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Ehrung im Historischen RathausKölner Politik verabschiedet sich von Ex-OB Henriette Reker

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02.01.2026, Köln: Oberbürgermeister Torsten Burmester verabschiedet seine Vorgängerin Henriette Renker mit einem Festakt im Historischen Rathaus.
Im Bild Henriette Reker.

Foto: Michael Bause

Die ehemalige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei ihrer Verabschiedung im Historischen Rathaus.

Rekers Nachfolger Burmester fand wohlwollende Worte. Lob gab es für ihr Krisenmanagement und ihre Haltung.

„Sie haben vom ersten Arbeitstag an alles Persönliche hinter ihr Amt gestellt. Ihre klare Priorität lautete: Köln. Alles andere hatte sich unterzuordnen.“ So würdigte Oberbürgermeister Torsten Burmester am Dienstag im Historischen Rathaus seine Vorgängerin Henriette Reker. Den Rahmen bildete eine Festsitzung des Stadtrats zu Ehren der Frau, die die Geschicke der Stadt bis zum 31. Oktober 2025 zehn Jahre lang gelenkt hat. Zur Feier kamen Hunderte Gäste aus Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft, darunter Vertreter von Kirchen, Kultur und Karneval. In alter Verbundenheit nahm Kölns früherer Stadtdirektor Stefan Keller teil, der seit 2020 Oberbürgermeister von Düsseldorf ist.

Reker habe einen „hohen Anspruch an sich selbst“ gehabt, sagte Burmester: „Immer erreichbar und immer bereit, an die eigenen Grenzen zu gehen“, mit Disziplin, Leistungsbereitschaft und einem „Arbeitsethos, das einige vielleicht sogar als ‚preußisch‘ bezeichnen würden.“ Von der Bewältigung der Corona-Pandemie, während der Köln zum „Vorbild für wirkungsvolles kommunales Krisenmanagement“ geworden sei, bis zu ihrem Beitrag dazu, nach dem russischen Überfall auf die Ukraine den Rosenmontagszug „in eine Friedensdemonstration umzuwandeln“ – Reker habe Köln „mit jeder Faser ihres Seins gedient“, so Burmester.

02.01.2026, Köln: Oberbürgermeister Torsten Burmester verabschiedet seine Vorgängerin Henriette Renker mit einem Festakt im Historischen Rathaus.
Im Bild Torsten Burmester und Henriette Reker.

Foto: Michael Bause

Oberbürgermeister Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Renker enthüllen Rekers Portrait.

Sie habe sich an die Seite all jener gestellt, „die kein oder kaum eine Lobby habe“, und sei „immer ehrlich zu den Kölnern und Kölnerinnen gewesen, auch wenn es unangenehm wurde“. Burmester zollte ihr „großen Respekt vor Ihrer Leistung als erste Oberbürgermeisterin in Kölns 2000-jähriger Stadtgeschichte“. Einen Bezug zu dieser Historie hat das Geschenk, das er ihr machte: der Nachguss einer römischen Münze aus der Amtskette des Oberbürgermeisters, die Agrippina die Jüngere, die Stadtgründerin Kölns, zeigt.

Lob aus Politik und Wirtschaft

„Sie war immer eine Frau mit Haltung“, sagte Bettina Böttinger, die die Talkrunde auf dem Podium moderierte. Nathanael Liminski, NRW-Europaminister und Chef der Staatskanzlei, sagte, Reker habe früh die „Schwerpunkte der Stadt“, etwa als Medienstandort, erkannt und sich dafür eingesetzt, sie zu stärken. Wie Burmester hob er hervor, dass Köln mit dem Corona-Krisenmanagement „Maßstäbe gesetzt“ und Reker, einem „klaren inneren Kompass“ folgend, Entscheidungsstärke bewiesen habe, als sie 2022 den Rosenmontagszug abgesagt habe – mit der Folge, dass die größte Friedensdemo in der Geschichte der Stadt entstand. Als Geschenk überreichte er ihr den Karnevalsorden der Landesregierung.

Werner Görg, ehemaliger Präsident der Kölner Industrie- und Handelskammer, lobte Reker dafür, dass in ihrer Amtszeit die „Köln-Business Wirtschaftsförderung“ aus der Taufe gehoben wurde. Die Tochtergesellschaft der Stadt sei Vorbild für viele andere Kommunen. Überdies rechnete er es Reker hoch an, dass sie allen Wünschen oder gar Forderungen nach einer Erhöhung der Gewerbesteuer widerstanden habe.

02.01.2026, Köln: Oberbürgermeister Torsten Burmester verabschiedet seine Vorgängerin Henriette Renker mit einem Festakt im Historischen Rathaus.
Im Bild Torsten Burmester und Henriette Reker.

Foto: Michael Bause

Henriette Reker trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Köln ein.

Im Rahmen der musikalisch begleiteten Feier trug sich die 69-Jährige in das Goldene Buch der Stadt ein. Gemeinsam mit Burmester enthüllte sie zwei Porträts von sich: ein großformatiges Foto, das künftig neben dem Eingang zum Ratssaal hängt, und ein Ölgemälde der Künstlerin Helena Parada Kim, das neben dem Amtszimmer des Oberbürgermeisters angebracht wird.

Reker zieht Bilanz

In ihrer Rede sagte Reker, sie sei 2010 aus Gelsenkirchen in ihre Heimatstadt mit der Absicht zurückgekehrt, nach dem Einsturz des Stadtarchivs den Kölnern und Kölnerinnen das Vertrauen in die Stadtverwaltung zurückzugeben. „Bis zum Herbst 2014 kam mir überhaupt nicht in den Sinn, Oberbürgermeisterin von Köln zu werden.“ Doch als sie, parteilos und damals als Sozialdezernentin tätig, zunehmend „Kölner Persönlichkeiten aller Couleur“ darauf angesprochen hätten, sei der Entschluss zur Kandidatur gereift. Getragen wurde sie von einem Unterstützungsbündnis aus Grünen, CDU und FDP. Einen Tag vor ihrer Wahl im Oktober 2015 wurde sie von einem Rechtsextremisten niedergestochen und lebensgefährlich verletzt.

Als Erfolge ihrer Amtszeit nannte sie unter anderem die schnelle Umsetzung von Schulbauprojekten, die Gründung von „Köln-Business“, die systematische Beteiligung von Bürgern und Bürgerinnen sowie die Wärme-, Mobilitäts- und Klimawende. Ebenso die Verwaltungsreform, die „interne Prozesse verschlankt“ habe, aber „leider nicht von allen verstanden wird“. Die Menschen erwarteten von der „direkt gewählten Identifikationsfigur“ an der Stadtspitze, dass sie den Wandel der Verhältnisse, der sich beschleunigt habe, „nicht nur managt, sondern die Stadt auch mit klarer Haltung entwickelt und Entscheidungen erklärt“. Das habe sie „nach bestem Wissen und Gewissen getan.“

Ihrem Mann Perry Somers dankte Reker dafür, dass er sie in den zehn Jahre ihrer arbeitsreichen Amtszeit „hingebungsvoll versorgt“ habe. Ihr sei es „die größte Ehre meines Lebens“ gewesen, „die erste Frau an der Spitze dieser Stadt zu sein“.