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DreikönigsempfangOB Burmester: Ehrenamt hält Köln im Innersten zusammen

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13.01.2026, Köln:   Gregor Stiels vom Katholikenausschuss, Oberbürgermeister Torsten Burmester und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine (v.l.) beim Dreikönigsempfang im Maternushaus. Foto: Arton Krasniqi

Gregor Stiels vom Kölner Katholikenausschuss, Oberbürgermeister Torsten Burmester und Stadtdechant Monsignore Robert Kleine (v.l.) beim Dreikönigsempfang 2026 des Stadtdekanats und des Katholikenausschusses im Maternushaus. 

Der Vorsitzende des Kölner Katholikenausschusses, Gregor Stiels, tritt nicht zur Wiederwahl an. Beim Dreikönigsempfang geht er mit der Bistumsleitung unter Kardinal Rainer Woelki hart ins Gericht. 

Der Dreikönigsempfang des katholischen Stadtdekanats und des Katholikenausschusses gehört in Köln zum Jahresauftakt-Programm wie die Sternsinger, das Festhochamt am 6. Januar im Dom und – so jedenfalls postuliert es Stadtdechant Robert Kleine am Montagabend selbstbewusst – die Prinzenproklamation. Nach dem Besuch beider Events, sagt Kleine scherzend zu Torsten Burmester (SPD), könne der Oberbürgermeister sich nun getrost ausruhen.

Burmester quittiert das im Maternushaus, dem „kirchlichen Gürzenich“ (Kleine), angemessen humorvoll-skeptisch. Wie seine Vorgängerin Henriette Reker, die „außer Dienst“ den Empfang besucht, gibt auch der neue OB mit seiner Teilnahme und einem Grußwort dem vielfältigen sozialen Engagement der Kirchen, ihrer Verbände und Organisationen in Köln die Ehre. Er danke allen, die mit ihrem haupt- und ehrenamtlichen Einsatz „Köln im Innersten zusammenhalten – mit klarem Kompass für das Gemeinwohl“, sagt der OB.

Köln ist stark, weil es ein soziales Netz hat - und dieses Netz tragen Sie.
Oberbürgermeister Torsten Burmester

Die Würdigung dieses Dienstes stellt Burmester betont in den Kontext von Krisen, bewusst zerstörerischen Kräften und wachsendem Misstrauen, die an den Einzelnen und der Gesellschaft nagten. Dagegen setzt er den Ruf nach einer neuen Verantwortungsgemeinschaft der Stadt und der sozialen Träger. „Köln ist stark, weil es ein soziales Netz hat – und dieses Netz tragen Sie“, sagt der OB und spricht von einem „entscheidenden Beitrag für den sozialen Frieden in dieser Stadt“.

Mit Blick auf Haushaltszwänge und Finanzierungsengpässe verspricht Burmester den Trägern des sozialen Köln einerseits eine „frühe Einbindung“ und „ehrliche Gespräche über das, was möglich ist und was nicht möglich ist“, andererseits aber auch mehr Eigenverantwortung anstelle „kleinteiliger Steuerung“. Gemeinsam, so Burmester unter großem Applaus der mehr als 100 Gäste aus Politik und Gesellschaft, gelte es zu „verhindern, dass wichtige Strukturen wegfallen“.

Der Machtmissbrauch in der Kirche ist nicht aufgearbeitet.
Gregor Stiels, Vorsitzender des Kölner Katholikenausschusses

Einen personellen Wechsel kündigt Gregor Stiels an. Als Vorsitzender des Katholikenausschusses ist er seit acht Jahren Gesicht und – gemäß dem Selbstverständnis des Dachverbands – „die Stimme der katholischen Laien in Köln“. Aus persönlichen Gründen werde er im März nicht zur Wiederwahl antreten, erklärt Stiels. Sein Grußwort gerät somit auch zu einer vorgezogenen Bilanz seiner Amtszeit. Mit der Kirchenleitung im Erzbistum Köln unter Kardinal Rainer Woelki, dessen Name den ganzen Abend kein einziges Mal fällt, geht Stiels hart ins Gericht, spricht von Führungs- und Orientierungslosigkeit, einem anhaltenden erheblichen Vertrauensverlust. Der Machtmissbrauch in der Kirche sei „nicht aufgearbeitet“, schillernde Begriffe wie Partizipation oder Synodalität blieben ungeklärt und damit schwer handhabbar. Angesichts bevorstehender finanzieller und struktureller Einschnitte warnt Stiels vor einem Rückzug aus der Fläche. „In jedem Veedel muss ein Kirchort erhalten bleiben“ – am besten in gemeinsamer, ökumenischer Verantwortung.

