Abo

16-Jährige verkauft?Menschenhandel und Geldwäsche – Kölner Großfamilie vor Gericht

2 min
Bei der Razzia in Ostheim wurden auch Luxusautos des Clans beschlagnahmt. (Archivbild)

Bei der Razzia in Ostheim wurden auch Luxusautos des Clans beschlagnahmt. (Archivbild)

Die Vorwürfe gegen eine Kölner Großfamilie wiegen schwer. Doch nach dem ersten Prozesstag ist das Verfahren offener als gedacht.

Fünf Mitglieder einer Großfamilie aus Ostheim müssen sich unter anderem wegen Geldwäsche, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Menschenhandel vor dem Kölner Landgericht verantworten. Im Zentrum des Verfahrens steht das Familienanwesen der Angeklagten, das laut Anklage durch die Begehung von Straftaten und Sozialbetrug finanziert worden sein soll.

Köln: Villa in Ostheim mit Straftaten finanziert?

Gelder aus Trickbetrügen zum Nachteil von Senioren seien laut Staatsanwaltschaft in die Finanzierung geflossen. Zudem von Familienmitgliedern in der Höhe zu Unrecht erhaltene Sozialleistungen der Stadt Köln. Zuständig für die Verwaltung der Ostheimer Villa soll die 44-jährige Angeklagte gewesen sein, die mit ihrem Sohn, ihren Eltern und einer Schwester auf der Anklagebank sitzt.

Zusätzliche Brisanz erhält das Verfahren durch den Vorwurf des Menschenhandels. So soll der heute 26-jährige Angeklagte durch eine Art „Kaufvertrag“ über 85.000 Euro nach Roma-Art mit einer damals 16-Jährigen verheiratet worden sein. Der Familie soll das Mädchen laut Akten als „gute Diebin“ angepriesen worden sein. Das investierte Geld sollte diese laut Anklage durch Straftaten abarbeiten.

Köln: Unausgefüllter Vertrag zu Heiratsverpflichtungen gefunden

Bei einer Razzia im Juni 2020 stießen die Ermittler auf dem Mobiltelefon eines Familienangehörigen auf einen unausgefüllten Vertrag zu Heiratsverpflichtungen. Das einseitige Dokument enthält mehrere Rubriken, in denen der Verkäufer eine Zahlung für seine Tochter bestätigt. Zunächst ist lediglich ein Teilbetrag vorgesehen. Der Restbetrag soll nach dem Vollzug der Ehe entrichtet werden.

Im Gegenzug hält der Käufer fest, dass sich die Braut im Haushalt ihres Ehemannes unterzuordnen und dessen Regeln zu befolgen habe. Außerdem wird verlangt, dass die zukünftige Schwiegertochter noch Jungfrau ist. Das Mädchen ging in der Folgezeit auf Diebestour und wurde bereits zu einer Haftstrafe verurteilt. Ob die Taten unter Zwang begangen wurden, muss der aktuelle Prozess zeigen.

Köln: Mehrere Vorwürfe lassen sich wohl nicht beweisen

Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der Familienclan aus Köln zu einem überregional agierenden Netzwerk von Balkan-Familien gehören, das bundesweit Diebstähle begangen und Leistungen des Jobcenters erschlichen haben soll. Nach einer Razzia in der Villa saß die Hausverwalterin mehrere Monate in Untersuchungshaft. Nach der Entlassung ruhte der Fall zunächst bei der Kölner Justiz.

Verteidiger Frank Hatlé bestritt die Vorwürfe gegen die Hauptbeschuldigte beim Prozessauftakt und sprach von einer „fantasievollen Anklageschrift“. Und auch der Vorsitzende Richter deutete an, dass sich die meisten Vorwürfe wohl nur schwer beweisen ließen, darunter der Menschenhandel. Demnach könnte lediglich der Sozialbetrug übrigbleiben. Ein Urteil soll frühestens im Mai fallen.