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KölnAusbau am Hauptbahnhof und in Deutz gesichert – Die S-Bahn fährt alle zweieinhalb Minuten

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13.06.2024, Köln: Blick auf den Breslauerplatz, das Kommerz-Hotel und den Musicaldome. Vom Dach des Hansa-Hochhauses hat man einen guten Rundumblick. Foto: Uwe Weiser

Blick auf den S-Bahnsteig am Breslauer Platz. Er wird Richtung der U-Bahnstation (links) um einen Bahnsteig mit zwei Gleisen erweitert. Foto: Uwe Weiser

Der Ausbau der S-Bahn-Stammstrecke zwischen Bergisch Gladbach und Hansaring ist gesichert. Land und Bund finanzieren das Projekt mit 836 Millionen Euro.

836 Millionen Euro stecken Bund und Land NRW in den Ausbau der S 11 zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Hansaring, eine der wichtigsten Pendlerstrecken im Rheinland. Der Ausbau dieses Abschnitts ist der wichtigste Meilenstein auf dem langen Weg zur Erweiterung des S-Bahnnetzes im Rheinland und zur Entlastung des Bahnknotens Köln. Wenn sie derart viel Geld auf einmal ausschütten, neigen Politiker gern zu Superlativen. Doch in diesem Fall stimmt die Aussage von NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer: „Das bedeutet mehr Kapazität und Pünktlichkeit für die gesamte Region und weit über Nordrhein-Westfalen hinaus.“

Aber warum? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Mit seiner Aussage hat Krischer nicht bloß den zweigleisigen Ausbau zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Dellbrück gemeint, der für die vielen Pendler auf dieser Strecke ohne Zweifel besonders wichtig ist. Der Ausbau einer S-Bahn-Trasse von einem auf zwei Gleise ist bei der DB InfraGo Tagesgeschäft. Die größte Bedeutung des Projekts liegt in der Erweiterung des Kölner Hauptbahnhofs um einen S-Bahnsteig mit zwei Gleisen am Breslauer Platz.

Warum ist das so wichtig?

Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass die Hohenzollernbrücke das Nadelöhr im Bahnknoten Köln ist. Sechs Gleise, von denen zwei für die S-Bahn reserviert sind, können keine 1300 Züge pro Tag verkraften. Das stimmt so nicht. Das Problem liegt bei der S-Bahn. Sie kann im Berufsverkehr nicht öfter fahren.

Woran liegt das?

Weil auf den beiden S-Bahngleisen im Hauptbahnhof, eine pro Richtung, das Ein- und Aussteigen auf dem schmalen Bahnsteig zu lange dauert und sich sofort ein Stau bilden würde. Das wird sich erst ändern, wenn pro Fahrtrichtung zwei Gleise zur Verfügung stehen und zwei Züge zeitgleich abgefertigt werden können. Genau dafür wird ein Teil der Millionenförderung eingesetzt. Erst die neuen Bahnsteige in Deutz und am Hauptbahnhof machen es möglich, mehr Züge und zusätzliche Linien anzubieten.

Neue S-Bahn in Köln-Deutz Simulation

Das ist die Zukunft: Ein neuer S-Bahnzug steht am Bahnhof Köln-Messe/Deutz. Auf der rechten Seite wird es einen zusätzlichen Bahnsteig mit zwei Gleisen geben

Warum?

Jede Regionalbahn, die in Zukunft als S-Bahn elektrisch zum Beispiel Richtung Eifel fährt, schafft Platz für mehr Züge auf den Gleisen des Fern- und Regionalverkehrs. Mehr Platz bedeutet mehr Pünktlichkeit. Der Fern- und Regionalverkehr steht aktuell häufig vor der Einfahrt in den Hauptbahnhof im Stau, weil alle Gleise belegt sind. Die Verspätungen, die in Köln entstehen, breiten sich wie ein Virus auf das gesamte Bahnnetz in Deutschland aus.

Wird es in Zukunft denn noch mehr Bahnverkehr in Köln geben?

Ja. Im Fernverkehr soll bis 2040 schrittweise der Deutschlandtakt eingeführt werden, bei dem alle großen Metropolen im 30-Minuten-Takt verbunden sein soll, die kleineren Städte im Stundentakt. Und dann gibt es ja noch den Rhein-Ruhr-Express (RRX). Der soll, wenn der Ausbau abgeschlossen ist, alle 15 Minuten zwischen Köln, Düsseldorf und Dortmund fahren.

