Warum die Zahl der Kennzeichendiebstähle steigt, was Täter mit den gestohlenen Schildern anstellen und wie Betroffene reagieren sollten.
2300 FälleIn Köln werden im Schnitt täglich sechs Autokennzeichen gestohlen – was die Täter mit ihnen anstellen

Die Zahl der angezeigten Diebstähle ist in den vergangenen Jahren gestiegen. (Symbolbild).
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Der Polizeibeamte schien nicht besonders überrascht von dem, was Carsten Pfortner (Name geändert) am 28. März zur Anzeige brachte. Kurz zuvor hatte Pfortner bemerkt, dass die Kennzeichen an seinem Auto fehlten. Jemand musste sie gestohlen haben. „Da sind Sie nicht der Erste heute“, antwortete der Beamte Pfortner, als dieser den Diebstahl seines Autokennzeichens in der Polizeiwache Deutz anzeigte. So schildert es Pfortner unserer Redaktion.
Und tatsächlich: Im Jahr 2025 registrierte die Polizei rund 2300 Fälle von Kfz-Kennzeichendiebstahl, wie die Kölner Polizei auf Anfrage mitteilt. Das entspricht im Schnitt sechs Fällen pro Tag. Die Zahl der angezeigten Fälle steigt seit Jahren kontinuierlich. 2022 registrierte die Polizei noch rund 1850 Fälle. Innerhalb von drei Jahren ist die Zahl damit um rund 25 Prozent gestiegen. Im ersten Quartal 2026 registrierte die Polizei bereits rund 500 Fälle.
Bedeuten höhere Spritpreise mehr Kennzeichen-Diebstähle?
Warum die Zahlen steigen, lasse sich nicht mit Sicherheit sagen, so Polizeisprecher Christoph Bärmel. „Generell lässt sich sagen: Je teurer Benzin wird, desto lukrativer wird es auch, Kfz-Kennzeichen zu stehlen.“ Denn Tankbetrug ist eines der Hauptmotive der Täter. „Durch das Anbringen fremder Kennzeichen versuchen Täter, ihre Identifizierung zu erschweren“, so Bärmel.
Daneben versuchen Täter laut Polizei häufig, an die auf den Kennzeichen befindlichen Zulassungsplaketten zu gelangen. „Diese werden anschließend auf gefälschten Kennzeichen angebracht, die an gestohlenen oder unterschlagenen Fahrzeugen genutzt werden – etwa, um diese mit falschen Papieren weiterzuverkaufen“, erklärt Bärmel. Besondere Schwerpunkte in Köln gebe es nicht, so der Polizeisprecher. „Räumlich betrachtet treten Kennzeichendiebstähle über das gesamte Stadtgebiet verteilt auf.“
Die Polizei rät Betroffenen, den Diebstahl möglichst zeitnah bei der Polizei anzuzeigen. „Nur so können die entwendeten Kennzeichen unmittelbar in die Fahndung aufgenommen werden.“ Zur Prävention empfiehlt die Polizei außerdem, Kennzeichen fest zu verschrauben. „Erfahrungsgemäß werden so gesicherte Kennzeichen deutlich seltener entwendet.“
Das sieht Thomas Müther, Sprecher des ADAC Nordrhein, ähnlich. Einen vollständigen Schutz gebe es zwar nicht. „Man kann es den Dieben aber zumindest erschweren.“ Übliche Kunststoffhalterungen ließen sich oft mit wenigen Handgriffen lösen. Besser seien fest mit dem Fahrzeug verschraubte Kennzeichen. Mit speziellen Torx-Schrauben könnten die Kennzeichen so gesichert werden, dass sie sich nicht mit üblichem Werkzeug lösen lassen. Müther: „Wenn es zu lange dauert, nehmen die Täter womöglich Abstand vom Diebstahl.“
Für Betroffene bedeutet der Diebstahl eines Autokennzeichens Ärger und Aufwand – beides lässt sich jedoch in Grenzen halten, wenn sie richtig reagieren. „Wer feststellt, dass die Kennzeichen fehlen, sollte rasch handeln, denn das Fahren ohne Schilder ist in Deutschland nicht erlaubt ist und wird mit einem Bußgeld von 60 Euro belegt. Dabei spielt es keine Rolle, ob man das Kennzeichen verloren hat oder es gestohlen wurde“, sagt Müther.
Kosten allerdings kommen in jedem Fall auf Betroffene zu: Mit der polizeilichen Anzeigenbestätigung können bei der zuständigen Zulassungsbehörde neue Schilder beantragt werden. Die Zulassungsstelle verlangt dafür bis zu 60 Euro Gebühr für die Ausstellung eines neuen Kennzeichens und neuer Fahrzeugpapiere. Hinzu kommen noch einmal rund 30 Euro für die neuen Nummernschilder, so Müther.
