Zugleiter Marc Michelske findet deutliche Worte zum sogenannten Iran-Wagen. Kölner Karnevalisten solidarisieren sich mit Jacques Tilly.
Statements auf RosenmontagszugIran-Wagen, Solidarität mit Tilly, Sadomaso-Merz

Der Iran-Wagen beim Rosenmontagszug in Köln
Copyright: Arton Krasniqi
In Köln hat sich am Vormittag der größte deutsche Rosenmontagszug in Bewegung gesetzt. Passend zum Start brach die Sonne durch – am Vorabend hatte es noch geschneit.
Die Persiflagewagen zeigen dieses Jahr unter anderem US-Präsident Donald Trump, dessen Gesäß mit Küssen etwa von „Merz“, „Macron“ und „Nato“ übersät ist. Auf einem anderen Wagen sieht man eine blaue AfD-Schlange, die im Stil der Python Kaa aus dem „Dschungelbuch“ einen deutschen Michel umschlingt.
Jecke finden: Die Welt schaut zu wenig auf den Iran
Ein weiterer Wagen behandelt die grausame Niederschlagung der Proteste im Iran. Der Wagen persifliert den obersten religiösen Führer des Iran, Ali Chamenei. Sein Gesicht und sein Bart sind blutverschmiert, ein halber Menschenkörper steckt in seinem Mund. Aus Sicherheitsgründen wurde das Motiv erst am Morgen vorgestellt. Wie der WDR berichtet, wurde der Wagen mit den anderen unter Polizeieskorte aus der Wagenhalle zum Aufstellplatz in der Südstadt gebracht.
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Der Iran-Wagen beim Rosenmontagszug in Köln
Copyright: Arton Krasniqi
Deutliche Worte findet Zugleiter Marc Michelske zum sogenannten Iran-Wagen. Das Motiv sei aus dem Gedanken entstanden, dass „die Revolution ihre Kinder frisst“. Mit Blick auf Ayatollah Ali Chamenei sagt er, dieser werde bald „kein Volk mehr haben, das er regieren kann“, wenn weiter Menschen auf den Straßen getötet würden. Die Welt schaue zu wenig auf den Iran – mit dem Wagen wolle man genau darauf aufmerksam machen.
Kölner Rosenmontagszug solidarisiert sich mit Tilly
Mit Statements im Rosenmontagszug solidarisieren sich Kölner Karnevalisten indes mit dem in Russland gerichtlich verfolgten Wagenbauer Jacques Tilly aus Düsseldorf. Der Wagen von Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn werde den kölschen Spruch „Mer all sin Tilly“ (Wir alle sind Tilly) tragen, teilte das Festkomitee Kölner Karneval am Morgen mit. Die Fußgruppe des ukrainischen Hilfsvereins Blau-Gelbes-Kreuz werde zudem Satire-Motive von Jacques Tilly und frühere Putin-Darstellungen aus dem Kölner Rosenmontagszug auf Schildern zeigen.

Der deutsche Karnevalswagenbauer Jacques Tilly posiert für Fotografen vor einer seiner Kreationen – einem Karnevalswagen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin – während des Umzugs anlässlich des Rosenmontags am 16. Februar 2026 in Düsseldorf.
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„Das Festkomitee Kölner Karneval unterstreicht mit der Einladung des ukrainischen Hilfsvereins Blau-Gelbes Kreuz die karnevalistische Meinungsfreiheit und die Verbundenheit mit den Menschen in der Ukraine und Jacques Tilly, der wegen seiner satirischen Wagen im Düsseldorfer Rosenmontagszug in Russland angeklagt wurde“, hieß es in einer Pressemitteilung.
Zuvor war Kritik laut geworden, weil in diesem Jahr kein Putin-Wagen im Kölner Rosenmontagszug mitfährt. Wegen früherer Darstellungen des russischen Präsidenten im Düsseldorfer Rosenmontagszug wird Tilly seit einigen Monaten in Moskau gerichtlich verfolgt. Der Bildhauer muss sich wegen Verunglimpfung der russischen Staatsorgane verantworten, dazu gehört neben der russischen Armee auch Präsident Wladimir Putin.

Ein Motivwagen, der Bundeskanzler Merz und Finanzminister Klingbeil bei einer „Sado-Maso-Regierungs-Show“ zeigen, nimmt am Rosenmontagszug in Köln teil.
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Weitere Wagen behandeln die Aufrüstung und KI, auch Streitereien zwischen Union und SPD in der Bundesregierung werden persifliert - Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) sind zu sehen, wie sie sich in Sadomaso-Outfits gegenseitig Schmerzen bereiten. (pst mit dpa)