Welche Projekte gehören noch zum Ausbau des Bahnknotens Köln?

Ganz aktuell die Verlängerung der S-Bahn-Linie 13 zwischen Troisdorf und Bonn-Beuel. Sie ist schon weit fortgeschritten und wird im Dezember 2026 abgeschlossen sein. Zwei Jahre früher als geplant. Die Arbeiten konnten vorgezogen werden und finden nun im Windschatten der Generalsanierung der rechten Rheinstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden statt, die am 10. Juli beginnt. Damit sind 80 Prozent der Ausbaustrecke fertig und die Weichen für den S-Bahn-Verkehr zwischen Bonn und dem Flughafen Köln/Bonn gestellt. Der letzte Abschnitt zwischen Bonn-Beuel und Oberkassel wird erst nach 2030 gebaut.

Und sonst?

Bis 2040 ist geplant, das S-Bahn-Netz rund um Köln von derzeit fünf auf zehn Linien zu verdoppeln. Nach der Stammstrecke der S-Bahn zwischen Köln-Messe/Deutz und Hansaring, die mit 836 Millionen Euro seit Dienstag abgesichert ist, geht es um den Ausbau der sogenannten Westspange zwischen Köln-Hansaring und Hürth-Kalscheuren.

Was ist zwischen Hansaring und Kalscheuren genau geplant?

Der Abschnitt wird um zwei Gleise erweitert, auf denen ausschließlich S-Bahnen fahren sollen. Heute müssen sich auf dieser Strecke Fern-, Güter- und Regionalzüge die Gleise teilen. Das führt immer wieder zu Verspätungen und Zugausfällen. Mit der separaten Infrastruktur für die S-Bahn wird eine Entflechtung der verschiedenen Verkehre möglich. Das soll den Bahnbetrieb im Großraum Köln zuverlässiger machen. Die Planungsvereinbarung wurde im Sommer 2025 unterschrieben. Der Ausbau wurde damals auf rund 2,3 Milliarden Euro geschätzt. Das wird aber nicht reichen.

Ist diese Finanzierung denn auch gesichert?

Der Bund hat im vergangenen Jahr zugesagt, 75 Prozent über das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz zur Verfügung zu stellen, mithilfe dessen der Bund die Bundesländer bei Investitionen in Verkehrsprojekte unterstützt. Das Land NRW wird zusätzlich bis zu 900 Millionen Euro beisteuern.

Das ist viel Geld. Was wird sich nach dem Ausbau konkret verbessern? Nach Abschluss der Bauarbeiten sollen elektrisch angetriebene S-Bahn-Züge der geplanten Linien S 15, 16 und 17 über die Westspange fahren. Bisher sind dort noch teilweise dieselbetriebene Regionalbahnen auch Richtung Eifel unterwegs. Die Eifelstrecken werden derzeit mit Oberleitungen ausgerüstet. Die neuen S-Bahnen werden in einem kürzeren Abstand fahren. Bis zu 24 Züge pro Stunde und Richtung sind möglich.

Die Bahnbrücken in der Innenstadt sollen ab Herbst 2028 ausgetauscht werden. Hat das auch etwas mit dem Ausbau der Westspange zu tun? Ja. Es geht um vier Brücken in der Innenstadt: Venloer Straße, Vogelsanger Straße, Zülpicher Straße und Luxemburger Straße, die ab Herbst 2028 erneuert werden. Deshalb wird zwischen dem Kölner Hauptbahnhof und Hürth-Kalscheuren 16 Monate lang kein Zug fahren. Die Verkehrskonzepte stehen noch nicht endgültig fest. Erste Entwürfe sind auf viel Widerstand gestoßen, weil man aus Bonn und der Eifel den Kölner Hauptbahnhof nicht mehr direkt erreichen kann.

Für die neuen S-Bahnstrecken braucht man aber doch auch mehr Züge. Wie sieht es da aus?

Im Juli 2024 haben die Verkehrsverbände go.Rheinland und VRR 90 neue S-Bahnen beim Zughersteller Alstom bestellt, die ab 2029 geliefert werden sollen und für den Einsatz von Digitaltechnik vorbereitet sind: ein Auftrag von insgesamt fünf Milliarden Euro. Die Züge sollen ab 2029 im gesamten Netz fahren. Ziel ist es, die gesamte Flotte nacheinander bis zum Fahrplanjahr 2033 zum Einsatz zu bringen.