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„Escht Kabarett“ in der Synagoge„In Köln sollen nicht die Weltkonflikte ausgetragen werden“

Das Kabarett war in der Kölner Synagoge an der Roonstraße zu Gast.

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Die Kabarett-Protagonisten und Christian Bechmann stehen auf einer Bühne.

„Escht Kabarett“-Gründer Christian Bechmann (r.) in der Kölner Synagoge, zusammen mit den Protagonisten des Abends

Der Nahostkonflikt spielte keine große Rolle, als die Reihe „Escht Kabarett“ jetzt Station in der Kölner Synagoge an der Roonstraße machte. „Es geht darum, dass jüdische und nicht-jüdische Kölner zusammen sind, ohne dass wir hier die Weltkonflikte austragen“, sagte „Escht Kabarett“-Gründer Christian Bechmann, bevor das humoristische Sextett aus Jürgen Becker, Martin Zingsheim, Stefan Reusch, Dagmar Schönleber, Gerd Köster und Gerd Buurmann die Bühne des Saals unterhalb der Synagoge bespielte.

Das heißt natürlich nicht, dass der besondere Ort, den die Nazis während der Novemberpogrome 1938 in Brand setzten und der aufgrund der Gefährdungslage ständig gesichert werden muss, keinen Niederschlag fand im Programm. „Antisemitismus nimmt auch in Köln zu“, so Moderator Jürgen Becker: „Wir müssen aus der Mitte der Gesellschaft dafür sorgen, dass es nicht so weitergeht.“

Friedrich Merz sitzt fest im Sattel, aber ohne Pferd

Gemeinsames Lachen ist schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Ansonsten sei das Kabarett der Ort, „wo man versucht, mit Problemen klarzukommen, ohne eine Lösung zu haben“, stellte Martin Zingsheim fest. Vor allem in Köln, wo Spielplätze mal in „Spiel- und Aktionsflächen“ umbenannt werden sollten, sei der Wahnsinn nur einen Steinwurf entfernt. Er bereite sich schonmal auf den Weltuntergang vor – mit einer Tüte Notfall-Pointen.

Pointen hatte der Abend reichlich zu bieten und die meisten davon trafen den Nerv des Publikums. Gekonnt arbeitete sich Stefan Reusch am Bundeskanzler ab. Friedrich Merz, Erfinder der vollen Zahnarztpraxis, sitze fest im Sattel, nur das Pferd sei weg. Dagmar Schönleber übte sich in Dentalkunde. „Ich bin Zahnzwischenraumreinigungs-Influencerin“, reimte sie an der Gitarre: „Achtest du nicht auf den Zahnzwischenraum, werden nicht nur die Zähne braun.“

Gerd Köster erfreute das kölsche Hätz schließlich mit Verzällcher mitten aus dem Leben, wärmte die schönsten Anekdoten über Boxer „Müllers Aap“ auf und ließ die Kölner Kirchenglocken in einen herrlichen Dialog treten. Heinrich Heine hatte für den noch unfertigen Dom nur Spott übrig, den er in seinem Wintermärchen in bissige Reime verpackte. Gerd Buurmann rezitierte in Gestalt des Dichters aus dem satirischen Versepos – das erste und letzte Wort des gelungenen Abends „unter der Kippa-Colonia“ gehörte also einem gebürtigen Düsseldorfer.

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