Polizei-Schüsse in den RückenKollege schildert kuriosen Einsatz aus der Vergangenheit

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Der angeklagte Polizist (l.) neben seinem Verteidiger. Rechts wird der Beschossene in den Saal geführt.

Köln – Ein schief gelaufener Einsatz, ein Polizist gibt Schüsse auf einen Flüchtenden ab, trifft ihn im Rücken. Wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt muss sich der 46-jährige Beamte vor dem Landgericht verantworten. Am Montag hinterfragten die Richter die Persönlichkeit des Angeklagten. Ein ehemaliger Kollege berichtete in diesem Zusammenhang von einem bemerkenswerten Ereignis.

Kollege berichtet von kuriosem Einsatz

Vor etwa sieben Jahren sei man auf die Idee gekommen, potentielle Straftäter in der Kölner Altstadt anzulocken. „Ich habe einen Betrunkenen simuliert, bin mit Bierflasche in der Hand wankend durch die engen Gassen gegangen“, sagte der Zeuge (36). Drei Männer hätten dann aggressiv nach Feuer gefragt, woraufhin der jetzt angeklagte Kollege dazwischen gegangen sei, „um mich zu schützen.“

„Hatte Ihr Kollege dabei die Waffe gezogen?“, fragte der Vorsitzende Richter Peter Sommer gezielt nach. Der Zeuge konnte sich aber nicht mehr erinnern. Warum er denn überhaupt den Lockvogel gespielt habe, wollte Richter Sommer wissen. „Das war jetzt nicht unsere originäre Aufgabe“, wich der Zeuge aus. „Sondern?“, hakte der Richter nach. „Wenn eine Tat geschehen ist, diese aufzuklären.“

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Schlecht vorbereitet in den Einsatz gegangen?

Offenbar sei der Angeklagte auf die Idee zu dem speziellen Einsatz gekommen, „weil gerade in der Nacht nicht viel los war“, so der Zeuge. Ob der Angeklagte denn generell gut vorbereitet in seine Einsätze ginge oder eher spontan, fragte der beisitzende Richter Michael Waschkau. Dazu konnte der Zeuge konkret nichts sagen. Er bezeichnete den ehemaligen Kollegen jedoch als engagiert.

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Dass der Angeklagte womöglich nur schlecht vorbereitet in den vor Gericht behandelten Einsatz im Juli 2019 ging, zeigt der Prozessverlauf. Der 46-Jährige wollte einen Haftbefehl gegen einen Intensivtäter (19) vollstrecken. Handy-Daten hatten als Standort den Bereich Agnesviertel angezeigt. Dass der Gesuchte dort bei seinen Eltern wohnte, war dem Oberkommissar aber nicht präsent.

Beamter will schwarzen Gegenstand gesehen haben

Man habe zunächst nur Fitness- und Box-Clubs aufsuchen wollen, dann sei man überrascht gewesen, dass sie den Gesuchten plötzlich auf der Straße gesehen hätten. Dabei war dieser nicht weit von seiner Wohnung entfernt. Nach einer Verfolgungsjagd war der Jugendliche in einen Getränkemarkt am Sudermanplatz gelaufen. Der Beamte folgte ihn und entdeckte den jungen Mann im Kühlraum.

Der Angeklagte will einen schwarzen Gegenstand beim Gesuchten erblickt und auch deshalb das Feuer eröffnet haben. Ein solcher Gegenstand wurde aber nicht gefunden. Noch im Kassenbereich des Marktes war der Beschossene zusammengebrochen. Er habe nicht realisiert, dass Polizisten ihn verfolgt hätten, sagte der, da diese in zivil unterwegs gewesen seien. Der Prozess wird fortgesetzt.

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