Bedeutungsverlust der Kölner Disability Studies.
Kann die Uni Köln ihr Einsparziel für 2026 jetzt überhaupt noch erreichen? „Da viele Ausgaben erst im Laufe des Jahres fällig werden, wird dennoch schon ein Großteil der jährlichen Ausgabenkürzung erreicht, zum Teil auch durch Restmittel aus dem Vorjahr abgemildert“, sagt eine Uni-Sprecherin. Dafür setzt die Uni ein „ganzes Bündel“ von Maßnahmen an: Die sechs Fakultäten schultern 60 Prozent der Sparauflagen, die zentralen Einrichtungen wie Verwaltung, sollen 40 Prozent leisten.
„Betriebsbedingte Kündigungen“ seien ausgeschlossen, vielmehr setze man auf „organisatorische Anpassungen, Effizienzsteigerungen und natürliche Personalfluktuation“, heißt es.
Wie etwa bei Professorin Anne Waldschmidt, die die Disability Studies maßgeblich geprägt hat: Seit 2024 ist sie im Ruhestand. Die Fakultäten sparen „unter der Maxime, die Auswirkungen auf Forschung, Studium und Lehre gering zu halten“, heißt es.
Ob das die Studierenden auch so sehen, ist fraglich. Studierende des Politik-Masters fürchteten vergangenen Herbst gar die Streichung ihres Studiengangs, auch eine mögliche Schärfung des Master-Profils zugunsten eines wirtschaftlichen Fokus löste bereits Unmut aus.
Uni Köln: Weniger Service in Bibliotheken und Abmietung von Gebäuden
In der Hochschulverwaltung will die Uni Köln nach eigenen Angaben durch Digitalisierung von Arbeitsprozessen sparen, durch dreimonatige Besetzungssperren sowie bei der Ausstattung und Infrastruktur: Softwarelizenzen sollen, wenn möglich, durch günstigere Alternativen ersetzt werden und Druckkosten gesenkt werden.
Bei den Serviceangeboten will die Uni Uhrzeiten „anpassen“, heißt zum Beispiel konkret die Öffnungszeiten der Kölner Universitäts- und Stadtbibliothek (USB) „in den Randzeiten“ reduzieren. Das soll nicht in Prüfungsphasen gelten. Langfristige Erhebungen haben laut Uni-Sprecherin gezeigt, „dass die Bibliothek außerhalb der Prüfungsphasen in der Zeit von 22 bis 24 Uhr eine Auslastung von unter 20 Prozent aufwies.“ Daher ist sie werktags nun von 9 bis 22 Uhr geöffnet. In den Prüfungsphasen öffnet sie von 8 bis 24 Uhr, am Wochenende unverändert von 9 bis 21 Uhr. „Zusätzlich werden Mietkosten durch die Abmietung von Gebäuden, Lagerflächen und Lagercontainern reduziert“, heißt es.

