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Köln früher und heuteWie die Villenkolonie in der Marienburger Ulmenallee entstand

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Ansichtskarte zeigt die Ecke Ulmenallee/ Marienburger Straße

Auch wenn Bayenthal draufsteht, handelt es sich um eine Ansichtskarte aus Marienburg. Sie zeigt die Ecke Ulmenallee/ Marienburger Straße etwa im Jahr 1910.

In unserer Serie „Köln früher und heute“ stellen wir wichtige Kölner Bauwerke, Plätze und Siedlungen vor. Diesmal: die Ulmenallee.

Von Geräuschen blieb man lieber unbehelligt an der Ulmenallee. Ein Leser des „Kölner Lokal-Anzeiger“ echauffierte sich am 23. April 1909 darüber, dass eine Gruppe von Erstkommunionskindern von einem Polizeibeamten zur Ruhe ermahnt wurde. Die Kinder, begleitet von einem Geistlichen, hatten es offenbar gewagt, auf offener Straße ein Volkslied anzustimmen. Zumindest der Leser brachte für das Einschreiten des Beamten kein Verständnis auf, weise die Ulmenallee doch auf beiden Seiten große Gärten auf, „in denen vereinzelt eine Villa steht“.

Ruhig und beschaulich ist die Ulmenallee noch immer. Die Straße, die heute „Unter den Ulmen“ heißt, gehört zum Stadtteil Marienburg, der sich zwischen dem ausgehenden 19. Jahrhundert und den 1920er Jahren als feine Villenkolonie herausputzte. Namensgeberin war die Marienburg, ein Gutshof, der samt umliegender Felder in den 1860-er Jahre in die Hände des Industriellen Ernst Leybold fiel. Er verwandelte das einst ungastliche Gebiet zwischen Bayenthal und Rodenkirchen in ein Wohn-Paradies für die Kölner Haute volée.

„Da ist zum Teil die reiche Klientel hingelockt worden, die vorher an den parkartigen Ringabschnitten wohnte“, sagt der ehemalige Kölner Stadtkonservator Ulrich Krings. Denn im Kölner Süden ließ es sich ungleich ruhiger und gediegener leben als in der Innenstadt – wenngleich es immer wieder Konflikte gab wegen der unschönen Gerüche und Geräusche, die aus dem industriell geprägten Nachbar-Stadtteil Bayenthal herüberdrangen. Man rümpfte zuweilen die Nase im Villenviertel.

Einkaufsmöglichkeiten „überflüssig“

Gebaut wurde „auf der Marienburg“ in allen erdenklichen architektonischen Richtungen, gerne auch im englischen Landhausstil. Architekten wie Otto March, Paul Pott, Theodor Merrill und Dominikus Böhm hinterließen ihre Visitenkarten. Selbst die Häuschen des Personals machten einen „entzückenden Eindruck“, wie die Presse schrieb.

Einkaufsmöglichkeiten gab es dagegen kaum. „Das war auch überflüssig“, wie sich Bruno Hansen in einem Buchbeitrag an seine Marienburger Kindheit ab den 1930-er Jahren erinnerte: „Denn die Ware wurde selbstverständlich zu den hochherrschaftlichen Villen frei Haus geliefert.“ Wahlweise ließen sich die „hohen Herrschaften“ von ihren Chauffeuren in die Stadt fahren. Eine solche Szene greift auch die historische Aufnahme aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg auf, wenngleich das gezeigte Fahrzeug dreist in das Foto montiert wurde.

Die Ecke Unter den Ulmen/ Marienburger Straße

Die Ecke Unter den Ulmen/ Marienburger Straße heute. Die Villa aus dem Jahr 1901 ist – stark vereinfacht – erhalten geblieben. Die früheren Ulmen sind Ahornbäumen gewichen: Ein Pilz hat den Kölner Ulmenbestand größtenteils dahingerafft.

Gezeigt wird die Ecke Ulmenallee/ Marienburger Straße. Ulmen stehen hier schon lange nicht mehr. Sie fielen, wie fast alle Kölner Ulmen, einem Pilz zum Opfer, der ab dem Jahr 1900 um sich griff. Die Villa an der Kreuzung, 1901 erbaut durch Architekt Adolf Nöcker im Auftrag eines Oberlehrers, hingegen ist noch vorhanden. In den 1960-er oder 1970-er Jahren sei das Gebäude allerdings „bis zur Unkenntlichkeit“ modernisiert worden, so Ulrich Krings. Andere Villen sind original erhalten geblieben. Doch es gab auch Totalverluste – durch Abbruch etwa oder Beschuss im Zweiten Weltkrieg.

Das gilt für das Anwesen, das Ulrich Krings als Hauptwerk des Viertels bezeichnet. Hierbei handelte es sich um die Jugendstil-Villa des Tabakhändlers und Kunstfreundes Josef Feinhals an der Lindenallee, die im Krieg von einer Bombe getroffen wurde. Eine burgartige Villa von Schokoladenfabrikant Heinrich Stollwerck, einst direkt neben dem Bismarckdenkmal am Rheinufer, ist bereits seit den 1930-er Jahren aus dem Stadtbild verschwunden. Sie gehörte zuletzt dem jüdischen Unternehmer Ottmar Strauss, dessen Vermögenswerte von den Nazis beschlagnahmt wurden. Wie er musste auch die jüdische Familie Tietz Deutschland verlassen, deren Marienburger Villa beschlagnahmt und deren Warenhaus-Konzern arisiert wurde.

Nach dem Krieg, als Bonn Hauptstadt wurde, siedelten sich Botschaften und Konsulate in Marienburg an. Die wohlhabenden Bewohner indessen zogen vermehrt in den Hahnwald weiter, wo es sich noch repräsentativer lebte. Viele der weitläufigen Grundstücke in Marienburg seien mittlerweile parzelliert und zur Bebauung freigegeben worden, so Ulrich Krings. „Das ist natürlich lukrativer.“