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Breite RatsmehrheitStadt Köln darf Suchthilfezentrum im Pantaleonsviertel weiterplanen

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05.02.2026 Köln. Der Verein Arche für Obdachlose e.V. will mit einer Kundgebung vor dem Rathaus seine Unterstützung für den Bau des geplanten Suchthilfezentrum (SHZ) ausdrücken. Der Neubau ist umstritten. Foto: Alexander Schwaiger

Demonstranten unterstützen vor der Ratssitzung das neue Suchthilfezentrum.

Die Politik hat die Zustimmung aber an einige Bedingungen geknüpft. So muss die Stadt etwa eine durchgängige Öffnung sicherstellen.

Anwohner und Unterstützer hatten sich am Donnerstag bereits eine Stunde vor der Ratssitzung am Rathaus getroffen, um für und gegen das neue Suchthilfezentrum für schwerstabhängige Suchtkranke in der Kölner Innenstadt zu demonstrieren. Am Ende nutzte der lautstarke Protest der eigens gegründeten Bürgerbewegung IG Pantaleonsviertel jedoch nicht. Der Stadtrat hat am Ende mit breiter Mehrheit und in seltener Einigkeit beschlossen, dass die Stadt Köln ihre Planungen fortsetzen soll. Die AfD stimmte dagegen. Ein Baubeschluss wird noch folgen.

Engagement der Anwohner

Mit Plakaten tauschten die zwei kleinen Demonstrationsgruppen vor der Ratssitzung ihre Argumente aus. Auf dem Laurenzplatz hieß es bei den Unterstützern: „Ja, zu Menschlichkeit“. Auf dem Theo-Burauen-Platz war bei den Gegnern zu lesen: „Kinder brauchen Spielplatz“, in Anspielung darauf, dass das Suchthilfezentrum auf einer Fläche zwischen Perlengraben und Wilhelm-Hoßdorf-Straße entstehen soll, die bislang als Spielplatz ausgewiesen ist.

Ganz erfolglos war das Engagement der Anwohnerinnen und Anwohner aber trotz der deutlichen Mehrheit im Stadtrat für das Suchthilfezentrum nicht. Denn Grüne, CDU, SPD, Linke, Volt und FDP/KSG knüpften ihre Zustimmung an einige Bedingungen, die sie in einem Änderungantrag festhielten. Demnach muss die Stadtverwaltung bis zum Baubeschluss ein umfassendes Konzept für den Betrieb des Suchthilfezentrums vorlegen, in dem auch der Personalbedarf und die Kosten dafür enthalten sein müssen.  

Bedarf für zwei weitere Zentren

Sehr konkret verlangt die Politik, dass die Stadt Köln jederzeit sicherstellen muss, dass das Zentrum durchgängig 24 Stunden am Stück und sieben Tage die Woche geöffnet sein muss. Die Stadtverwaltung hatte zuvor die Haltung vertreten, zum Start möglicherweise auch nur 16 Stunden pro Tag zu öffnen. Das Scheitern des bisherigen Drogenkonsumraums ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass die geplante Öffnung über 24 Stunden an sieben Tagen nie umgesetzt wurde, da dafür nicht ausreichend Personal zur Verfügung steht.

Im Änderungsantrag ist außerdem festgehalten, dass Bedarf für zwei weitere Suchthilfezentren als Ergänzung zum Perlengraben besteht und dass der Rat dafür Geld bereitstellt. Dabei handelt es sich um einen entscheidenden Punkt, um sich dem Zürcher Modell anzunähern, das die Stadt Köln sich zum Vorbild nimmt. Dort gibt es ebenfalls drei Suchthilfezentren, zwei in der Innenstadt und eines weiter außen. Nach Vorstellung von Sozialdezernent Harald Rau könnte der neue rechtsrheinische Drogenkonsumraum in Kalk, der bald eröffnen soll, zum Suchthilfezentrum ausgebaut werden. Fehlt noch der dritte Standort, der sich linksrheinisch befinden soll.

Ab dem Haushaltsjahr 2027 soll außerdem die finanzielle Unterstützung für die Suchtprävention aufgestockt werden. Damit greifen die Fraktionen die Sorgen von sechs Schulleitern auf, die sich in einem Brief an Oberbürgermeister Torsten Burmester gewandt hatten. In einem Radius von 500 Metern um das Suchthilfezentrum herum befinden sich neun Schulen, rund 9300 Schülerinnen und Schüler sind somit von möglichen Auswirkungen betroffen. Gefordert wird auch eine regelmäßige Bestreifung im Pantaleonsviertel.

Da aufgrund des Zentrums ein Spielplatz wegfällt, sollen zwei andere, in der Nähe liegende Spielplätze zudem bis zur Eröffnung der Einrichtung modernisiert werden. Gewürdigt werden soll auch der Beschluss der Bezirksvertretung Innenstadt, die unter anderem eine ansprechende architektonische Gestaltung gefordert hatte,

Geschlossenheit im Kölner Stadtrat

„Überall ist die Erkenntnis da, so kann es nicht weitergehen“, sagte Sozialdezernent Harald Rau während der Ratssitzung. Deshalb gehe es darum, aufgrund des Suchthilfezentrums die Drogenszene zurückzudrängen und gleichzeitig die Schwerstabhängigen zu unterstützen. Rau betonte, dass es sich um eine demokratische Entscheidung handele.

„Wir werden das Kölner Modell in der Suchthilfe bauen, und es immer wieder anpassen“, sagte Mechthild Böll (Grüne). Das Zentrum müsse so gut werden, dass sich die suchtkranken Menschen dort auch lange aufhalten werden. Das mache die Straßen für die Anwohner wieder sicherer.

„Wir werden es uns alle nicht leicht gemacht haben mit dieser Entscheidung, aber heute ist der richtige Tag dafür, einen Anfang zu machen“, sagte Bernd Petelkau (CDU). Er mahnte an, dass es ein neues Konzept für den Umgang mit der Drogenszene geben müsse, um diese endgültig aufzulösen.

„Hilfe drinnen, Ordnung draußen – so lautet für uns die Überschrift für das Suchthilfezentrum“, sagte Christian Joisten (SPD). Das Ziel müsse weniger Konsum im öffentlichen Raum sein und daraus folgend mehr Sicherheit und Sauberkeit. Bei dem Suchthilfezentrum handele es sich um einen „Problemlöser“.

„Das Suchthilfezentrum ist ein längst überfälliger Schritt“, sagte Isabelle Gerken (Linke). Der Erfolg stehe und falle mit der Ausstattung. Es müsse eine ausreichende Menge an medizinischem Fachpersonal und Sozialarbeitern geben.

„Wir befürworten den Standort“, sagte Sergen Belen (Volt). Die Last dürfe selbstverständlich nicht im Pantaleonsviertel abgeladen werde, das sei aber auch gerade nicht die Absicht des neuen Suchthilfezentrums. Deshalb sei es wichtig, die Sicherheit im Umfeld zu gewährleisten.

„Für ein gutes Gelingen ist es auch wichtig, dass das direkte Umfeld des Suchthilfezentrums in den Blick genommen wird“, sagte Stefanie Ruffen (FDP), die selbst im Pantaleonsviertel lebt. Es sei wichtig, miteinander zu reden und gegebenenfalls nachzubessern, falls etwas nicht funktionieren sollte.