Zugleich betont  Stiels die politische Dimension des Glaubens und richtet auf dieser Basis einen Appell an die Verantwortlichen der Stadt: „Trotz leerer Kassen darf es keinen Abbau von sozialem Frieden geben.“ Die Kirche wolle kritische, konstruktive und verlässliche Partnerin sein und bleiben – im Dienst an einer Politik, „die allen gerecht wird“.

Die Hoffnung hat zwei schöne Töchter: den Zorn und den Mut.
Hl. Augustinus (354 bis 430), zitiert von Gregor Stiels

In Anwesenheit des CDU-Fraktionsvorsitzenden Bernd Petelkau stellt Stiels sich dezidiert hinter das zuletzt umstrittene Fairness-Abkommen des Runden Tischs für Integration, mit dem in Köln Wahlkämpfe zulasten von Minderheiten ausgeschlossen werden. Die Kölner CDU hatte dieses Abkommen kürzlich aufgekündigt. Es gehe nicht um „Maulkörbe“. In Wahlkämpfen „müssen wir über alle Themen, Herausforderungen und Probleme reden“, so Stiels. „Es kommt aber darauf an, wie.“ Hetze, das Schüren von Ängsten und die pauschale Herabwürdigung brandmarkt Stiels „als zutiefst unmenschlich, undemokratisch und unchristlich“ – auch dafür mit starkem Beifall bedacht.

Er gehe, schließt Stiels, nicht ohne Hoffnung, die – nach einem Wort des heiligen Augustinus – „zwei schöne Töchter“ habe: den Zorn und den Mut.

„Was brauchen wir heute und morgen wirklich, um als Kirche gewinnend und ausstrahlend zu sein – und was nicht oder nicht mehr?“
Robert Kleine, Stadtdechant von Köln

Wie Stiels kommt Stadtdechant Kleine auf die künftige Ausrichtung der Kirche in Köln zu sprechen - nach einem kleinen „Best of“ seiner Beiträge zum Jahreswechsel (Gastbeitrag im „Kölner Stadt-Anzeiger“), im Jubiläumsgottesdienst aus Anlass des 150. Geburtstags von Konrad Adenauer und bei der Prinzenproklamation, wo er als Ehrengast nicht nur die Leerstelle des erneut nicht eingeladenen Erzbischofs füllte, sondern auch – ein besonderes Zeichen des Festkomitees – eine Laudatio auf das Ehrenamt halten durfte.

13.01.2026, Köln:  Stadtdechant Monsignore Robert Kleine beim Dreikönigsempfang im Maternushaus. Foto: Arton Krasniqi

Stadtdechant Monsignore Robert Kleine beim Dreikönigsempfang 2026 im Maternushaus.

Die Verantwortlichen im Stadtdekanat beschäftige die Frage: „Was brauchen wir heute und morgen wirklich, um als Kirche einladend, dienend, glaubwürdig und missionarisch, das heißt gewinnend und ausstrahlend zu sein – und was nicht oder nicht mehr?“ Antworten auf diese Frage erwartet Kleine nach eigenen Worten auch „von außen“ – von der Stadtgesellschaft. Diese Perspektiverweiterung soll eine rein binnenkirchliche Aufgabenkritik vermeiden helfen. Heraus aus der Blase, das sei die Devise, sagt Kleine auf Nachfrage. Die Resonanz von außen müsse Gehör und Gewicht bekommen – als „produktive Störung des Systems“.

Stiels‘ Kritik am Erzbistum quittiert Kleine auf Nachfrage mit Verständnis für dessen Rolle: Für die Laien müsse Stiels die Dinge „eher pointiert sagen“. Er selbst, so Kleine, sehe vieles positiver und teile auch nicht Stiels‘ Befürchtung, dass in den anstehenden Reformprozessen die Vorschläge der Basis am Ende von oben kassiert würden.