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Nächste Streik-AnkündigungKVB-Bahnen stehen diese Woche drei Tage still

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Verdi ruft zu Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr im Rahmen der laufenden Tarifverhandlung auf. (Archivbild)

Verdi ruft zu Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr im Rahmen der laufenden Tarifverhandlung auf. (Archivbild)

Der nächste Warnstreik im Nahverkehr: Zusätzlich zu Dienstag sollen auch am Mittwoch und Donnerstag Fahrzeuge in den Depots bleiben.

Keine Stadtbahnen und nur wenige fahrende Busse am Dienstag und Donnerstag: Gleich an drei Tagen in dieser Woche müssen Fahrgäste im kommunalen Nahverkehr Nordrhein-Westfalens mit deutlichen Einschränkungen rechnen. Die Gewerkschaft Verdi ruft für Donnerstag (19. März) in allen Regionen Beschäftigte von Nahverkehrsbetrieben zum Warnstreik auf. Busse und Stadtbahnen stünden in den bestreikten Betrieben von der frühesten Frühschicht bis zur spätesten Spätschicht weitgehend still.

Dies bedeutet, dass ab Donnerstag, 3 Uhr, keine Stadtbahn- und Busfahrten der KVB stattfinden und nur die durch Subunternehmen durchgeführten Busfahrten erfolgen können. Diese Fahrten werden den Fahrgästen so bald wie möglich in der elektronischen Fahrplanauskunft angezeigt und zudem als Fahrplan-Tabelle auf der KVB-Website veröffentlicht. Der Betrieb der KVB wird erst zum Beginn des Betriebstages am Freitag (20. März) wiederaufgenommen. Am Donnerstag sind auch die Kundencenter und die Verkaufsstelle geschlossen, informieren die Kölner Verkehrsbetriebe.

Auch Werkstätten werden bestreikt

Bereits an diesem Dienstag (17. März) werden voraussichtlich vielerorts Bahnen und Busse in den Depots der Nahverkehrsbetriebe bleiben. Denn für diesen Tag hat die Gewerkschaft Fahrerinnen und Fahrer im kommunalen Nahverkehr zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen. Und auch am Mittwoch (18. März) ist in Köln mit erheblichen Einschränkungen zu rechnen. Da nämlich werden die Werkstätten der KVB bestreikt – und das hat Folgen für die Fahrgäste. „An diesem Tag fahren keine Stadtbahnen, da Fahrzeuge, die auf der Strecke liegen bleiben würden, nicht repariert oder auf die Betriebshöfe geschleppt werden könnten“, informiert die KVB am Montagnachmittag. 

Flaggen weisen vor dem Betriebshof Nord der Kölner Verkehrsbetriebe auf einen Warnstreik hin. (Archivbild)

Flaggen weisen vor dem Betriebshof Nord der Kölner Verkehrsbetriebe auf einen Warnstreik hin. (Archivbild)

Der Busbetrieb werde aufrechterhalten, denn defekte Busse könnten vom übrigen Verkehr umfahren und gegebenenfalls von externen Unternehmen abgeschleppt werden, heißt es weiter. „Fahrgäste müssen allerdings damit rechnen, dass es zu Unregelmäßigkeiten im Fahrplan kommen kann.“

Donnerstag Höhepunkt der Warnstreikwelle

Am Donnerstag  sind dann alle Beschäftigten zum Warnstreik aufgerufen. Auf diese Weise solle deutlich werden, welche Berufsgruppen täglich dafür sorgten, dass der Nahverkehr funktioniere.

Die neue Warnstreikwelle im NRW-Nahverkehr ist am Montag (16. März) in den Kundenzentren und Verwaltungen von etlichen Nahverkehrsbetrieben gestartet. Am Dienstag (17. März) folgen mit dem Fahrdienst die Fahrerinnen und Fahrer. Am Mittwoch (18. März) sind nach dem Gewerkschaftsplan viele Werkstätten von Nahverkehrsbetrieben an der Reihe. Höhepunkt der neuen Warnstreikwelle in dieser Woche soll dann der Donnerstag (19. März) sein mit dem Streikaufruf an alle Teilbereiche von Nahverkehrsbetrieben in Nordrhein-Westfalen.

Welche Verkehrsalternativen gibt es?

Erfahrungsgemäß fahren einige Busse privater Subunternehmer. Außerdem sind S-Bahnen und Regionalzüge nicht von dem Tarifkonflikt im kommunalen Nahverkehr von NRW betroffen und können etwa innerhalb der Großstädte genutzt werden, um ein großes Stück voranzukommen. Der ADAC rät in solchen Fällen zu Fahrgemeinschaften und für kurze Strecken zum eigenen Fahrrad oder zu Sharing-Angeboten, etwa Leihräder oder Elektroscooter.

Müssen Schulkinder trotzdem zur Schule?

Das NRW-Schulministerium hatte bei vorangegangenen Warnstreiks im Nahverkehr darauf hingewiesen, dass Schulpflicht besteht: „Bei im Vorfeld angekündigten Ereignissen wie einem Streik des öffentlichen Nahverkehrs besteht die Verpflichtung zur Teilnahme am Unterricht auch weiterhin.“

Warum werden Verkehrsbetriebe bestreikt?

Der Tarifkonflikt dreht sich um die Arbeitsbedingungen der etwa 30.000 Beschäftigten in rund 30 kommunalen Verkehrsbetrieben in NRW. In den bislang zwei Verhandlungsrunden ist keine Einigung erzielt worden. Aseag in Aachen ist eines der wenigen Unternehmen, das nicht Teil dieses Tarifkonflikts ist.

Verdi NRW will die wöchentliche Arbeitszeit von 39 auf 37 Stunden bei vollem Lohnausgleich verkürzen. Die Ruhezeit zwischen zwei Schichten soll außerdem von 10 auf 11 Stunden erhöht werden. Der Zuschlag für Sonntagsarbeit soll von 25 Prozent des Stundenentgelts auf mindestens 40 Prozent steigen.

Arbeitgeber halten Forderungen für überzogen

Der Kommunale Arbeitgeberverband Nordrhein-Westfalen wirft Verdi seit Wochen vor, die Augen vor der desolaten Finanzlage der Verkehrsbetriebe zu verschließen. Die Tarif- und Entgeltbedingungen hätten sich schon deutlich verbessert, der Nahverkehr biete bereits attraktive Arbeitsplätze. Die Tarifverhandlungen werden ab dem 24. März in dritter Runde fortgesetzt.

Viele Betroffene

Warnstreiks legten bereits in den vergangenen Wochen große Teile des kommunalen Nahverkehrs landesweit oder zuletzt regional lahm. Nach einer früheren Einschätzung des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen befördern die kommunalen Nahverkehrsbetriebe in NRW pro Tag im Durchschnitt etwa fünf Millionen Fahrgäste. Da es oft Hin- und Rückfahrten sind, könnten es etwa 2,5 Millionen tägliche Nutzer im Nahverkehr sein. (pst/dpa)