Wer hat an der Uhr gedreht? Das haben Paulchen Panther und Max Maulwurf damit zu tun. Unser satirischer Wochenrückblick.
Kampf um PünktlichkeitWie die Bahn im Verspätungshauptbahnhof Köln neue Wege geht


Im Verspätungshauptbahnhof Köln brechen neue Zeiten an: die Flex-Zeit und die Puffer-Zeit. Foto: dpa
Copyright: Arne Dedert/dpa
Das ist zur Abwechslung mal eine schöne Bahnsteig-Ansage: In ihrem verzweifelten Kampf um mehr Pünktlichkeit im Verspätungshauptbahnhof Köln hat die Bahn einen prominenten Berater verpflichtet, der es richten soll. Paulchen Panther löst den Baustellen-Botschafter Max Maulwurf an.
Den hat die Bahn nach 30 Dienstjahren ins Nürnberger Eisenbahnmuseum abgeschoben. Dort erzählt der Rentner vornehmlich älteren Puffer-Knutschern und Trainspottern, die auf den Bahnhöfen herumlungern, rührselige Geschichten wie die von der „Aktion Zeigersprung“, mit der die Bahn in Köln vor Jahren gescheitert ist, pünktlich auf die Sekunde abzufahren. Was auch daran lag, dass man sich nicht einigen konnte, wer die kaputten Bahnhofsuhren reparieren soll. Station und Service? Der Fernverkehr? Der Nahverkehr?
Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?
Seither gibt es nur noch auf die Zwölf. Von der Politik, den Verkehrsverbünden und den Fahrgästen. Damit muss Schluss sein.
Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? In Sachen Zeit ist Paulchen Panther viel geschmeidiger unterwegs. Er kennt sämtliche Zeigertricks und ist deshalb das ideale Bahn-Maskottchen für eine geniale Idee. Wenn die Züge sich nicht nach der Zeit richten können, muss die Zeit sich eben nach den Zügen richten.
Klingt kompliziert, ist es aber nicht. Bei der Bahn brechen ab 2027 neue Zeiten an: die Flex-Zeit für die Reisenden, die Puffer-Zeit für die Lokführer.
Neu bei der Bahn: Paulchen Panther
Die Reisenden müssen sich nicht groß umstellen. Für sie unterscheidet sich die Flex-Zeit von der alten Abfahrtszeit nur dadurch, dass sie pünktlich im Zug sitzen müssen. Wer Verspätung hat, steht vor verschlossenen Türen. Persönlich kontrolliert von Inspektor Clouseau. Schließlich besteht die Möglichkeit, dass der Zug jederzeit abfahren könnte.
Diese Jeder-Zeit für die Reisenden ist die Flex-Zeit des Lokführers und läuft, sobald er losfährt. Zwischen der Jeder-Zeit und der Flex-Zeit dürfen laut Bahn höchstens 60 Sekunden liegen. Wenn es möglich ist.
Bei Problemen auf freier Strecke kann der Lokführer auf die Puffer-Zeit zurückgreifen und den Abstand seines Zugs zu vorausfahrenden Zügen durch Entschleunigung so vergrößern, dass er vor dem nächsten Signal niemals rot sieht.
Und sollte ein frustrierter Reisender den Zugbegleiter fragen, wann der Zug endlich sein Ziel, den Verspätungshauptbahnhof Köln, erreicht, wird er die Antwort bekommen: Jederzeit. Also pünktlich. Weil es nie zu spät ist, an der Uhr zu drehen. Oder, um es mit Paulchen Panther zu sagen: Das soll heißen, ja ihr Leut‘, mit diesem Zug ist Schluss für heut‘.

